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Sushi Kanesaka: Ein Abend im teuersten Restaurant Londons

420 Pfund pro Person, selbst bezahlt – ein FT-Journalist testet Londons teuerstes Festmenü im Sushi Kanesaka in Mayfair.

Sushi Kanesaka: Ein Abend im teuersten Restaurant Londons

Ein schottischer blauer Hummer, ein Tresen aus Hinoki-Zypressenholz und eine Rechnung, die einem den Atem verschlägt: Das Sushi Kanesaka im Londoner Luxushotel 45 Park Lane gilt als das teuerste Restaurant der britischen Hauptstadt. Der FT-Journalist und City-Editor bei FT Alphaville hat das Erlebnis aus eigener Tasche finanziert – und berichtet schonungslos ehrlich.

420 Britische Pfund kostet das Abendessen pro Person, zahlbar im Voraus und exklusive Getränke. Hinzu kommt eine Servicegebühr von 15 Prozent. Wer Wein oder Sake dazu bestellt, muss tief in die Tasche greifen: Sake-Begleitungen beginnen bei 150 Pfund pro Person, die gehobene Auswahl kostet 220 Pfund. Der günstigste Wein auf der Karte, ein 2024er Sol Lucet Koshu aus Japan, schlägt mit 29 Pfund pro Glas oder 135 Pfund pro Flasche zu Buche. Kaum ein anderes Getränk liegt unter 200 Pfund. Eine Online-Getränkekarte, die Gäste vorab auf die Preise vorbereiten könnte, existiert nicht.

Das Konzept: Edomae-Sushi als historische Rekonstruktion

Hinter dem Restaurant steht der japanische Sushi-Meister Shinji Kanesaka, der seinen Tokioter Sushi-Tresen zu einer globalen Marke ausgebaut hat – mit Standorten in Singapur, Hongkong, Seoul und nun London. Der Stil ist Edomae, eine traditionelle Zubereitungsform, die Sushi als historische Rekonstruktion begreift. In London führt Küchenchef Hirotaka Wada gemeinsam mit Sous-Chef Junki Kimizuka die Küche. Das Personal trägt weiße Kappōgi-Kittel an der Front, während Kimonos geisterhaft im Hintergrund gleiten.

Zu neunt nimmt die Gruppe in einem Nebenraum neben der Bar Platz. Der Tresen, an dem die Gäste sitzen, soll laut Website aus einem einzigen Stück Hinoki-Zypressenholz gefertigt sein. Die LED-Beleuchtung hingegen wirkt weniger exklusiv. Das Menü umfasst rund 20 Gänge und dauert etwa 90 Minuten. Etwa die Hälfte der Gänge besteht aus einzelnen Nigiri, serviert auf Körpertemperatur – „so warm wie ein Händedruck", wie der Autor notiert.

Zwischen Perfektion und Unbehagen

Der Autor zitiert den verstorbenen Restaurantkritiker AA Gill, der das Rezensieren japanischer Küche einst mit dem Schreiben von Hi-Fi-Testberichten verglich: „Es geht nur um Nuancen im technischen Detail, das Nerd-Gesetz des abnehmenden Grenznutzens, winzige Unterschiede in Temperatur und Schnitt." Tatsächlich beschreibt der Autor das Erlebnis als eher zerebral denn sinnlich – Essen, auf das man mit dem Kopf reagiert, nicht mit dem Bauch.

Der Hummer, der zu Beginn des Abends noch lebendig war, taucht im Verlauf des Menüs zweimal auf: zunächst als Fleischstück auf einem einzelnen Shiitake-Pilz, dann als Höhepunkt des Abends in einer Miso-Suppe. Diese beschreibt der Autor mit ungewöhnlicher Wärme: Die tiefe Fleischigkeit beim Anheben des Deckels treffe einen „wie Bovril auf den Tribünen im Februar". Den Abschluss bilden Mochi und eine Melonenscheibe – ein nach Einschätzung des Autors eher enttäuschender Ausklang.

Der Service ist aufmerksam bis ins kleinste Detail. Als eine Kellnerin die Stäbchenablage des Autors neu ausrichtet, dauert es einen Moment, bis er begreift: Sie hat bemerkt, dass er Linkshänder ist. Es ist diese Art stiller Aufmerksamkeit, die das Restaurant von anderen abhebt – und die zugleich eine gewisse Distanz schafft.

Das Ende des Abends verläuft weniger elegant. In der Annahme, der Ausgang führe durch die Bar, verlässt der Autor den Raum zu früh. Ein panischer Maître d' verfolgt ihn mit dem Kartenlesegerät. Die abschließende Rechnung für Getränke und Service beläuft sich auf weitere 170 Pfund. Auf die Frage, wie alles war, antwortet der Autor: „Makellos." Was er meint, ist etwas anderes: „unbehaglich". Seine abschließende Reflexion fällt ernüchternd aus – am stärksten fühlt er sich mit dem Hummer verbunden.

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