Volvo Cars-Aktien stürzen um bis zu 30 Prozent auf Allzeittief
Der schwedische Autobauer meldet einen Quartalsverlust von 5,7 Milliarden Kronen und kündigt weitere 2.500 Stellenstreichungen an.

Die Aktien von Volvo Cars sind am Freitag um bis zu 30 Prozent eingebrochen und markierten damit ein Allzeittief. Auslöser war der Quartalsbericht des schwedischen Automobilherstellers, der wegen einbrechender Absatzzahlen in China einen Verlust auswies. Das Unternehmen kündigte an, weitere 2.500 Stellen abzubauen, und warnte vor potenziellen "zusätzlichen Maßnahmen".
Im frühen Vormittagshandel notierten die Papiere noch 26 Prozent unter dem Vortagesniveau, nachdem sie sich von ihrem Tief teilweise erholt hatten. Volvo Cars befindet sich mehrheitlich im Besitz der chinesischen Geely-Gruppe.
Für das dritte Quartal meldete das Unternehmen einen Nettoverlust von 5,7 Milliarden Schwedischen Kronen (575 Millionen US-Dollar). Im Vorjahreszeitraum hatte Volvo Cars noch einen Gewinn von 4,5 Milliarden SKr ausgewiesen.
Die Details
Der Umsatz ging im Jahresvergleich um 23 Prozent auf 66,9 Milliarden SKr zurück. Zusätzlich meldete der Konzern einen Cash-Flow-Abfluss von fast 9 Milliarden SKr. Besonders stark traf Volvo Cars der Einbruch in China: Dort sanken die Einnahmen im Jahresvergleich um fast 50 Prozent.
Bereits Anfang des Monats hatte Volvo Cars eine Gewinnwarnung herausgegeben und seine Jahresprognose zurückgezogen. Nun teilte das Unternehmen mit, dass es weitere Kosten in Höhe von 5 Milliarden SKr kürzen müsse. Der Sparkurs umfasst den Abbau von etwa sechs Prozent der Belegschaft – zusätzlich zu den zuvor angekündigten rund 3.000 Stellenstreichungen.
Auch die Erlöse aus dem Verkauf von CO2-Zertifikaten an Wettbewerber musste Volvo Cars nach unten korrigieren. Grund dafür ist, dass die Trump-Verwaltung Vorschriften zur Reduzierung von Fahrzeugemissionen zurückgenommen hat.
CEO Håkan Samuelsson beschrieb die Lage drastisch: "Sie haben einen Markt, der auf globalen Autos basiert, die lediglich lokal montiert werden. Dieser Markt hat meiner Meinung nach noch nicht den Boden erreicht. Er ist auf dem Weg zur Null", sagte er der Financial Times. Zugleich verwies er darauf, dass die Gruppe lokal produzierte Fahrzeuge mit chinesischer Software und einer kostengünstigeren, von Geely entwickelten Plattform einführe, was sie in den kommenden Jahren wettbewerbsfähiger machen werde.
"Dies ist ein sehr starker Rückgang, und ich hoffe, wir werden eine gewisse Stabilisierung sehen, aber ich denke nicht, dass wir in naher Zukunft eine echte Verbesserung erwarten sollten", so Samuelsson. Er warnte davor, zusätzliche Maßnahmen zur Kostensenkung vorzeitig auszuschließen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 05.02.2026 berichtete aktien.news, dass die Aktien von Volvo Cars um mehr als 28 Prozent eingebrochen waren – dem Unternehmen drohte damit der schlechteste Handelstag seiner Börsengeschichte. Auslöser war ein dramatischer Gewinneinbruch im vierten Quartal: Das operative Ergebnis sank um 68 Prozent auf 1,8 Milliarden Schwedische Kronen (rund 200 Millionen US-Dollar). Als Hauptgründe nannte Volvo Cars die Auswirkungen amerikanischer Zölle, negative Währungseffekte und eine schwächelnde Nachfrage. Besonders belastend wirkte sich zudem die Einstellung von Förderungen für Elektrofahrzeuge in den USA und China aus.
Am 02.04.2026 meldete aktien.news einen Rückgang des Absatzvolumens im ersten Quartal 2026 um 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Bericht verwies auf steigende Produktionskosten, schwächelnde Nachfrage in wichtigen Märkten sowie den zunehmenden Wettbewerb durch chinesische Elektrofahrzeughersteller.
Am 21.09.2026 berichtete aktien.news, dass Håkan Samuelsson sein Amt abgeben wird. Der 75-Jährige, der im April 2025 aus dem Ruhestand zurückgekehrt war, um den Autobauer durch eine schwierige Phase zu führen, übergibt die Führung an Klaus Zellmer, den ehemaligen Škoda-Chef. Volvo versprach eine "nahtlose Übergabe".
Was das für Anleger bedeutet
Die Kombination aus Verlust, Stellenabbau und zurückgezogener Prognose zeigt, wie tief die Krise reicht. Volvo Cars leidet nicht nur unter der Schwäche in China, sondern auch unter dem Wegfall von Erlösen aus CO2-Zertifikaten – ein Geschäftsfeld, das nach der Rücknahme von Emissionsvorschriften in den USA weggebrochen ist.
Der Druck ist branchenweit zu spüren. Westliche Automobilhersteller von Volkswagen über Porsche bis hin zu BMW und Jaguar Land Rover reduzieren ihre Belegschaften. Sie reagieren damit auf zunehmenden Wettbewerb durch chinesische Konkurrenten, US-Zölle und höhere Rohstoffkosten infolge des Konflikts im Nahen Osten. Volvo Cars traf es laut Bericht jedoch besonders stark, weil die Absatzzahlen bei Elektrofahrzeugen und Plug-in-Hybriden in China und den USA sanken – selbst während das Unternehmen erhebliche Kostensenkungen umsetzte und mehr Synergien aus der Geely-Gruppe zog, indem es Fahrzeugkomponenten teilte.
Bernstein-Analyst Harry Martin äußerte sich in einer Forschungsnotiz skeptisch: "Wir können kaum erkennen, dass sich die Lage bald verbessern wird." Mit Blick auf den designierten CEO schrieb er: "Neuer CEO Klaus Zellmer … hat jetzt noch schwerere Aufgaben zu bewältigen als noch vor einem Monat, als er bekannt gegeben wurde."
Ausblick
Klaus Zellmer, der ehemalige Chef von Škoda, wird im Oktober des kommenden Jahres die Nachfolge von Samuelsson antreten. Unter Zellmers Leitung hatte Škoda Porsche als größten Beitragszahler zum Profit des Mutterkonzerns Volkswagen abgelöst.
Samuelsson selbst erwartet kurzfristig keine echte Verbesserung. Er hofft auf eine gewisse Stabilisierung, schließt aber weitere Maßnahmen zur Kostensenkung nicht aus. Volvo Cars setzt darauf, dass lokal produzierte Fahrzeuge mit chinesischer Software und der kostengünstigeren Geely-Plattform das Unternehmen in den kommenden Jahren wettbewerbsfähiger machen.
Kurz erklärt
- Nettoverlust: Der Betrag, um den die Aufwendungen eines Unternehmens in einem Zeitraum die Erträge übersteigen.
- Cash-Flow: Der tatsächliche Zu- oder Abfluss von Zahlungsmitteln in einem Geschäftszeitraum.
- CO2-Zertifikate: Handelbare Berechtigungen, die zum Ausstoß einer bestimmten Menge Kohlendioxid berechtigen.
