Amazon verhandelt Übernahme von KI-Startup Decart für sieben Milliarden Dollar
Amazon befindet sich in fortgeschrittenen Gesprächen über den Kauf des KI-Startups Decart – eine Einigung könnte bald folgen.

Amazon verhandelt über die Übernahme des Künstliche-Intelligenz-Startups Decart. Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Der Deal könnte mit rund $7 Milliarden bewertet werden – und würde damit einen der größten KI-Zukäufe des Jahres darstellen.
Das in San Francisco ansässige Unternehmen Decart entwickelt Software, die Entwicklern den Wechsel zwischen verschiedenen KI-Chips erleichtert. Diese Fähigkeit gewinnt im aktuellen Technologieumfeld erheblich an Bedeutung, da Unternehmen weltweit um mehr Rechenkapazität konkurrieren und dabei auf unterschiedliche Chip-Architekturen angewiesen sind.
Laut den Informanten könnte eine Einigung bald erzielt werden – sofern die Gespräche nicht scheitern oder ein anderer Interessent auftritt. Damit bleibt die Situation weiterhin offen, und ein Abschluss ist keineswegs garantiert.
Die Details
Decart hat laut dem Datenanbieter PitchBook mehr als $400 Millionen an Risikokapital eingesammelt. Zu den Investoren zählen namhafte Venture-Capital-Firmen wie Sequoia Capital, Benchmark und Radical Ventures – allesamt erste Adressen im Silicon Valley. Im Mai wurde das Unternehmen mit fast $4 Milliarden bewertet. Die nun kolportierte Übernahmebewertung von rund $7 Milliarden läge damit deutlich über dieser zuletzt bekannten Bewertungsrunde.
Amazon ist an der Nasdaq unter dem Ticker AMZN notiert. Die Aktie verzeichnete zum Zeitpunkt der Berichterstattung ein Minus von 1,11 Prozent. Decart selbst ist nicht börsennotiert und bislang vor allem in Fachkreisen bekannt.
Hintergrund: Was bisher geschah
Das Interesse an Decart ist nicht neu – und Amazon ist offenbar nicht der einzige Konzern, der das Potenzial des Startups erkannt hat. Bereits am 13. August 2026 berichtete aktien.news gleich in zwei separaten Meldungen, dass Anthropic – der Entwickler des KI-Modells Claude – Gespräche über eine Übernahme von Decart AI führte. Der damals genannte Kaufpreis lag laut Bloomberg News bei rund 6 Milliarden US-Dollar. Informierte Kreise bestätigten seinerzeit die laufenden Verhandlungen, betonten jedoch, dass das Geschäft noch scheitern könnte.
Laut einem dieser früheren Berichte hätte die Transaktion die größte bekannte Akquisition in der Geschichte von Anthropic dargestellt. Anthropic, das als einer der engsten Konkurrenten von OpenAI gilt, wollte Decart demnach nutzen, um die wachsende Nachfrage nach seinen Diensten besser aufzufangen. Ein Sprecher von Anthropic lehnte damals eine Stellungnahme ab. Ob die Anthropic-Gespräche gescheitert sind und Amazon nun als neuer Interessent aufgetreten ist, geht aus dem aktuellen WSJ-Bericht nicht hervor.
Amazons KI-Ambitionen sind seit Längerem bekannt. Bereits am 6. Februar 2026 berichtete aktien.news, dass Amazon für 2025 Investitionsausgaben in Höhe von rund 125 Milliarden Dollar plant, die primär in KI-Technologien und den Ausbau der Rechenzentrumsinfrastruktur fließen sollen. Und am 30. Januar 2026 meldete aktien.news, dass Amazon über eine Beteiligung von bis zu 50 Milliarden Dollar am KI-Pionier OpenAI verhandelt – was Amazon zum größten Geldgeber der entsprechenden Finanzierungsrunde gemacht hätte.
Was das für Anleger bedeutet
Für Anleger, die Amazon-Aktien halten oder beobachten, reiht sich die mögliche Decart-Übernahme in ein klares strategisches Muster ein: Amazon investiert massiv in KI-Infrastruktur und versucht, sich durch gezielte Zukäufe technologische Schlüsselkompetenzen zu sichern. Die Fähigkeit, flexibel zwischen verschiedenen KI-Chips wechseln zu können, ist für einen Cloud-Anbieter wie Amazon Web Services (AWS) von erheblichem strategischem Wert – sie reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Chip-Herstellern und erhöht die Flexibilität im Rechenzentrumsbereich.
Eine Bewertung von $7 Milliarden für ein Startup, das zuletzt mit fast $4 Milliarden bewertet wurde, signalisiert, wie heiß umkämpft KI-Infrastruktur-Technologie derzeit ist. Anleger sollten jedoch beachten, dass Übernahmegespräche dieser Art häufig scheitern oder sich verzögern. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich aus diesen Informationen nicht ableiten.
Zudem zeigt der Bieterwettbewerb um Decart – zunächst Anthropic, nun offenbar Amazon – dass die Technologie des Startups von mehreren Schwergewichten der Branche als strategisch wertvoll eingestuft wird. Das erhöht grundsätzlich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Deal zustande kommt, lässt aber offen, zu welchen Konditionen und mit welchem Partner.
Ausblick
Laut den mit der Angelegenheit vertrauten Personen könnte eine Einigung zwischen Amazon und Decart bald erzielt werden. Voraussetzung ist, dass die Gespräche nicht scheitern und kein weiterer Interessent auftritt. Konkrete Termine oder Fristen nennt der WSJ-Bericht nicht. Ob und wann eine offizielle Ankündigung erfolgt, bleibt damit offen.
Kurz erklärt
- KI-Chip-Portabilität: Die Fähigkeit von Software, nahtlos zwischen verschiedenen Arten von Prozessoren oder Grafikchips zu wechseln, ohne dass Entwickler den Code grundlegend umschreiben müssen.
- Risikokapital (Venture Capital): Kapital, das spezialisierte Investmentfirmen in junge, wachstumsstarke Unternehmen investieren, die noch nicht börsennotiert sind.
- Bewertung (Valuation): Der geschätzte Gesamtwert eines Unternehmens, der bei Finanzierungsrunden oder Übernahmeverhandlungen von den beteiligten Parteien vereinbart wird.
