United führt den Aufschwung der Fluggesellschaften trotz schwachem Q3 an
United verfehlt die Schätzungen, Alaska Air enttäuscht, Southwest und American stehen noch aus – höhere Gebühren fangen einen Teil der Kraftstoffkosten auf.

Die Aktien der US-Fluggesellschaften erholen sich in dieser Woche nur moderat. Hintergrund sind die frisch vorgelegten Quartalszahlen, die eine starke Nachfrage belegen, zugleich aber auch die Belastung durch deutlich gestiegene Kraftstoffkosten sichtbar machen. Höhere Gebühren kompensieren einen erheblichen Teil dieser Kostensteigerung – vollständig ausgleichen können sie sie bislang aber nicht.
Im Zentrum der Berichtssaison steht United Airlines. Die Fluggesellschaft verfehlte am späten Dienstag die Schätzungen der Analysten und senkte im Zuge der Zahlenvorlage ihre Prognose. Auch Alaska Air blieb hinter den Erwartungen zurück. Damit bestätigt sich ein Muster, das die Branche seit Monaten begleitet: Die Nachfrage nach Flugreisen ist robust, doch die Kerosinrechnung zehrt einen großen Teil des operativen Fortschritts auf.
Noch offen sind die Zahlen von Southwest Airlines, die nach Börsenschluss veröffentlicht werden. American Airlines lädt am frühen Donnerstag zum Investor Call. Für deutsche Anleger sind diese Termine relevant, weil die US-Airlines als Frühindikatoren für die globale Reisekonjunktur und für die Entwicklung der Treibstoffmärkte gelten.
Die Details
United Airlines (Ticker UAL) verfehlte mit seinen am späten Dienstag vorgelegten Zahlen die Analystenschätzungen und senkte anschließend seinen Ausblick. Konkrete Ergebniszahlen für das abgelaufene Quartal wurden in der Berichterstattung bislang nicht genannt. Klar ist: Der Titel gehört zu den Werten, die den moderaten Aufschwung der Branche anführen – trotz des schwachen dritten Quartals.
Alaska Air verfehlte die Erwartungen ebenfalls. Die Fluggesellschaft, die stark im US-Westen und im Alaska-Verkehr positioniert ist, konnte sich dem Branchentrend damit nicht entziehen.
Southwest Airlines steht noch aus. Die in Dallas ansässige Fluggesellschaft will ihre Quartalszahlen nach Börsenschluss vorlegen. American Airlines folgt mit seinem Investor Call am frühen Donnerstag.
Auf Branchenebene zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. Auf der einen Seite steht eine anhaltend kräftige Nachfrage, auf der anderen Seite ein erheblicher Anstieg der Kraftstoffkosten. Die Fluggesellschaften reagieren darauf unter anderem mit höheren Gebühren, die einen Teil der Mehrkosten auffangen. Vollständig kompensieren lassen sich die gestiegenen Ausgaben damit offenbar nicht.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuellen Zahlen sind Teil einer Entwicklung, die aktien.news in diesem Jahr mehrfach begleitet hat. Bereits am 22.04.2026 berichtete aktien.news, dass United Airlines seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr 2026 deutlich nach unten korrigierte. Als Hauptgrund nannte die US-Fluggesellschaft den massiven Anstieg der Kerosinpreise infolge des Krieges gegen den Iran. Der bereinigte Gewinn pro Aktie sollte nun zwischen 7 und 11 US-Dollar liegen. Noch im Januar hatte United einen bereinigten Gewinn je Aktie von 12 bis 14 US-Dollar in Aussicht gestellt – mehr als einen Monat vor dem Angriff der USA und Israels auf den Iran. Von der Nachrichtenagentur LSEG befragte Analysten hatten zuletzt im Schnitt 9,58 US-Dollar je Aktie für das Gesamtjahr erwartet.
Am 16.07.2026 meldete aktien.news gleich zweifach zu United. Zum einen fiel die United-Aktie nach einem enttäuschenden Ausblick auf das Quartalsergebnis. Die Aktie gab um rund 2% nach, nachdem sie zwischenzeitlich sogar mehr als 4% im Minus notiert hatte. Auslöser der Kursschwäche war vor allem der erneute Anstieg der Kerosinpreise. Die Fluggesellschaft rechnete für das laufende Jahr mit zusätzlichen Treibstoffkosten in Höhe von 6 Milliarden US-Dollar – verglichen mit den Prognosen, die zu Beginn des Jahres 2026 aufgestellt worden waren.
