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Allianz und Royal London setzen weiter auf britische Staatsanleihen

Große Investoren halten trotz politischer Turbulenzen an Gilts fest – und vertrauen auf die abschreckende Wirkung des Truss-Debakels.

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Allianz und Royal London setzen weiter auf britische Staatsanleihen

Allianz Global Investors und Royal London Asset Management halten unbeirrt an ihren Positionen in britischen Staatsanleihen fest. Beide Häuser setzen darauf, dass die Erinnerung an den Gilt-Zusammenbruch von 2022 jeden potenziellen neuen britischen Premierminister fiskalisch in die Schranken weisen wird. Der britische Anleihemarkt geriet zuletzt unter erheblichen Druck, nachdem die regierende Labour-Partei bei den Lokalwahlen der vergangenen Woche schwere Verluste einstecken musste.

Die Verluste stellen die politische Zukunft von Premierminister Keir Starmer infrage. Als möglicher Herausforderer gilt Andy Burnham, der Bürgermeister von Manchester. Die Aussicht auf eine Kandidatur Burnhams trieb die Renditen zehnjähriger Gilts am Freitag auf den höchsten Stand seit 2008 – Investoren fürchten, ein weiter links stehender Parteichef könnte die Staatsausgaben deutlich ausweiten.

Burnham hatte Investoren bereits im vergangenen Jahr mit der Aussage aufgeschreckt, Großbritannien müsse aufhören, „bei den Anleihemärkten in der Kreide zu stehen". Er sprach sich zudem für höhere Verteidigungsausgaben außerhalb der geltenden Fiskalregeln, Steuersenkungen für Geringverdiener sowie einen höheren Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer aus.

Das Truss-Debakel als mahnendes Beispiel

Die Erinnerung an den Gilt-Ausverkauf von 2022 wirkt als mächtiges Korrektiv. Das unfinanzierte Steuersenkungs-Budget der damaligen konservativen Premierministerin Liz Truss löste in Verbindung mit Notverkäufen durch Pensionsfonds einen Renditeanstieg von einem vollen Prozentpunkt innerhalb einer einzigen Woche aus. Truss musste nach weniger als zwei Monaten im Amt zurücktreten.

Ranjiv Mann, leitender Portfoliomanager bei Allianz Global Investors – dem Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 591 Milliarden Euro (688 Milliarden US-Dollar) – sieht in diesem historischen Ereignis eine dauerhafte Bremse für fiskalpolitische Experimente. „Wir haben diesen Weg seit Ende 2022, seit der Regierung von Liz Truss, schon mehrfach beschritten. Großbritannien wird von den Märkten immer wieder daraufhin getestet werden, ob es diesen strengen fiskalpolitischen Kurs beibehält", sagte Mann. Er hält eine Position, die 30-jährige Gilts gegenüber US-Treasuries bevorzugt.

Craig Inches, Leiter für Zinsen und Cash bei Royal London Asset Management, hat seine Gilt-Bestände sogar aktiv aufgestockt. Er ist überzeugt, dass die aktuellen Renditeniveaus angesichts der Belastungen für den britischen Fiskalpielraum und die Schuldenkosten langfristig nicht haltbar sind – sinkende Renditen würden steigende Anleihekurse bedeuten. „Wir haben unsere Position in Gilts ausgebaut, da das, was der Markt derzeit einpreist, längerfristig weder aus Sicht des fiskalischen Spielraums noch der Schuldenfinanzierung tragbar erscheint", erklärte Inches.

Bond Vigilantes als Wächter der Haushaltsdisziplin

Inches mahnte zugleich, dass Burnham im Falle einer Kandidatur rasch einen Kurswechsel in seiner Kommunikation vollziehen müsse: „Burnham wird sich in seinen Äußerungen sehr freundlich gegenüber dem Gilt-Markt zeigen müssen, andernfalls wird der britische Spielraum verschwunden sein, bevor er in die Downing Street Nr. 10 einzieht."

Ariel Bezalel, Investmentmanager für festverzinsliche Wertpapiere bei Jupiter Fund Management, hat sein Gilt-Engagement im April zwar etwas reduziert, hält angesichts der hohen Renditen und vorsichtiger Signale potenzieller Führungskandidaten aber weiterhin einen „ordentlichen" Betrag in kurz- und mittelfristigen britischen Anleihen. „Ich denke, die ‚Bond Vigilantes' werden sicherstellen, dass die britische Regierung vorsichtig bleibt und ihre fiskalischen Pläne nicht überzieht", sagte Bezalel.

Auch Amundi, Europas größter Vermögensverwalter, beobachtet den Markt aufmerksam. Monica Defend, Leiterin des Investmentinstituts bei Amundi, sieht bei einem Anstieg der Renditen 30-jähriger Gilts auf 6% – von derzeit rund 5,8% – eine attraktive Einstiegsgelegenheit. Sie schließt einen erneuten „Liz-Truss-Moment" aus: „Selbst ein linker Labour-Chef wird das Defizit nicht ausweiten wollen." Steuern würden wahrscheinlich parallel zu den Ausgaben steigen.

Großbritannien kämpft derzeit mit schwachem Wirtschaftswachstum und anhaltend hoher Inflation. Der Energiepreisschock infolge des Iran-Krieges stellt eine zusätzliche Belastung für die ohnehin angespannten britischen Staatsfinanzen dar. Die Gilt-Renditen gehören bereits jetzt zu den höchsten unter den großen Volkswirtschaften. Burnham selbst erklärte, seine früheren Äußerungen hätten nicht bedeutet, die Anleihemärkte zu ignorieren – eine wachstumsfördernde Politik würde die öffentlichen Kosten senken. Die ehemalige stellvertretende Premierministerin Angela Rayner, eine weitere potenzielle Kandidatin, soll Investoren laut einem Bericht der Financial Times vom März in einem Telefonat eine beruhigende Botschaft zu den öffentlichen Finanzen übermittelt haben.

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