US Postal Service setzt Rentenbeiträge wegen Finanzkrise aus
Der finanziell angeschlagene US-Postdienst stoppt Zahlungen von 200 Millionen Dollar alle zwei Wochen, um die Liquidität zu sichern.

Der U.S. Postal Service (USPS) hat am Donnerstag angekündigt, die Arbeitgeberbeiträge zum staatlichen Rentenprogramm vorübergehend auszusetzen. Mit Wirkung zum Freitag werden die zweiwöchentlichen Zahlungen in Höhe von jeweils 200 Millionen Dollar an das Federal Employees Retirement System eingestellt. Der Schritt soll die Liquidität des chronisch defizitären Unternehmens sichern.
Der USPS informierte das Office of Personnel Management des Weißen Hauses offiziell über die Maßnahme. Bis zum 30. September erwartet der Postdienst dadurch Einsparungen von insgesamt 2,5 Milliarden Dollar. Die Behörde betonte, dass die vorübergehende Einbehaltung der Zahlungen keine unmittelbaren negativen Auswirkungen auf heutige oder künftige Rentenempfänger haben werde.
Dramatische Finanzlage mit jahrelanger Verlustgeschichte
Die Finanznot des USPS ist nicht neu, hat sich aber zuletzt dramatisch zugespitzt. Seit 2007 häufte der Postdienst Nettoverluste in Höhe von insgesamt 118 Milliarden Dollar an. Hauptursache ist der drastische Rückgang beim Standardbrief-Volumen – dem profitabelsten Produkt des Unternehmens – auf den niedrigsten Stand seit Ende der 1960er Jahre.
Zuletzt meldete der USPS für das jüngste Quartal einen Verlust von 1,25 Milliarden Dollar. Die Behörde warnte zudem, dass ihr ohne grundlegende Reformen bereits im Februar die liquiden Mittel ausgehen könnten. „Das Risiko für den Postdienst und die amerikanische Öffentlichkeit durch unzureichende Liquidität für den Postbetrieb überwiegt bei weitem jedes längerfristige Risiko für die Pensionsfonds, das durch das Ausbleiben der aktuell fälligen Zahlungen entsteht", erklärte der USPS.
Preiserhöhungen als weiterer Ausweg
Parallel zur Aussetzung der Rentenbeiträge setzt der USPS auf Preiserhöhungen, um die Einnahmen zu steigern. Anfang der Woche genehmigte die Postal Regulatory Commission eine vorübergehende Preiserhöhung von 8 Prozent für Priority Mail und Paketzustellungen, die ab dem 26. April gilt und bis zum 17. Januar beibehalten werden soll. Hintergrund sind steigende Transport- und Treibstoffkosten.
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Zur AktienanalyseUS-Postmaster General David Steiner sprach sich im vergangenen Monat vor dem Kongress zudem für eine deutliche Anhebung der Briefmarkenpreise aus. Er schlug vor, den Preis für Standardbriefe von derzeit 78 Cent auf 95 Cent, einen Dollar oder mehr zu erhöhen, um zusätzliche Einnahmen zu generieren. Steiner verwies dabei darauf, dass die US-Briefmarkenpreise trotz eines Anstiegs von 46 Prozent seit Anfang 2019 – damals noch 50 Cent – im internationalen Vergleich weiterhin deutlich niedriger seien als in anderen Ländern.
Für deutsche Anleger und Beobachter verdeutlicht der Fall des USPS, welche strukturellen Herausforderungen staatliche Postdienstleister weltweit angesichts des digitalen Wandels und sinkender Briefmengen bewältigen müssen. Die Kombination aus gesetzlichen Verpflichtungen, steigenden Kosten und schrumpfenden Kerngeschäften stellt auch andere Postunternehmen vor erhebliche Belastungsproben.


