Aktive Aktienfonds scheitern weiterhin: Nur 27 Prozent schlagen den Index
Trotz KI-Boom und verändertem Zinsumfeld versagen aktiv verwaltete US-Aktienfonds auf breiter Front – mit dramatischen Langzeitfolgen.

Aktiv verwaltete US-Aktienfonds stecken im Leistungsdilemma. Laut aktuellen Daten von Morningstar schafften es in den zwölf Monaten bis zum 30. Juni lediglich 27 % der aktiv verwalteten Large-Cap-Fonds, ihre passiven Vergleichsindizes nach Abzug der Gebühren zu übertreffen. Der Langzeitvergleich fällt noch deutlicher aus: Über zehn Jahre konnten nur 13 % der aktiven Fonds ihre Benchmarks schlagen.
Dabei hatten Investmentprofis zuletzt lautstark argumentiert, die Bedingungen hätten sich endlich zugunsten aktiver Strategien verschoben. Das Ende der Ära des „billigen Geldes" und die disruptive Kraft der Künstlichen Intelligenz, so das Argument, würden massive Gewinner und Verlierer an den Märkten hervorbringen – und damit selektives Stock-Picking wichtiger denn je machen. Häuser wie T. Rowe Price, Janus Henderson und Jefferies positionierten sich entsprechend optimistisch.
Konzentration im S&P 500 als strukturelles Problem
Die Realität an den Märkten erzählt jedoch eine andere Geschichte. Die Renditen großer Indizes wie dem S&P 500 und dem Nasdaq 100 werden maßgeblich von einer kleinen Gruppe hoch bewerteter Technologieunternehmen getrieben. Die zehn größten Unternehmen im S&P 500 machen mittlerweile über 40 % des Index aus – der höchste Konzentrationsgrad seit den 1960er Jahren.
Genau hier liegt das strukturelle Dilemma für aktive Manager: Viele scheuen sich davor, diese extreme Konzentration in ihren Portfolios nachzubilden, da sie das Klumpenrisiko in einem einzelnen Sektor fürchten. Steigen die großen Tech-Werte jedoch weiter, bleiben diese Fonds zwangsläufig hinter ihren Benchmarks zurück – ein Teufelskreis, aus dem es kaum einen Ausweg gibt.
Matthew Bartolini von State Street Global Advisors weist darauf hin, dass aktive Aktienfonds seit dem Jahr 2015 kontinuierlich unter Mittelabflüssen leiden. Den anhaltenden Misserfolg vergleicht er ironisch mit der sportlichen Erfolglosigkeit der New York Jets – einem NFL-Team, das seit Jahrzehnten auf einen Titel wartet.
Passive ETFs verwalten fast doppelt so viel Kapital
Die schwache Leistungsbilanz beschleunigt den Kapitalabzug aus aktiv verwalteten Fonds hin zu kostengünstigeren und steuereffizienteren börsengehandelten Indexfonds (ETFs). Während passive US-Fonds im Jahr 2020 erstmals das gleiche Vermögensvolumen wie aktive Fonds erreichten, verwalten sie heute bereits fast doppelt so viel Kapital. Für das laufende Jahr werden Rekordzuflüsse von einer Billion US-Dollar in passive ETFs erwartet – ein historischer Meilenstein.
Für deutsche Privatanleger ist dieser Trend besonders relevant: Auch hierzulande wächst das Angebot an kostengünstigen ETFs rasant, während aktiv verwaltete Fonds oft mit Ausgabeaufschlägen und laufenden Kosten von einem Prozent und mehr belasten. Die internationale Datenlage legt nahe, dass diese Mehrkosten in den seltensten Fällen durch eine bessere Performance gerechtfertigt werden.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseEin Lichtblick: Anleihen als Domäne aktiver Manager
Nicht alle Anlageklassen sind gleich. Im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere zeigt sich ein deutlich positiveres Bild für aktives Management: Rund 66 % der Intermediate-Core-Bond-Fonds konnten ihre Benchmarks im vergangenen Jahr schlagen. Eine Mehrheit dieser Fonds erzielt dies bereits seit drei Jahren in Folge – ein statistisch bedeutsamer Befund.
Experten von State Street Global Advisors leiten daraus eine klare Empfehlung für Anleger ab: Kostengünstige ETFs sollten für die breite Aktienmarkt-Abdeckung genutzt werden. Das Budget für aktives Management sollte gezielt auf Anlageklassen wie Anleihen konzentriert werden, in denen die Chancen auf eine Outperformance statistisch deutlich höher liegen. Diese differenzierte Strategie könnte für viele Privatanleger der sinnvollste Mittelweg zwischen den beiden Welten sein.


