Amazon-Aktie fällt fast 7% – Cloud und Werbung enttäuschen
Der Umsatz steigt um 12% auf 201,9 Milliarden Dollar, doch Gewinn und Cloud-Geschäft bleiben hinter den Erwartungen der Wall Street zurück.

Die Aktie von Amazon (AMZN) ist im Freiverkehr am Donnerstag um fast 7% gefallen. Der Grund: Der Gesamtumsatz und das Ergebnis je Aktie des Cloud- und E-Commerce-Konzerns blieben hinter den Erwartungen der Wall Street zurück. Damit erging es dem Unternehmen ähnlich wie Alphabet am Mittwoch, dessen Cloud-Berichterstattung ebenfalls nicht ausreichte, um Schwächen in anderen Geschäftsbereichen auszugleichen.
Der Gesamtumsatz von Amazon stieg im Vergleich zum Vorjahr um 12% auf 201,9 Milliarden US-Dollar. Das Ergebnis je Aktie lag bei 1,89 US-Dollar. Die von FactSet befragten Analysten hatten jedoch 202,2 Milliarden US-Dollar Umsatz und 1,97 US-Dollar je Aktie erwartet. Beide Kennzahlen verfehlten damit die Konsensschätzung.
Besonders belastend wirkten die mäßigen Ergebnisse im Cloud-Geschäft AWS und ein schwaches Wachstum im Werbegeschäft. Die Cloud-Berichterstattung von Amazon.com reichte nicht aus, um die schwache Leistung in anderen Geschäftsbereichen zu kompensieren. Für Anleger ist das ein Kontrast zu den vorangegangenen Quartalen, in denen das Cloud-Wachstum noch für Kursfantasie gesorgt hatte.
Die Details
Im Mittelpunkt der Enttäuschung stehen zwei Kennzahlen: der Umsatz und der Gewinn je Aktie. Der Umsatz von 201,9 Milliarden US-Dollar bedeutet ein Plus von 12% gegenüber dem Vorjahresquartal. Das klingt nach einem soliden Wachstum, verfehlte aber die durchschnittliche Analystenprognose von 202,2 Milliarden US-Dollar.
Beim Ergebnis je Aktie fiel die Lücke deutlicher aus. Mit 1,89 US-Dollar lag Amazon unter der erwarteten Marke von 1,97 US-Dollar. Die Differenz mag auf den ersten Blick klein wirken, ist für die Bewertung an der Börse aber relevant, weil der Gewinn je Aktie zu den wichtigsten Kennzahlen für Investoren zählt.
Die Reaktion folgte prompt: Die Aktie verlor im Freiverkehr am Donnerstag fast 7%. Der Freiverkehr, also der Handel außerhalb der regulären Börsenzeiten, gilt als erster Stimmungstest für den Handel am nächsten Tag. Der Kursrückgang zeigt, dass die Anleger die Zahlen als Enttäuschung werten.
Neben dem Cloud-Geschäft AWS, das als Wachstumsmotor des Konzerns gilt, schwächelte auch das Werbegeschäft. Beide Bereiche sind für Amazon strategisch wichtig, weil sie höhere Margen versprechen als der klassische Onlinehandel. Wenn ausgerechnet diese Segmente an Dynamik verlieren, fällt es schwerer, die hohen Investitionen in andere Bereiche zu rechtfertigen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Der Blick auf die jüngere Berichterstattung von aktien.news zeigt, wie stark die Stimmung um Amazon zuletzt geschwankt hat. Bereits am 31.07.2026 berichtete aktien.news, dass die Amazon-Aktie nach starken Quartalszahlen um mehr als 12% in die Höhe sprang. Damals übertraf der Konzern mit einem Gesamtumsatz von 200,6 Milliarden US-Dollar die durchschnittliche Analystenprognose von 196,16 Milliarden US-Dollar deutlich. Der Gewinn je Aktie lag bei 5,75 US-Dollar, war jedoch aufgrund eines hohen einmaligen Gewinns aus Investitionen nicht direkt mit der Konsensschätzung vergleichbar.
