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25 Jahre Drogenentkriminalisierung: Portugals Modell auf dem Prüfstand

25 Jahre Drogenentkriminalisierung in Portugal zeigen Erfolge und Grenzen eines Public-Health-Ansatzes.

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25 Jahre Drogenentkriminalisierung: Portugals Modell auf dem Prüfstand

Portugal feiert 2026 ein bemerkenswertes Jubiläum: 25 Jahre Entkriminalisierung aller Drogen zum Eigenbedarf. Der Schritt, den das Land im Jahr 2001 vollzog, gilt weltweit als wegweisendes Modell für eine Drogenpolitik, die auf öffentliche Gesundheit und Schadensminimierung setzt statt auf Bestrafung. Die Bilanz nach einem Vierteljahrhundert ist beeindruckend – doch die Erfahrungen anderer Länder zeigen, wie schwierig die Nachahmung ist.

Ausgangspunkt der portugiesischen Reform war eine verheerende Heroin-Krise Ende der 1990er Jahre. Schätzungsweise ein Prozent der Bevölkerung war damals heroinabhängig, die Überdosierungszahlen stiegen rasant. Portugal verzeichnete die höchste HIV-Inzidenz in der Europäischen Union unter injizierenden Drogenkonsumenten. Die Regierung reagierte mit einem radikalen Kurswechsel: Eine multidisziplinäre Kommission aus Ärzten, Psychiatern, Psychologen, Juristen und Forschern erarbeitete eine nationale Strategie, die 1999 verabschiedet und 2001 durch die Entkriminalisierung ergänzt wurde.

Die Ergebnisse sind bemerkenswert

Die drogenbedingten Todesfälle fielen nach Einführung des neuen Ansatzes drastisch und bleiben auf niedrigem Niveau. Im Jahr 2023 verzeichnete Portugal 105 tödliche Drogenüberdosierungen – ein leichter Anstieg gegenüber 96 im Vorjahr und 81 im Jahr 2021, aber immer noch weit unter den Werten auf dem Höhepunkt der Krise. Noch deutlicher ist der Rückgang bei den HIV-Neuinfektionen: Waren es 2005 noch 583 Fälle, die mit injizierendem Drogenkonsum zusammenhingen, sank die Zahl bis 2024 auf lediglich 19 – ein Rückgang von rund 97 Prozent.

Behandlung bleibt im portugiesischen Modell zentral. Im Jahr 2023 erhielten mehr als 24.000 Menschen Betreuung durch das spezialisierte öffentliche ambulante System des Landes. Dieses Netzwerk multidisziplinärer Behandlungsteams bietet medizinische Versorgung und Verbindungen zu anderen Gesundheits- und Sozialdienstleistungen. Interessanterweise ist der Konsum von Cannabis – der in Portugal weiterhin illegal ist, aber keine Straftat darstellt – heute einer der Hauptgründe, warum Menschen dieses System aufsuchen.

Entkriminalisierung bedeutet in Portugal nicht, dass der Besitz folgenlos bleibt. Personen, bei denen kleine Mengen zum Eigenbedarf gefunden werden, können multidisziplinären Abschreckungskommissionen zugeführt werden. Diese können sie mit Dienstleistungen verbinden oder geringfügige administrative Sanktionen verhängen. Eine strafrechtliche Anklage oder Inhaftierung wegen Besitzes ist jedoch ausgeschlossen. Die Herstellung und der Handel mit Drogen bleiben weiterhin Straftaten.

Ein schwierig zu kopierendes Modell

Die portugiesischen Erfolge haben das Land zu einem internationalen Vorbild für Drogenpolitik-Reformen gemacht. Doch die Nachahmung erweist sich als schwierig. Wie die Autoren Karyn Sporer und Robert Glover von der University of Maine in ihrem Beitrag für The Conversation betonen, hängen diese Politiken von einem integrierten System aus Gesundheits- und Sozialdienstleistungen, nachhaltiger politischer Unterstützung und der Zustimmung der Institutionen ab.

Das Pilotprojekt zur Entkriminalisierung in der kanadischen Provinz British Columbia im Jahr 2023 bietet einen wichtigen Kontrast. Trotz Kanadas universeller Gesundheitsversorgung und einer etablierten Infrastruktur zur Schadensminimierung gelang es nicht, das integrierte Modell Portugals zu replizieren. Polizisten waren nicht verpflichtet, Menschen an Dienstleistungen zu verweisen, Behandlungsanbieter erhielten keine zusätzlichen Mittel, und Wartelisten bestanden fort. Angesichts wachsender Bedenken hinsichtlich des öffentlichen Drogenkonsums ließ die Provinz das Experiment im Januar 2026 auslaufen.

Noch deutlicher werden die Risiken am Beispiel des US-Bundesstaates Oregon. Die Wähler genehmigten dort 2020 die Measure 110, die den Drogenbesitz entkriminalisierte und Einnahmen aus der Cannabissteuer zur Ausweitung von Behandlungs- und Genesungsdienstleistungen lenkte. Ein staatlicher Audit vom Dezember 2025 offenbarte jedoch eine desaströse Umsetzung: instabile Führung, verzögerte Dienstleistungen und schlechte Koordination. Anders als in Portugal gelang es nicht, die Zustimmung der Strafverfolgungsbehörden zu sichern. Statt eines integrierten Versorgungssystems operierten neue Dienstleistungen oft parallel zum bereits fragmentierten System der Verhaltensgesundheit. Bereits 2024 re-kriminalisierten die Gesetzgeber in Oregon den Besitz – bevor überhaupt zuverlässige Daten vorlagen, um das Experiment zu bewerten.

Die wichtigste Lektion nach 25 Jahren

Fünfundzwanzig Jahre nach der portugiesischen Reform könnte die wichtigste Lehre nicht die Entkriminalisierung selbst sein. Vielmehr zeigt die Erfahrung des Landes, dass die Reduzierung der Schäden des Drogenkonsums den mühsamen Aufbau und die Aufrechterhaltung eines Systems erfordert, das Menschen mit Behandlung, Gesundheitsversorgung und sozialer Unterstützung verbindet – ohne Abstinenz zur Voraussetzung für Hilfe zu machen.

Die Autoren Sporer und Glover, die seit drei Jahren einen Kurs über Drogenpolitik und Schadensminimierung in Portugal unterrichten, betonen die pragmatischen Grundannahmen des portugiesischen Ansatzes: Menschen werden Drogen konsumieren, und die öffentliche Politik kann die damit verbundenen Schäden reduzieren, selbst wenn sie den Konsum nicht vollständig verhindern kann. In der Praxis bedeutet dies Maßnahmen wie die Bereitstellung steriler Konsumgeräte, die Ausweitung von Schadensminimierungsdiensten und die Einrichtung von Konsumräumen unter medizinischer Aufsicht.

Die finanziellen Investitionen Portugals in diese Strategie sind trotz Finanzkrisen und Haushaltskürzungen erhalten geblieben. Das Land adressiert auch begleitende Probleme wie Wohnungsmangel und Arbeitslosigkeit, die eine nachhaltige Genesung erschweren können. Für Deutschland, wo die Diskussion über eine Reform der Drogenpolitik immer wieder aufflammt, bietet das portugiesische Modell wertvolle Anschauung: Die Änderung von Drogengesetzen kann Teil des Projekts sein. Die härtere Arbeit besteht im Aufbau und der Erhaltung der Institutionen, die einen Public-Health-Ansatz überhaupt erst möglich machen.

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