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ZF Friedrichshafen streicht E-Auto-Projekte: 1,7 Mrd. Euro Verlust erwartet

Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen muss 2025 einen Milliardenverlust verkraften. Das vorzeitige Ende mehrerer E-Mobilitätsprojekte belastet das Unternehmen mit bis zu 1,7 Milliarden Euro.

ZF Friedrichshafen streicht E-Auto-Projekte: 1,7 Mrd. Euro Verlust erwartet

Der schwer verschuldete Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen steuert auf ein Verlustjahr 2025 zu. Grund ist die vorzeitige Beendigung mehrerer Elektroauto-Projekte, die aufgrund des schleppenden E-Mobilitäts-Hochlaufs nicht die erwartete Rentabilität erreichten. Die Einmalbelastung beläuft sich auf 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte.

Finanzchef Michael Frick sieht in dem Schritt dennoch eine Chance: "Diese Entscheidung befreit ZF von Altlasten und schafft die Grundlage für neue Handlungsspielräume sowie nachhaltig verbesserte Profitabilität in den kommenden Jahren." Die finale Bilanz wird am 19. März veröffentlicht.

Operative Geschäftsentwicklung übertrifft Erwartungen

Trotz des erwarteten Buchverlusts entwickelte sich das operative Geschäft besser als prognostiziert. Die bereinigte Gewinnmarge lag mit deutlich über vier Prozent über der selbstgesteckten Spanne von drei bis vier Prozent. Besonders positiv überraschte der Cashflow: Mit über einer Milliarde Euro fiel der bereinigte freie Cashflow doppelt so hoch aus wie die ursprünglich anvisierten 500 Millionen Euro.

Dieser starke Mittelzufluss ermöglichte eine spürbare Reduzierung des Schuldenstands zum Jahresende. Ende September 2025 lag die Nettoverschuldung des Stiftungskonzerns noch bei 10,6 Milliarden Euro – eine Belastung, die laut dem seit Oktober amtierenden ZF-Chef Mathias Miedreich die unternehmerische Handlungsfreiheit erheblich einschränkt.

Entschuldung durch strategische Verkäufe

"Unsere Maßnahmen zur Neuausrichtung von ZF greifen", zeigt sich Miedreich zuversichtlich. Seine Priorität liegt klar auf der Cashflow-Verbesserung und dem Schuldenabbau. Da eine Kapitalerhöhung mangels Börsennotierung nicht möglich ist, setzt ZF auf den Verkauf von Geschäftsbereichen.

Kurz vor Weihnachten verkaufte das Unternehmen bereits die Sparte für Fahrerassistenzsysteme (ADAS) an den Innenraumelektronik-Spezialisten Harman. Mit diesem Erlös soll die Verschuldung unter die Zehn-Milliarden-Euro-Marke gedrückt werden. Als nächster Schritt steht ein Verkauf oder Börsengang der Airbag-Sparte Lifetec an.

Sanierungspakt und Stellenabbau

ZF kämpft nicht nur mit der allgemeinen Autokrise, sondern auch mit den Folgen großer Übernahmen in der Vergangenheit. Im Herbst 2025 vereinbarte das Management einen Sanierungspakt für die Antriebssparte mit dem Betriebsrat. Mehr als die Hälfte der insgesamt 14.000 zu streichenden Stellen entfällt auf diesen Bereich.

Miedreich gilt im Umgang mit den Arbeitnehmern als diplomatischer als sein Vorgänger Holger Klein. Aktuell prüft ZF, ob E-Motoren künftig zugekauft statt selbst produziert werden sollen – eine Entscheidung, die weitere Arbeitsplätze kosten könnte. Beobachter vermuten, dass Miedreich neue negative Nachrichten vor den anstehenden Betriebsratswahlen in einigen Wochen vermeiden will.

Die Antriebssparte bleibt trotz der Restrukturierung Teil des Konzerns, muss aber mit deutlich weniger Personal auskommen. Die Strategie des neuen Konzernchefs konzentriert sich klar auf Entschuldung und Profitabilität – auch wenn dies kurzfristig schmerzhafte Einschnitte bedeutet.

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