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US-Inflation im Juni: Wolfe Research warnt vor falscher Hoffnung

Die US-Verbraucherpreise schwächten sich im Juni deutlich ab – doch Analysten mahnen zur Vorsicht vor übertriebenen Erwartungen.

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US-Inflation im Juni: Wolfe Research warnt vor falscher Hoffnung

Die US-Inflation hat im Juni überraschend nachgegeben. Sowohl der Verbraucherpreisindex (CPI) als auch der Erzeugerpreisindex (PPI) fielen schwächer aus als erwartet. Wolfe Research warnt jedoch, dass diese Daten „zu gut seien, um sich zu wiederholen" – und liefert eine detaillierte Analyse der Hintergründe.

Ein wesentlicher Treiber der Entspannung war der Rückgang der Ölpreise. Der gemeinsame US-israelische Angriff auf den Iran Ende Februar hatte zunächst einen sprunghaften Anstieg der weltweiten Ölpreise und einen Inflationsschock ausgelöst. Die Unterzeichnung eines vorläufigen Friedensabkommens Mitte Juni ließ die Rohöl-Benchmarks jedoch einbrechen, was den Druck an den Zapfsäulen für amerikanische Verbraucher spürbar linderte.

Diese Entspannung könnte jedoch nur von kurzer Dauer sein. In dieser Woche sind die Ölpreise infolge einer erneuten Eskalation zwischen Washington und Teheran wieder stark angestiegen – ein Risikofaktor, den Anleger und Notenbanker gleichermaßen im Blick behalten müssen.

Einmaleffekte verzerren das Bild

Die Analysten von Wolfe Research unter der Leitung von Stephanie Roth identifizierten mehrere vorübergehende Faktoren, die das schwache Inflationsbild im Juni begünstigt haben. Dazu zählen ein Preisrückgang bei Mobilfunkdiensten – möglicherweise durch Service-Bündelungen bedingt – sowie ein Rückgang der Preise für Kraftfahrzeugversicherungen, der die Kernrate des CPI am stärksten belastete. Diese Effekte dürften sich nach Einschätzung der Experten nicht wiederholen.

„Wir glauben nicht, dass der unveränderte Kern-VPI im Juni den Beginn einer Reihe außergewöhnlich schwacher Inflationsdaten markiert, aber wir gehen davon aus, dass die nächsten Monate eher dem Juni als dem Zeitraum von Januar bis Mai ähneln werden", so die Wolfe-Research-Analysten. Dies ist eine differenzierte Botschaft: Keine Rückkehr zur hohen Inflation der ersten Jahreshälfte, aber auch kein dauerhafter Rückgang auf das Niveau des Juni.

Wolfe Research verwies zudem auf ein strukturelles Muster, das seit der COVID-19-Pandemie zu beobachten ist: Die Inflation war in der ersten Jahreshälfte durchweg fester als in der zweiten. Dies liege zum Teil an Änderungen im Preisverhalten der Unternehmen, die durch saisonale Bereinigungen nur schwer vollständig zu erfassen seien. Unternehmen neigten dazu, Preiserhöhungen zu Beginn des Jahres umzusetzen, während Rabatte und Werbeaktionen im weiteren Jahresverlauf üblicher würden.

Federal Reserve unter neuem Vorsitzenden auf restriktivem Kurs

Vor diesem Hintergrund hat die US-Notenbank Federal Reserve im vergangenen Monat unter der Führung des neuen Vorsitzenden Kevin Warsh einen deutlich restriktiveren Kurs eingeschlagen. Mindestens die Hälfte der 18 Teilnehmer des Offenmarktausschusses sah in einem aktualisierten „Dot Plot" mindestens eine Zinserhöhung in diesem Jahr vor. Warsh bekräftigte bei seinen öffentlichen Auftritten wiederholt, dass die Fed der Gewährleistung von Preisstabilität verpflichtet sei.

Der neue Fed-Chef hat darüber hinaus eine umfassende Überprüfung der geldpolitischen Abläufe angekündigt. Für deutsche Anleger ist dies von Bedeutung, da die Geldpolitik der Fed maßgeblichen Einfluss auf globale Kapitalmärkte, Wechselkurse und damit auch auf europäische Exportchancen hat.

Zusammenfassend zeichnet Wolfe Research ein nuanciertes Bild: Der größte inflationäre Impuls aus dem Iran-Konflikt liege wahrscheinlich hinter uns, die saisonalen Faktoren würden günstiger, und die zollbedingte Inflation dürfte allmählich aus den Daten verschwinden. Dennoch bleibe die Lage fragil – insbesondere angesichts der erneuten geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, die die Ölpreise jederzeit wieder nach oben treiben könnten.

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