Thailand: Notenbank sieht Rückkehr zu drei Prozent Wachstum
Der stellvertretende Notenbankgouverneur Piti Disyatat hält ein Wachstum von rund drei Prozent innerhalb von drei Jahren für möglich.

Thailand könnte in den kommenden drei Jahren wieder ein Wirtschaftswachstum von rund drei Prozent erreichen. Diese Einschätzung vertrat der stellvertretende Gouverneur der Bank of Thailand, Piti Disyatat, am Mittwoch. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass das südostasiatische Land seine strukturellen Herausforderungen konsequent angehe, betonte er.
Die thailändische Zentralbank will ihre geldpolitische Ausrichtung vorerst beibehalten. Der Leitzins bleibt bei 1,00 Prozent und damit unverändert, bis sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern. Das erklärte Piti gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters am Rande der jährlichen Treffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank.
Für das laufende Jahr rechnet die Notenbank mit einem Wachstum der thailändischen Wirtschaft von 2,3 Prozent oder leicht darüber. Im darauffolgenden Jahr soll die Expansionsrate dann bei 1,8 Prozent liegen. Das Basisszenario der Zentralbank prognostiziert für das Jahr danach eine Rückkehr in den Bereich zwischen 2,8 Prozent und 3 Prozent.
Die Details
Piti ordnete die längerfristige Perspektive in einem Zitat ein: „Im weiter entfernten Horizont von zwei bis drei Jahren gehen wir davon aus, dass unser potenzielles Trendwachstum bei etwa 2,8 Prozent bis 3 Prozent liegt. Es ist daher definitiv möglich, ein Wachstum von 3 Prozent zu erreichen, und wir erwarten, dass das Wachstum dieses Niveau erreicht.“
Der stellvertretende Gouverneur machte jedoch deutlich, dass dieses Ziel nicht automatisch eintritt. Die Erreichung hänge davon ab, negative Schocks zu vermeiden und strukturelle Engpässe zu beseitigen, die innerhalb der Kontrolle des Landes liegen. Damit verweist die Notenbank auf Faktoren, die sie selbst nur begrenzt beeinflussen kann – etwa Reformen, Investitionsbedingungen und die langfristige Produktivitätsentwicklung.
Auch aus der Regierung kommen vergleichbare Signale. Im vergangenen Monat hatte Finanzminister Ekniti Nitithanprapas erklärt, für das nächste Jahr werde ein Wirtschaftswachstum Thailands von 2,5 Prozent erwartet. Innerhalb von drei Jahren könne dieser Wert auf 3 Prozent steigen, gestützt durch staatlich unterstützte Investitionen in Halbleiter und Rechenzentren.
Don Nakornthab, Assistant Governor der Bank of Thailand für Geldpolitik, hatte im vergangenen Monat ein etwas vorsichtigeres Bild gezeichnet. Das potenzielle Wachstumsziel der thailändischen Wirtschaft liege bei 2,7 Prozent, sagte er. Um dieses Niveau zu erreichen, wären nach seiner Einschätzung vier bis fünf Jahre nötig.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuellen Aussagen reihen sich in eine längere Debatte über das zu geringe Wachstumstempo Thailands ein. Bereits am 24.02.2026 berichtete aktien.news, dass Thailands Zentralbankgouverneur Vitai Ratanakorn die Wachstumsziele für 2026 nach oben korrigiert hatte. Während die Bank of Thailand zuvor lediglich 1,5 Prozent Wirtschaftswachstum prognostiziert hatte, lagen die Erwartungen damals bei rund 1,9 Prozent. Langfristig strebte Vitai ein Wachstum von 2,7 Prozent an – erreicht durch einen breiteren Politikmix und zusätzliche Investitionen. Die wirtschaftliche Stabilität des Landes sei solide, das Wachstum jedoch nach wie vor zu gering, betonte er damals. Strukturelle Probleme bremsten die Expansion.
