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Wie die EU Viktor Orbán zu dem machte, was er ist

Ein Kolumnist von Le Monde analysiert, welche Rolle die Europäische Union bei der politischen Entwicklung des ungarischen Ministerpräsidenten spielte.

Wie die EU Viktor Orbán zu dem machte, was er ist

Die Frage, wie Viktor Orbán zu einem der streitbarsten Politiker Europas wurde, beschäftigt Beobachter seit Jahren. Ein Kolumnist von Le Monde widmet sich in einem Beitrag für die Financial Times genau dieser Frage – und liefert dabei eine provokante These: Die Europäische Union selbst habe maßgeblich zur Formung des ungarischen Ministerpräsidenten beigetragen.

Als Ausgangspunkt dient eine persönliche Anekdote aus den Memoiren der ehemaligen deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. In ihrem Buch „Freiheit" schildert Merkel ihre Erinnerungen an das Fußball-Weltmeisterschaftsfinale 2014 in Rio de Janeiro, bei dem Deutschland gegen Argentinien antrat.

Orbán und Merkel – eine Begegnung am Rande des WM-Finals

Merkel beschreibt in ihren Memoiren ihre Aufregung vor dem entscheidenden Spiel. Zufällig saß Viktor Orbán, bekennender Fußballfan, direkt vor ihr im Stadion. Der ungarische Regierungschef nutzte die Gelegenheit für einen Seitenhieb in Richtung der deutschen Kanzlerin: „Eines ist klar. Hier können Sie nicht sicher sein, dass Sie gewinnen werden." Deutschland gewann das Finale letztlich mit 1:0 gegen Argentinien.

Für Merkel, so schreibt sie selbst, sollte es sich jedoch als weitaus schwieriger erweisen – womit sie offenbar auf die politischen Auseinandersetzungen mit Orbán in den Folgejahren anspielt. Die Begegnung am Rande des WM-Finals steht damit sinnbildlich für eine komplizierte politische Beziehung, die Europa über Jahre hinweg beschäftigt hat.

Ein Blick auf Orbáns politische Entwicklung

Der Beitrag des Le-Monde-Kolumnisten erscheint im Rahmen des wöchentlichen Newsletters der FT, in dem Chefredakteurin Roula Khalaf ihre Lieblingsgeschichten der Woche auswählt. Die Auswahl dieses Themas unterstreicht die anhaltende Relevanz der Frage, wie Orbán und seine Politik einzuordnen sind – nicht nur für Ungarn, sondern für die gesamte Europäische Union.

Orbán regiert Ungarn seit 2010 ununterbrochen und hat das Land in dieser Zeit tiefgreifend verändert. Seine Konflikte mit Brüssel über Rechtsstaatlichkeit, Pressefreiheit und Migrationspolitik sind gut dokumentiert. Die These, dass europäische Institutionen und Entscheidungen zur Radikalisierung seiner politischen Haltung beigetragen haben könnten, ist dabei alles andere als trivial – sie berührt grundlegende Fragen über die Funktionsweise und die Wirkung der EU auf ihre Mitgliedsstaaten.

Für deutsche Leser und Anleger ist das Thema von besonderer Bedeutung: Deutschland ist der größte Nettozahler der EU und gleichzeitig eng mit Ungarn wirtschaftlich verflochten. Die politische Stabilität in Mittel- und Osteuropa hat direkte Auswirkungen auf Investitionsentscheidungen und die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region.

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