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Ausländische Investoren setzen auf kurzfristige indische Anleihen vor Zinswende

Angesichts steigender Renditen und Inflationssorgen durch den Iran-Krieg kaufen ausländische Investoren verstärkt kurzlaufende indische Staatsanleihen.

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Ausländische Investoren setzen auf kurzfristige indische Anleihen vor Zinswende

Ausländische Investoren richten ihre Strategie am indischen Anleihenmarkt neu aus. Angesichts einer erwarteten geldpolitischen Wende der Reserve Bank of India (RBI) und inflationärer Schocks durch den Iran-Krieg setzen sie verstärkt auf kurzlaufende Staatsanleihen. Anleihen mit Laufzeiten von weniger als fünf Jahren machten von März bis Mai mehr als zwei Drittel der zehn meistgekauften Papiere ausländischer Investoren aus.

Dieser Anteil stellt einen deutlichen Anstieg gegenüber dem Zeitraum Januar bis Februar dar, in dem solche Käufe weniger als die Hälfte ausmachten. Die Daten stammen von der zuständigen Clearingstelle und belegen eine klare Verschiebung im Kaufverhalten internationaler Anleger. Der Trend zeigt, dass Investoren gezielt das kürzere Ende der Zinskurve bevorzugen.

Rekordverkäufe im März, Rückkehr im April und Mai

Das Kaufverhalten war dabei nicht linear. Im Januar und Februar erwarben ausländische Investoren Anleihen im Wert von insgesamt 221 Billionen Rupien. Im März folgte dann ein Rekordverkauf von 177 Billionen Rupien, bevor die Investoren im April und Mai wieder als Nettokäufer auftraten. Diese Volatilität spiegelt die Unsicherheit wider, die den indischen Anleihemarkt in den vergangenen Monaten geprägt hat.

Die Renditen indischer Staatsanleihen sind in den letzten drei Monaten spürbar gestiegen. Besonders ausgeprägt war der Anstieg bei kürzeren Laufzeiten, die traditionell am empfindlichsten auf Zinsänderungen reagieren. Die Rendite der zehnjährigen Benchmark-Anleihe legte von März bis Mai um 34 Basispunkte zu, während die fünfjährige Rendite sogar um 55 Basispunkte stieg. Dadurch sank der Spread zwischen beiden Laufzeiten auf ein Achtmonatstief von 15 Basispunkten.

Experten sehen attraktive Einstiegspunkte am kurzen Ende

Krishna Bhimavarapu, APAC-Ökonom bei State Street Investment Management, erklärt den Trend mit einer veränderten geldpolitischen Erwartungshaltung. „Investoren preisen zunehmend einen Schwenk hin zu einer strafferen Geldpolitik ein", so Bhimavarapu. Während allgemein erwartet wird, dass die RBI auf ihrer Juni-Sitzung die Zinsen unverändert lässt, verschiebe sich die geldpolitische Richtung deutlich.

„In einem solchen Umfeld bietet das kurze Ende der Zinskurve einen attraktiveren risikobereinigten Carry bei geringerem Durationsrisiko, während das lange Ende anfällig für weitere Neubewertungen bleibt, sollte sich der Straffungszyklus materialisieren", erläutert Bhimavarapu. Diese Einschätzung deckt sich mit dem beobachteten Kaufverhalten der ausländischen Investoren.

Nagaraj Kulkarni, Chefstratege für Zinssätze (Südasien & Indonesien) bei einer Auslandsbank, beschreibt das Phänomen als klassisches „Bear Flattening". „Die Kurve hat sich im Sinne eines Bear Flattening verflacht, da die Renditen am kurzen Ende stärker gestiegen sind als am langen Ende. Dies hat für ausländische Investoren eine bewertungsgetriebene Gelegenheit zum Kauf kurzfristiger Anleihen geschaffen", so Kulkarni.

RBI-Zinsentscheidung als nächster Katalysator

Die Zinsentscheidung der RBI wird am Freitag erwartet. Die Mehrheit der Ökonomen geht von einem unveränderten Leitzins aus. Allerdings fordert die Standard Chartered Bank eine Anhebung um 25 Basispunkte – ein Zeichen dafür, dass die Debatte über eine geldpolitische Straffung an Fahrt gewinnt.

Für deutsche Privatanleger, die in Schwellenländeranleihen investiert sind oder entsprechende Fonds halten, ist die Entwicklung in Indien relevant. Steigende Renditen am kurzen Ende der indischen Zinskurve und eine mögliche Zinswende der RBI können die Bewertung von Emerging-Market-Portfolios beeinflussen. Die Kombination aus geopolitischen Risiken durch den Iran-Krieg und einer sich verändernden Geldpolitik macht den indischen Anleihemarkt derzeit zu einem besonders beobachteten Segment unter institutionellen Investoren weltweit.

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