Amazon stellt über 300.000 Mitarbeiter für Weihnachtsgeschäft ein
Erster Anstieg seit drei Jahren: Der Online-Händler baut in den USA mehr als 300.000 Stellen für die Feiertagssaison auf.

Amazon.com Inc. (NASDAQ:AMZN) stellt für die US-Feiertagszeit mehr als 300.000 Mitarbeiter ein. Das gab der Online-Händler am Dienstag bekannt. Es ist der erste Anstieg der Rekrutierungen für diesen Zeitraum seit drei Jahren.
Mit dem Schritt bereitet sich der Konzern auf einen starken Anstieg der Bestellungen vor. In den vergangenen drei Jahren hatte Amazon während der Feiertagszeit jeweils 250.000 Mitarbeiter beschäftigt. Die nun ausgeschriebenen Stellen entstehen in den Kernoperationen in den USA und umfassen saisonale, Teilzeit- und Vollzeitpositionen.
Die Ankündigung fällt in eine widersprüchlich anmutende Phase. Anfang des Monats hatte Amazon eine geringe Zahl von Entlassungen in seiner Einzelhandelsabteilung angekündigt. Gleichzeitig baut das Unternehmen nun für das umsatzstärkste Quartal des Jahres Personal auf.
Die Details
Die Zahl von mehr als 300.000 Neueinstellungen liegt deutlich über dem Niveau der vergangenen drei Jahre. Damals hatte Amazon für die Feiertagszeit jeweils 250.000 Mitarbeiter rekrutiert. Der aktuelle Wert markiert damit den ersten Zuwachs seit drei Jahren.
Die Stellen entfallen auf die Kernoperationen in den USA. Amazon sucht saisonale, Teilzeit- und Vollzeitkräfte. Bei der Bezahlung nennt das Unternehmen konkrete Größen: Vollzeitmitarbeiter erhalten ein Mindestgehalt von 20 US-Dollar pro Stunde, das durchschnittliche Gehalt liegt bei nahezu 24 US-Dollar. Die durchschnittlichen Stundenlöhne für Saisonkräfte beziffert Amazon mit 20 US-Dollar.
Eine Neuerung betrifft die Sozialleistungen. Ab nächstem Jahr sollen saisonale Mitarbeiter, die mindestens 30 Stunden pro Woche arbeiten, dieselben Krankenversicherungsleistungen erhalten wie reguläre Vollzeitbeschäftigte. Damit rückt Amazon die saisonale Beschäftigung näher an die reguläre Anstellung heran.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Die National Retail Federation hatte bereits letzte Woche prognostiziert, dass das Wachstum der US-Feiertagsverkäufe im Vergleich zum Vorjahr um 4,2 Prozent zulegt und in diesem Jahr mehr als 1 Billion US-Dollar erreicht.
Auch die Konkurrenz bewegt sich. Letzte Woche hat der Einzelhändler Walmart seine Krankenversicherungsleistungen für seine Belegschaft ausgeweitet. Hintergrund sind steigende Gesundheitsausgaben, die die Amerikaner unter Druck setzen, die ohnehin mit steigenden Lebenshaltungskosten konfrontiert sind.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Einstellungsoffensive steht in auffälligem Kontrast zur jüngeren Personalpolitik des Konzerns. Bereits am 23.01.2026 berichtete aktien.news, dass Amazon vor der zweiten großen Entlassungswelle innerhalb weniger Monate steht. Laut Reuters-Informationen sollten ab Dienstag nächster Woche rund 14.000 weitere Stellen im Unternehmensbereich gestrichen werden. Dies entsprach dem Umfang der bereits im Oktober 2024 durchgeführten Kündigungen.
Ebenfalls am 23.01.2026 meldete aktien.news, dass die geplanten Kürzungen Teil einer umfassenden Restrukturierung sind, mit der Amazon seine globale Belegschaft um insgesamt 30.000 Mitarbeiter reduzieren will. Dies würde knapp 10 Prozent der Beschäftigten im Konzernbereich betreffen, bei einer Gesamtbelegschaft von 1,58 Millionen Mitarbeitern allerdings nur einen Bruchteil ausmachen.
Am 29.01.2026 berichtete aktien.news über eine drastische Kehrtwende am US-Arbeitsmarkt. Nach Jahren aggressiver Personalaufstockung während der Pandemie bauten Konzerne wie Amazon und UPS massiv Stellen ab. Die neue Sparwelle traf Tausende Beschäftigte, während die Unternehmen ihre aufgeblähten Kostenstrukturen korrigierten. In den Jahren 2020 und 2021 hatten viele US-Konzerne ihre Belegschaften deutlich vergrößert und erhebliche Gehaltserhöhungen gewährt.
Am 05.02.2026 folgte ein weiterer Befund: US-Unternehmen hatten im Januar 2026 die meisten Stellenstreichungen seit der globalen Finanzkrise angekündigt. Laut der Outplacement-Firma Challenger, Gray & Christmas planten amerikanische Arbeitgeber 108.435 Entlassungen – ein Anstieg von 118 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 205 Prozent gegenüber Dezember 2025. Gleichzeitig erreichten die Neueinstellungen mit nur 5.306 Stellen den niedrigsten Januar-Wert seit Beginn der Datenerfassung 2009.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Ankündigung ein Signal zur Einordnung der Amazon-Aktie. Der Konzern fährt zweigleisig: Im Verwaltungsapparat wird gespart, im operativen Geschäft zur Hochsaison wird aufgebaut. Die saisonale Einstellungswelle ist zunächst ein Kostenfaktor, sie dient aber der Absicherung des umsatzstärksten Quartals.
Bemerkenswert ist die Anhebung der Sozialleistungen für saisonale Kräfte ab dem kommenden Jahr. Sie zeigt, dass Amazon im Wettbewerb um Arbeitskräfte Zugeständnisse macht. Der Vergleich mit Walmart, der ebenfalls letzte Woche seine Krankenversicherungsleistungen ausweitete, deutet auf einen breiteren Trend im US-Einzelhandel hin.
Die Prognose der National Retail Federation von mehr als 1 Billion US-Dollar Feiertagsumsatz und einem Wachstum von 4,2 Prozent liefert den Rahmen für die Erwartungen an das Weihnachtsgeschäft. Ob Amazon davon überproportional profitiert, lässt sich aus den vorliegenden Angaben nicht ableiten. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung ist damit nicht verbunden.
Ausblick
Kurzfristig entscheidend ist die Umsetzung der Einstellungsoffensive in den USA. Amazon hat angekündigt, mehr als 300.000 Mitarbeiter für saisonale, Teilzeit- und Vollzeitstellen in seinen Kernoperationen zu gewinnen.
Ab dem kommenden Jahr greift zudem die Zusage, dass saisonale Mitarbeiter mit mindestens 30 Wochenstunden dieselben Krankenversicherungsleistungen erhalten wie reguläre Vollzeitbeschäftigte. Wie sich die Personalpolitik darüber hinaus entwickelt, geht aus den vorliegenden Informationen nicht hervor.
Kurz erklärt
- Saisonale Beschäftigung: befristete Anstellung für einen begrenzten Zeitraum mit hohem Arbeitsanfall, etwa im Weihnachtsgeschäft.
- Krankenversicherungsleistungen: vom Arbeitgeber bereitgestellte Absicherung für medizinische Kosten der Beschäftigten.
- National Retail Federation: US-Branchenverband des Einzelhandels, der regelmäßig Umsatzprognosen veröffentlicht.