Ebenfalls am 31.07.2026 meldete aktien.news, dass das Cloud-Wachstum von Amazon ein Mehrjahreshoch erreichte, das zuletzt vor mehr als vier Jahren verzeichnet worden war. Das beschleunigte Wachstum im Cloud-Computing half damals, die weiterhin hohen Ausgaben für künstliche Intelligenz auszugleichen.
Am selben Tag berichtete aktien.news zudem, dass Amazon seinen KI-Investitionsplan anhob. CEO Andy Jassy gab in einer Telefonkonferenz mit Investoren bekannt, dass die Investitionsausgaben (Capex) 2026 voraussichtlich 220 Milliarden Dollar erreichen werden. Noch im Februar hatte das Unternehmen eine Prognose von 200 Milliarden Dollar ausgegeben und diese im April bestätigt. Als Haupttreiber der Erhöhung nannte Jassy steigende Speicherpreise. Die Aktie legte im nachbörslichen Handel um mehr als 10% zu.
Ein anderes Bild ergab sich bereits am 06.02.2026. Damals berichtete aktien.news, dass Amazon mit seinem Cloud-Wachstum enttäuschte und 16.000 Stellen strich. Der Umsatz von Amazon Web Services (AWS) stieg im Vergleich zum Vorjahr um 24% auf 35,6 Milliarden Dollar, lag damit aber deutlich hinter der Konkurrenz zurück. Microsoft meldete für sein Cloud-Geschäft Azure ein Wachstum von 39% im vierten Quartal, Google Cloud sogar ein Umsatzplus von 48% auf fast 18 Milliarden Dollar. Die schwächere Performance von AWS nährte damals Sorgen, dass der KI-Boom an Schwung verlieren könnte.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die in Amazon investiert sind, zeigt der Kursrückgang, wie sensibel der Markt auf die Cloud- und Werbeerlöse reagiert. Diese Segmente gelten als die profitabelsten Teile des Konzerns und bestimmen maßgeblich die Bewertung. Verfehlen sie die Erwartungen, gerät die gesamte Aktie unter Druck, selbst wenn der Gesamtumsatz weiter wächst.
Zugleich fällt auf, dass Amazon in der Vergangenheit sehr unterschiedlich auf Quartalszahlen reagiert hat. Auf starke Cloud-Zahlen folgten teils deutliche Kursgewinne, auf schwache Cloud-Zahlen dagegen Enttäuschung. Anleger sollten daher die Entwicklung der Cloud-Sparte und des Werbegeschäfts besonders aufmerksam verfolgen, statt sich allein auf die Umsatzentwicklung zu konzentrieren.
Wichtig ist auch der Zusammenhang mit den hohen Investitionen. Amazon plant, 2026 erheblich mehr Kapital in den Ausbau der Infrastruktur zu stecken. Solche Ausgaben belasten kurzfristig den Gewinn, sollen aber langfristig das Wachstum sichern. Ob diese Rechnung aufgeht, hängt davon ab, ob die Cloud- und Werbeerlöse wieder anziehen.
Ausblick
Konkrete Termine für das nächste Quartal nennt die Quelle nicht. Klar ist jedoch, dass Amazon an seinem erhöhten Investitionsplan für 2026 festhält. CEO Andy Jassy hatte deutlich gemacht, dass die Ausgabenoffensive in absehbarer Zeit nicht nachlassen werde. Für die kommenden Berichtsperioden wird entscheidend sein, ob das Cloud-Geschäft AWS und das Werbegeschäft wieder stärker wachsen und die Erwartungen der Analysten erfüllen.
Kurz erklärt
- Cloud-Computing: Das Anbieten von Rechenleistung, Speicher und Software über das Internet, statt auf lokalen Servern.
- Ergebnis je Aktie: Der auf eine einzelne Aktie entfallende Gewinn eines Unternehmens, eine zentrale Kennzahl für Anleger.
- Freiverkehr: Der Handel mit Aktien außerhalb der regulären Börsenzeiten, der als erster Stimmungstest für den nächsten Handelstag gilt.
- Capex: Die Investitionsausgaben eines Unternehmens für langlebige Anlagegüter wie Rechenzentren und Ausrüstung.