Zum anderen warnte United am Mittwoch desselben Tages vor massiven Mehrkosten durch steigende Treibstoffpreise: Die in Chicago ansässige Fluggesellschaft rechnete für das laufende Jahr mit zusätzlichen Treibstoffkosten von fast 6 Milliarden Dollar gegenüber den Schätzungen vom Jahresbeginn 2026. Trotz dieser erheblichen Belastung hob United damals das untere Ende seiner Gewinnprognose für das Gesamtjahr an – auf einen bereinigten Gewinn pro Aktie von 9 bis 11 Dollar, gegenüber der im April abgegebenen Prognose von 7 bis 11 Dollar. Der Mittelwert der neuen Spanne lag bei 10 Dollar und damit leicht unter der durchschnittlichen Analystenschätzung von 10,46 Dollar pro Aktie.
Auch Southwest stand bereits im Fokus. Am 23.07.2026 berichtete aktien.news über ein starkes zweites Quartal, aber einen schwachen Ausblick wegen der Treibstoffkosten. Southwest meldete für das zweite Quartal 2026 einen Gewinnanstieg von mehr als 9% im Vergleich zum Vorjahr. Der Nettogewinn kletterte auf 233 Millionen Dollar bzw. 47 Cent pro Aktie, nach 213 Millionen Dollar bzw. 39 Cent pro Aktie im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg um 16,4% auf 8,4 Milliarden Dollar. Bereinigt um Einmaleffekte erzielte Southwest einen Gewinn von 94 Cent pro Aktie. Trotz dieser soliden Quartalszahlen trübte der Ausblick auf das dritte Quartal die Stimmung der Investoren: Die in Dallas ansässige Fluggesellschaft prognostizierte für das laufende Sommerquartal einen bereinigten Gewinn zwischen 50 und 75 Cent pro Aktie – deutlich unter den von Analysten erwarteten Werten.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist der Blick auf die US-Airlines vor allem deshalb interessant, weil sich in ihren Zahlen zwei gegenläufige Kräfte abbilden. Erstens die Nachfrageseite: Die aktuellen Quartalszahlen belegen starke Nachfrageimpulse. Zweitens die Kostenseite: Der Anstieg der Kraftstoffkosten belastet die Margen erheblich. Dass höhere Gebühren einen erheblichen Teil davon kompensieren, zeigt, dass die Fluggesellschaften über Preissetzungsmacht verfügen – ganz verschwinden lassen sich die Mehrkosten dadurch aber nicht.
Wer in Airline-Aktien investiert ist, sollte die Berichtssaison daher nicht nur daran messen, ob die Erwartungen getroffen wurden, sondern auch an der Entwicklung der Kosten. Die Historie dieses Jahres liefert dafür Anschauungsmaterial: United senkte im April die Prognose, hob im Juli das untere Ende wieder an und senkte sie im Rahmen der aktuellen Zahlenvorlage erneut. Diese Volatilität spiegelt die Unsicherheit an den Treibstoffmärkten. Aus den vorliegenden Informationen lässt sich keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung ableiten.
Hinzu kommt die unterschiedliche Betroffenheit der einzelnen Gesellschaften. Während United und Alaska Air die Erwartungen verfehlten, stehen die Zahlen von Southwest Airlines und die Einschätzungen von American Airlines noch aus. Erst danach wird sich zeigen, ob der moderate Aufschwung der Branche breit getragen ist oder auf einzelne Werte beschränkt bleibt.
Ausblick
Der weitere Wochenverlauf liefert die nächsten Datenpunkte. Southwest Airlines wird seine Quartalszahlen nach Börsenschluss veröffentlichen. American Airlines führt am frühen Donnerstag seinen Investor Call durch. Beide Termine dürften Aufschluss darüber geben, ob sich der moderate Aufschwung der Branche fortsetzt und wie stark die Kraftstoffkosten die Prognosen für das laufende Quartal prägen.
United Airlines wiederum hat seine Prognose im Rahmen der aktuellen Zahlenvorlage gesenkt – nachdem das Unternehmen im Juli erst das untere Ende der Jahresprognose angehoben hatte. Damit bleibt die Entwicklung der Kerosinpreise der bestimmende Faktor für die Ertragsaussichten der US-Fluggesellschaften.
Kurz erklärt
- Bereinigter Gewinn pro Aktie: Gewinnkennzahl je Aktie, bei der Sonder- und Einmaleffekte herausgerechnet werden, um die operative Ertragskraft vergleichbar zu machen.
- Kerosinpreise: Preise für den speziellen Flugzeugtreibstoff, der einen der größten Kostenblöcke einer Fluggesellschaft ausmacht.
- Investor Call: Telefon- oder Webkonferenz, in der ein Unternehmen Analysten und Investoren die Quartalszahlen erläutert.
