UBS-Ermittlung: 900 Schweizer Konten mit Nazi-Verbindungen entdeckt
Unabhängiger Ermittler findet bei Credit-Suisse-Archiven Hinweise auf Unterstützung flüchtiger NS-Funktionäre

Ein unabhängiger Ermittler hat bei der Durchsuchung der Archive der ehemaligen Credit Suisse fast 900 Bankkonten mit mutmaßlichen Verbindungen zu Nazi-Funktionären und Parteimitgliedern entdeckt. Neil Barofsky wird am Dienstag vor dem Justizausschuss des US-Senats über seine Erkenntnisse aussagen.
Der Vorsitzende des Ausschusses, Senator Chuck Grassley, erklärte gegenüber Journalisten, dass Barofsky auch Hinweise darauf gefunden habe, wie die Bank fliehenden NS-Funktionären bei der Niederlassung in Argentinien geholfen haben könnte. Die Untersuchung wurde 2020 vom Simon Wiesenthal Center gefordert und wirft erneut ein Schlaglicht auf das dunkle Kapitel der Schweizer Banken während des Zweiten Weltkriegs.
Die UBS, die die Credit Suisse übernommen hat, zeigt sich in der Öffentlichkeit zwar um Transparenz bemüht. Vor dem Bundesgericht in Brooklyn verfolgt die Großbank jedoch eine andere Strategie: Sie fordert das Simon Wiesenthal Center auf, keine weiteren finanziellen Forderungen zu stellen und die Angelegenheit ruhen zu lassen.
Jahrzehntelange Vertuschung
Über Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg wiesen Schweizer Banken Familien von Holocaust-Opfern systematisch ab. Die Institute behaupteten, keine Unterlagen über Konten und Vermögenswerte der ermordeten Angehörigen zu besitzen. Die neutrale Schweiz bestritt lange jegliche Andeutungen, zur Finanzierung des Nazi-Regimes beigetragen oder dessen Terror verlängert zu haben.
Erst Ende der 1990er Jahre kam es nach jahrelangen diplomatischen Auseinandersetzungen zu einem Vergleich mit der UBS und Credit Suisse. Die Banken hatten bis zuletzt bestritten, nennenswerte Geldbeträge für jüdische Opfer verwahrt oder bedeutende Geschäfte mit den Nazis getätigt zu haben. Der Vergleich führte schließlich zu Zahlungen von fast 1,3 Milliarden US-Dollar.
Neue Erkenntnisse werfen Fragen auf
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Zur AktienanalyseDie aktuellen Funde von Ermittler Barofsky legen nahe, dass die Aufarbeitung der Schweizer Bankengeschichte während der NS-Zeit noch längst nicht abgeschlossen ist. Die Entdeckung von fast 900 verdächtigen Konten sowie Hinweise auf aktive Unterstützung flüchtiger Nazi-Funktionäre könnten neue rechtliche und moralische Fragen aufwerfen.
Die Anhörung vor dem US-Senat dürfte weiteren Druck auf die UBS ausüben, vollständige Transparenz über die historischen Verstrickungen der übernommenen Credit Suisse herzustellen. Für Nachfahren von Holocaust-Opfern könnte die Untersuchung neue Hoffnung auf Aufklärung und möglicherweise Entschädigung bedeuten.


