US-Börsen auf Rekordhoch vor entscheidender Q1-Berichtssaison
Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq erklimmen neue Allzeithochs – doch geopolitische Spannungen und Quartalszahlen werden die Märkte fordern.

Die US-Aktienmärkte haben am Freitag kräftige Kursgewinne verbucht und dabei neue Rekordstände erreicht. Auslöser war die Erklärung des Iran, die Straße von Hormus nach einem Waffenstillstand zwischen Israel und dem Libanon für „vollständig geöffnet" zu erklären. Die Ölpreise gaben daraufhin deutlich nach, da Sorgen über Versorgungsunterbrechungen abflauten.
Der S&P 500 stieg um 1,2 % und schloss bei 7.126,06 Punkten – damit überschritt er erstmals die Marke von 7.100. Der Nasdaq Composite legte um 1,52 % auf 24.468,48 Zähler zu und verzeichnete damit den 13. Handelstag mit Kursgewinnen in Folge. Der Dow Jones Industrial Average kletterte um 868,71 Punkte bzw. 1,79 % auf einen Schlussstand von 49.447,43 Punkten. Auch der Nebenwerteindex Russell 2000 erreichte mit einem Plus von mehr als 2 % einen neuen Höchststand.
Die Gewinne krönten eine insgesamt starke Woche: Der Dow legte wöchentlich um 3,2 % zu, der S&P 500 stieg um 4,5 % und der Nasdaq kletterte sogar um 6,8 %.
Geopolitische Spannungen kehren zurück
Die Euphorie hielt jedoch nicht lange an. Bereits am Wochenende änderte Teheran seinen Kurs: Nur einen Tag nach der Öffnungserklärung bekräftigte der Iran seine Kontrolle über die Straße von Hormus und griff zwei Schiffe unter indischer Flagge an. Zusätzlich beschlagnahmte ein Zerstörer der US-Marine am Sonntag ein Frachtschiff unter iranischer Flagge. Laut Präsident Trump hatte das Schiff versucht, eine US-Blockade für Schiffe zu umgehen, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen.
Die erneuten Spannungen ließen die Ölsorte Brent um etwa 5 % unter die Marke von 95 US-Dollar fallen, während die Futures auf den S&P 500 leicht nachgaben. Auch die europäischen und britischen Aktienmärkte verzeichneten zu Wochenbeginn Verluste.
Fokus auf Fed-Anhörung und Einzelhandelsdaten
In dieser Woche rückt der Zinspfad in den Vordergrund: Kevin Warsh, Trumps Kandidat für den Vorsitz der Federal Reserve, erscheint am Dienstag zu seiner Bestätigungsanhörung vor dem Kongress. Gleichzeitig werden die Einzelhandelsdaten für März veröffentlicht, die weitere Aufschlüsse über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts liefern könnten.
Daneben steht eine ereignisreiche Berichtssaison bevor. Fast ein Fünftel der im S&P 500 gelisteten Unternehmen wird in den kommenden Tagen seine Ergebnisse für das erste Quartal vorlegen. Tesla ist am Mittwoch als erster der sogenannten „Magnificent Seven"-Megacaps an der Reihe. Boeing, Intel und Procter & Gamble gehören zu den weiteren namhaften Unternehmen, die in Kürze berichten.
Analysten bleiben optimistisch
Die Strategen von Morgan Stanley prognostizieren für die Unternehmen im S&P 500 ein Gewinnwachstum von 12 % im Jahresvergleich bei einem Umsatzplus von 7 %. Für die Megacaps der „Magnificent Seven" wird für 2026 sogar ein Gewinnwachstum von 25 % erwartet, verglichen mit 11 % für den Rest des Index. „Die Dispersion – sowohl beim Preis als auch beim Gewinn – ist vor Beginn des Quartals erhöht und wird voraussichtlich während der Berichtssaison anhalten, was Raum für idiosynkratische Kursbewegungen lässt", erklärten die Morgan-Stanley-Strategen unter der Leitung von Michael Wilson.
JPMorgan zeigte sich ebenfalls zuversichtlich und betonte, man solle die Schwäche zum Kauf nutzen: „Es scheint, dass viele auf dem falschen Fuß erwischt wurden, als sie bei fallenden Kursen bärisch wurden, und daher nun Positionen wieder aufbauen müssen, was dem Rebound weiteren Auftrieb verleihen sollte. Wir halten an unserem positiven Aktienausblick fest und glauben, dass eine robuste Gewinnentwicklung der Unternehmen diese Haltung stützen wird."
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Zur AktienanalyseRBC Capital Markets verwies auf Bewertungsargumente: Das marktkapitalisierungsgewichtete Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 liege noch deutlich unter den Höchstständen vom letzten Herbst. Im Vergleich zu Nicht-US-Aktien stehe das relative Multiple im Einklang mit dem Fünfjahresdurchschnitt und nur leicht über dem 20-Jahres-Durchschnitt. „Aus Bewertungssicht gibt es noch reichlich Spielraum nach oben", so die Analysten.
Evercore sieht S&P 500 bei 7.750 Punkten zum Jahresende
Evercore ISI hob hervor, dass die M&A-Aktivität trotz des Kriegschaos frühere Höchststände überschritten habe. Die verbesserte Marktstimmung stütze die Prognose für den S&P 500 von 7.750 Punkten bis zum Jahresende. Gleichzeitig beobachte man aktiv das Potenzial für eine „FOMO-Überhitzung", insbesondere da die Börsengänge der Tech-Giganten SpaceX, OpenAI und Anthropic innerhalb des nächsten Jahres angestrebt werden.
Morgan Stanley bekräftigte abschließend: „Trotz geopolitischer Risiken bleibt die Gewinnbelebungsphase intakt, getrieben durch die Rückkehr eines positiven operativen Hebels." Die Einschätzung, dass sich die Märkte in einem frühen Zyklus befinden, bleibe ebenso abseits des Konsenses wie die Prognose einer breiteren Führung bei den Kurs-Gewinn-Verhältnissen in diesem Jahr.


