US-Kleinunternehmen: Optimismus sinkt wegen wachsender Inflationssorgen im Mai
Der NFIB-Index fiel um 0,6 Punkte auf 95,3 – Inflationsängste und geopolitische Unsicherheit belasten die Stimmung.

Die Stimmung unter den kleinen Unternehmen in den USA hat sich im Mai weiter eingetrübt. Der Optimismus-Index der National Federation of Independent Business (NFIB) sank um 0,6 Punkte auf 95,3 und liegt damit erneut unter dem 52-Jahres-Durchschnitt von 98,0. Gleichzeitig stieg der Unsicherheitsindex der Umfrage um drei Punkte auf 91 – weit über seinem historischen Durchschnitt von 68.
„Unsicherheit ist der Feind von Wachstum und Investitionen, und sie ist hoch", erklärte die NFIB in einer offiziellen Stellungnahme. Als zentralen Treiber dieser Unsicherheit nannte der Verband den anhaltenden Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran, der nun in den vierten Monat geht. Der Konflikt hat die Preise für Energie und andere Güter, die durch die Straße von Hormus verschifft werden, deutlich in die Höhe getrieben und die Inflation angeheizt.
Inflation auf höchstem Stand seit über zwei Jahren
Die Auswirkungen auf die Preise sind spürbar: Laut einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen wird erwartet, dass der US-Verbraucherpreisindex (CPI) im Mai auf Jahresbasis um 4,2 Prozent gestiegen ist – der stärkste Anstieg seit April 2023. Im April hatte die Inflationsrate noch bei 3,8 Prozent gelegen. Die offizielle Bestätigung dieser Zahlen wurde für den darauffolgenden Mittwoch erwartet.
Besonders alarmierend ist der Anstieg bei den Preisplänen der Unternehmen selbst: Der Anteil der kleinen Betriebe, die in den nächsten drei Monaten Preiserhöhungen planen, sprang um sieben Punkte auf 34 Prozent – der höchste Wert seit Juli 2022. Rund 36 Prozent der befragten Eigentümer gaben zudem an, die Preise bereits erhöht zu haben, was den höchsten Stand seit März 2023 markiert und einem Plus von sechs Punkten gegenüber April entspricht. Die NFIB stellte fest, dass die tatsächlichen Preiserhöhungen „deutlich über dem historischen Durchschnitt von netto 13 Prozent" lagen. In der Rangliste der drängendsten Probleme für kleine Unternehmen rangierte die Inflation direkt hinter den Steuern auf Platz zwei.
Arbeitsmarkt: Einstellungspläne auf Tiefstwert seit 2020
Trotz eines robusten Arbeitsmarktberichts des US-Arbeitsministeriums vom Freitag – drei Monate in Folge starkes Beschäftigungswachstum, Arbeitslosenquote stabil bei 4,3 Prozent – zeigten sich die Inhaber kleiner Unternehmen deutlich weniger optimistisch. Der Beschäftigungsindex der NFIB-Umfrage gab von 100,4 im April auf 100,3 nach und sank damit zum dritten Mal in Folge.
Der Anteil der Eigentümer, die planen, in den nächsten drei Monaten neue Stellen zu schaffen, fiel um vier Punkte auf 9 Prozent – den niedrigsten Stand seit Mai 2020. Die NFIB stellte fest, dass die Einstellungspläne „nun unter dem historischen Durchschnitt von netto 11 Prozent liegen". Gleichzeitig sank der Anteil der Eigentümer, die unbesetzte Stellen meldeten, um fünf Punkte auf 29 Prozent, ebenfalls der niedrigste Wert seit Mai 2020.
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Zur AktienanalyseDennoch bleibt der Arbeitskräftemangel in bestimmten Branchen ein Problem. Im Großhandel berichteten Unternehmen aus Ohio, dass „Bewerber nicht zu Vorstellungsgesprächen erscheinen und andere sich bewerben, das Gespräch führen, zusagen und dann nicht zur Arbeit erscheinen". Im Agrarsektor in Michigan erklärten Betriebe, dass „Arbeitskräfte auf allen Ebenen knapp sind". Als möglicher Hintergrund für den Mangel an landwirtschaftlichen Hilfskräften wird das verschärfte Vorgehen der Behörden gegen illegale Einwanderung genannt.
Die NFIB-Daten zeichnen damit ein gemischtes Bild der US-Wirtschaft: Während die Gesamtbeschäftigung auf makroökonomischer Ebene stabil erscheint, kämpfen kleine Unternehmen – das Rückgrat der amerikanischen Wirtschaft – mit steigenden Kosten, geopolitischer Unsicherheit und einem zunehmend schwierigen Umfeld für Investitionen und Wachstum.


