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Trumps „One Big Beautiful Bill" droht Trusts doppelt zu besteuern

Steueranwälte warnen: Eine Fußnote im neuen US-Steuergesetz könnte Trusts und Nachlässe in eine Doppelbesteuerungsfalle treiben.

Trumps „One Big Beautiful Bill" droht Trusts doppelt zu besteuern

Das von US-Präsident Donald Trump unterzeichnete Steuergesetz „One Big Beautiful Bill Act" (OBBBA) sorgt in der amerikanischen Finanzberatungsbranche für erhebliche Unruhe. Anwälte für vermögende Privatkunden haben in einem Steuerleitfaden des Beraterstabs des US-Kongresses eine Bestimmung entdeckt, die auf eine Doppelbesteuerung von Trusts und Nachlässen hinauslaufen könnte. Die Überraschung steckte in einer Fußnote – und ihre Konsequenzen könnten weitreichend sein.

Konkret geht es um die im OBBBA eingeführte Begrenzung der Einzelabzüge für Spitzenverdiener. Diese Regelung bedeutet, dass Steuerzahler in der höchsten Steuerklasse nur noch einen Abzugsvorteil von 35 Cent pro Dollar erhalten, statt bisher 37 Cent. Wie aus einer Fußnote im sogenannten „Bluebook" des Joint Committee on Taxation (JCT) hervorgeht, gilt diese Abzugsbeschränkung nun auch für Trusts und Nachlässe – ein Umstand, den Experten als unerwartet bezeichnen.

Das JCT ist ein überparteiliches Gremium des US-Kongresses, das der Erläuterung von Steuergesetzen dient. Das Bluebook stellt eine offizielle Interpretation des OBBBA dar, ist jedoch kein Gesetz im eigentlichen Sinne.

Das Kernproblem: Einkommen wird zweimal besteuert

Historisch gesehen konnten Trusts und Nachlässe das an Begünstigte ausgezahlte Einkommen steuerlich absetzen. Dieses Einkommen wurde dann auf Ebene der Einzelperson versteuert. Dieser sogenannte Ausschüttungsabzug sollte sicherstellen, dass Einkommen nur einmal besteuert wird. Die neue Abzugsbeschränkung hebelt dieses Prinzip nun teilweise aus.

Steueranwalt Robert Keebler verdeutlicht das Problem anhand eines konkreten Beispiels: Ein Trust schüttet sein gesamtes Nettoeinkommen von 370.000 US-Dollar an eine Witwe aus. Durch die Anwendung der Abzugsgrenze kann der Trust jedoch nur 350.000 Dollar von seinem ausschüttungsfähigen Nettoeinkommen abziehen. Die verbleibenden 20.000 Dollar wären steuerpflichtig – obwohl die Witwe auf die gesamten 370.000 Dollar bereits Steuern zahlt. Das Ergebnis: Doppelbesteuerung.

Um die anfallende Steuer zu begleichen, stehen Trusts laut Keebler vor einer unangenehmen Wahl: Entweder muss das Stammvermögen angegriffen werden – was die künftigen Ansprüche von Erben verringert – oder die Ausschüttungen an Begünstigte müssen gekürzt werden, was unter Umständen sogar gerichtliche Schritte erfordern kann. Keebler betont zudem, dass diese Bestimmung bereits für das laufende Steuerjahr gilt.

Auch kleinere Trusts betroffen

Die Auswirkungen beschränken sich nicht nur auf extrem wohlhabende Personen. Laut den befragten Anwälten wären auch Trusts mit einem Einkommen von lediglich 16.000 US-Dollar von zusätzlichen Steuern betroffen. Justin Miller, National Director of Wealth Planning bei Evercore Wealth Management, bezeichnet die Bestimmung als „mathematischen Albtraum" für Steueranwälte und Finanzberater.

Besonders problematisch ist die Lage für Trusts, die verpflichtet sind, ihr gesamtes Einkommen auszuschütten. Diese müssten entweder Vermögenswerte verkaufen, um die Steuern zu zahlen – was künftige Anlagerenditen opfert –, oder ihre Ausschüttungen an die Begünstigten kürzen. Auch wohltätige Zwecke sind betroffen: Die Abzugsbeschränkung gilt bereits für Spenden, und Experten berichten, dass dies das Spendenverhalten von Spitzenverdienern beeinflusst hat.

Miller weist zudem darauf hin, dass die Fußnote im Bluebook keine Abzüge für wohltätige Zwecke bei Trusts und Nachlässen erwähnt. Er hält diese Auslassung für absichtlich und hält es für möglich, dass das Finanzministerium die Abzugsbeschränkung für wohltätige Spenden bei Trusts und Nachlässen beibehalten wird. Eine mit den Verfahren des JCT vertraute Person bestätigte gegenüber CNBC anonym, dass der Stab den Abzug für wohltätige Zwecke bewusst anders behandelt habe als andere Abzüge.

Hoffnung auf Klarheit durch das Finanzministerium

Das Problem der Doppelbesteuerung könnte durch eine Gesetzesänderung des Kongresses oder durch Richtlinien des US-Finanzministeriums gelöst werden. Miller hält es für „berechtigt zu hoffen", dass das Ministerium bis Ende des Jahres entsprechende Richtlinien herausgibt. Das Finanzministerium beantwortete entsprechende Anfragen von CNBC bis Redaktionsschluss nicht.

Keebler plant jedoch bereits unter der Annahme, dass die Regelung in ihrer aktuellen Form bestehen bleibt. Miller betont, dass der Teufel im Detail stecken werde – etwa darin, welche Abzüge das Ministerium letztlich begrenzen will. Theoretisch könnte das Ministerium Trusts erlauben, unbegrenzte Abzüge für Ausschüttungen an Familienmitglieder vorzunehmen, was die größte Sorge der Finanzberater lösen würde. Sechs Monate vor Jahresende sei Klarheit das, was Berater am dringendsten benötigen, so Miller.

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