Am 17.09.2026 berichtete aktien.news, dass die thailändische Zentralbank an ihrer expansiven Geldpolitik festhält, um die schwächelnde Wirtschaft zu stützen. Der stellvertretende Gouverneur für Geldpolitik, Don Nakornthab, bezeichnete den Kurs in einem Reuters-Interview als „sehr, sehr expansiv“ und notwendig, um die Erholung zu unterstützen. Der Leitzins lag mit 1,00 Prozent auf einem der niedrigsten Niveaus weltweit. Die Bank of Thailand hatte ihren Leitzins zuletzt im September unverändert bei 1,00 Prozent belassen – es war die dritte Sitzung in Folge ohne Zinsänderung. Begründet wurde dies mit einem niedrigen und ungleichen Wirtschaftswachstum.
Am 08.10.2026 meldete aktien.news, dass Gouverneur Vitai Ratanakorn keine Eile bei Zinserhöhungen sieht. Auf einem Wirtschaftsforum in Bangkok sagte er, die Geldpolitik könne die strukturellen Probleme nicht lösen, die das Wirtschaftswachstum des Landes einschränken. Die Notenbank hatte ihren Leitzins bereits im August unverändert bei 1,00 Prozent belassen. Die nächste geldpolitische Überprüfung stand damals am 28. Oktober an. Für das laufende Jahr rechnete Vitai mit einem Wirtschaftswachstum von rund 2,3 Prozent, getragen vor allem von Investitionen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die in Schwellenländern oder speziell in Südostasien engagiert sind, liefern die Aussagen der Notenbank wichtige Orientierungspunkte. Der unveränderte Leitzins von 1,00 Prozent signalisiert, dass die Geldpolitik weiterhin auf Unterstützung ausgerichtet bleibt und kurzfristig keine strafferen Bedingungen zu erwarten sind. Ein niedriger Leitzins kann die Attraktivität der Landeswährung im Vergleich zu höher verzinsten Währungen belasten, während er gleichzeitig die Binnennachfrage und Investitionen stützen soll.
Bemerkenswert ist die Diskrepanz zwischen den kurzfristigen und den längerfristigen Erwartungen. Während für das laufende Jahr 2,3 Prozent und für das folgende Jahr 1,8 Prozent in Aussicht gestellt werden, soll das Trendwachstum erst in zwei bis drei Jahren wieder 2,8 bis 3 Prozent erreichen. Diese zeitliche Streckung zeigt, dass die Notenbank selbst nicht mit einer schnellen Rückkehr zu höheren Wachstumsraten rechnet. Die genannten Investitionsfelder Halbleiter und Rechenzentren deuten darauf hin, dass die Regierung auf technologieintensive Zukunftsbranchen setzt, um die Wirtschaftsstruktur zu modernisieren.
Anleger sollten beachten, dass die Prognosen ausdrücklich an Bedingungen geknüpft sind. Piti nennt die Vermeidung negativer Schocks und die Beseitigung struktureller Engpässe als Voraussetzung. Beide Faktoren liegen nur teilweise im Einflussbereich der Politik. Dies unterstreicht, dass die Wachstumsziele eher als Zielkorridor denn als gesicherte Erwartung zu verstehen sind.
Ausblick
Die Bank of Thailand hält an ihrem Basisszenario fest: 2,3 Prozent Wachstum in diesem Jahr, 1,8 Prozent im Jahr 2027 und eine Rückkehr in den Bereich von 2,8 bis 3 Prozent im darauffolgenden Jahr. Der Leitzins bleibt bei 1,00 Prozent, solange sich die wirtschaftlichen Bedingungen nicht verbessern. Finanzminister Ekniti Nitithanprapas erwartet für das nächste Jahr 2,5 Prozent und mittelfristig 3 Prozent, gestützt durch Investitionen in Halbleiter und Rechenzentren. Don Nakornthab veranschlagt das potenzielle Wachstumsziel auf 2,7 Prozent, das in vier bis fünf Jahren erreichbar wäre.
Kurz erklärt
- Leitzins: Der zentrale Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld beschaffen können und der die Kreditbedingungen einer Volkswirtschaft prägt.
- Geldpolitische Ausrichtung: Die grundsätzliche Strategie einer Notenbank, ob sie die Wirtschaft eher stützt oder bremst.
- Trendwachstum: Das langfristig erreichbare Wachstum einer Volkswirtschaft, wenn konjunkturelle Schwankungen außer Betracht bleiben.
- Strukturelle Engpässe: Dauerhafte Hemmnisse wie Regulierungen oder Infrastrukturmängel, die das Wachstum einer Volkswirtschaft begrenzen.
