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Warum Finanzkarrieristen ihre Fehler und Fallstricke nicht bereuen

Ein ehemaliger Investmentbanker reflektiert über Absurdität und Sinn einer Karriere im Finanzwesen.

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Warum Finanzkarrieristen ihre Fehler und Fallstricke nicht bereuen

Ein ehemaliger globaler Leiter der Equity Capital Markets bei der Bank of America hat in einem Gastbeitrag für die Financial Times eine bemerkenswerte Reflexion über die Fallstricke und Stolpersteine einer Karriere im Finanzwesen veröffentlicht. Der Auslöser war ein Wochenendfest im Mittelmeerraum zum 60. Geburtstag eines Freundes, bei dem ehemalige Kollegen und Wettbewerber zusammenkamen – einige von ihnen hatten sich seit mindestens 15 Jahren nicht mehr gesehen.

Im Mittelpunkt der Gespräche standen nicht die großen Erfolge, sondern die Misserfolge und Absurditäten des Berufslebens. Die Runde erinnerte sich an „Micky-Maus-Projekte“, an Kunden, die einen wie den Boden ihrer Schuhe behandelten, an Pitch-Books, die niemand öffnete, an Deals, die ins Leere liefen, an passive-aggressive E-Mail-Wechsel und an psychopathische Persönlichkeiten. Auch gescheiterte Underwritings, abgesagte Flüge und die ungewollte Vertrautheit mit dem Flughafen Düsseldorf waren Thema.

„Wir sprachen über die Absurdität des gesamten Unterfangens – darüber, wie viel Bedeutung wir Dingen beimaßen, die im Nachhinein fast bedeutungslos waren, und wie viel Zeit wir unterwegs verschwendeten“, schreibt der Autor. Jahrzehnte seien mit der Produktion von PowerPoint-Präsentationen, dem Überzeugen von Kunden, dem Beschwichtigen des Managements und fieberhaftem Reisen vergangen – meist ohne ein erkennbares Endprodukt.

Die Erkenntnis: Keine Reue trotz aller Widrigkeiten

Was den Autor bei den von Selbstironie und Sarkasmus geprägten Gesprächen am meisten beeindruckte, war, dass keiner der Anwesenden das Gefühl hatte, seine Karriere verschwendet zu haben. Auf die Frage, ob man es – wüsste man, was man heute weiß – noch einmal tun würde, wäre die Antwort ein klares „Ja“.

Diese Erkenntnis erinnert an den Film „Peggy Sue hat geheiratet“ aus dem Jahr 1986. Die unglücklich verheiratete Protagonistin, gespielt von Kathleen Turner, reist mit dem Wissen der Zukunft in die Highschool-Zeit zurück – und verliebt sich dennoch erneut in denselben Mann, von dem sie weiß, dass er ein untreuer Ehemann werden wird. Der Film suggeriert, dass wir selbst bei voller Kenntnis der Zukunft dieselben Entscheidungen treffen würden, weil sie zum Ausdruck brachten, was wir damals wollten und wer wir damals waren.

Der Autor stellt klar, dass es sich bei dieser Haltung nicht um Nostalgie handelt. „Nostalgie stellt die Vergangenheit durch rosarote Brille dar, aber wir erinnerten uns tatsächlich an die schlechten Teile in leuchtenden Farben: Die Bürokratie und die Deal-Kollapse in letzter Minute sind in unserem Gedächtnis eingebrannt.“ Ein Kollege erinnerte sich daran, dass der Autor ihn einst davon abhielt, eine wichtige Pitch-Folie vorzustellen, weil er zu wenig Erfahrung hatte – der Autor selbst hatte keinerlei Erinnerung daran, was die Geschichte für beide noch lustiger machte.

Warum sich die Mühe gelohnt hat

Es gehe auch nicht wirklich ums Geld, betont der Autor. Die meisten hätten andere Optionen gehabt. Wenn er heute über die Vergütung von Partnern in Anwaltskanzleien lese, frage er sich zwar, ob er Geld auf der Strecke gelassen habe, als er vor 30 Jahren als Junior Associate die Big Law verließ und sich einer Investmentbank anschloss. Doch das sei nicht der Punkt.

Vielmehr glaubt der Autor, dass man eine Karriere nicht „entbündeln“ könne. Man könne nicht die guten zehn Prozent herausholen – den Adrenalinrausch einer Live-Execution, den Nervenkitzel der Berichterstattung auf der Titelseite, das aufrichtige Dankeschön eines Kunden – und den Rest der 90 Prozent als Ablagerungen verschwendeter Zeit wegwerfen. Das Gute und das Schlechte seien keine separaten Posten in der Bilanz der Karriere, sondern entstünden aus denselben Bedingungen: Intensität, Chaos, Unfälle und Notfälle, Zufälligkeit.

Der brutale Wettbewerb, der den Sieg so befriedigend machte, machte die Niederlage umso schmerzhafter. Die Marktvolatilität, die einen geschätzten Deal zunichtemachte, bedeutete auch, dass Kunden einen jetzt mehr denn je benötigten, um Kapital aufzunehmen.

Unter dem Scherz verklärte niemand die Lucite-Deal-Spielzeuge oder die Positionen, die man einst innehatte. Stattdessen erinnerte man sich an die Erfahrung selbst, mit allen ihren Makeln – an die nervöse Energie, wenn man über seine eigenen Grenzen hinausging, an die Demütigungen, die heute lustig sind, genau weil sie es damals nicht waren, an die seltsame Befriedigung, wenn etwas zusammenkam, nachdem es totzuschreiben schien.

„Der Blödsinn und das Gerede gehörten zur Textur dazu“, schreibt der Autor. Und die Menschen waren wichtiger als das, was man erreicht hatte: Man teilte das Martyrium mit Kollegen, die instinktiv die Panik, die atemlose Verzweiflung, den dunklen Humor und die gelegentliche Ekstase verstanden. Als man noch arbeitete, glaubte man, dass jede E-Mail, jedes Meeting, jede Telefonkonferenz und jeder Notfall wichtig war. Heute habe man genug Distanz, um die Absurdität zu erkennen, ohne die Erfahrung abzulehnen. Bei freier Wahl würde man alles noch einmal machen.

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