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Südkoreanische Privatanleger verlieren Milliarden mit gehebelten Chip-ETFs

Gehebelte Wetten auf Samsung und SK Hynix brechen ein – südkoreanische Anleger fordern ihr Geld zurück nach dramatischen Kursverlusten.

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Südkoreanische Privatanleger verlieren Milliarden mit gehebelten Chip-ETFs

Südkoreanische Privatanleger stecken in einer tiefen Verlustfalle. Nach einer scharfen Kurskorrektur bei den Halbleiter-Schwergewichten Samsung Electronics und SK Hynix haben gehebelte Single-Stock-ETFs massive Einbrüche erlitten – und mit ihnen die Ersparnisse Hunderttausender Kleinanleger. Die Verluste verdeutlichen die Risiken des spekulativen Handelsbooms, der zuvor einen der weltweit heißesten Aktienmärkte befeuert hatte.

Besonders hart trifft es die Inhaber von gehebelten Single-Stock-ETFs, also börsengehandelten Fonds auf Einzelaktien, die an die Chip-Giganten Samsung Electronics und SK Hynix gekoppelt sind. Diese Papiere waren im Zuge der KI-Halbleiter-Rally steil nach oben geschossen – und sind nun eingebrochen. Der KODEX SK Hynix Single Stock Leverage ETF, ein Produkt das darauf ausgelegt ist, die tägliche Kursbewegung der SK-Hynix-Aktie zu verdoppeln, ist laut LSEG-Daten um etwa 70 Prozent von seinem im Juni erreichten Rekordhoch gefallen und liegt rund 50 Prozent unter seinem Debütkurs.

Seit der Einführung gehebelter Single-Stock-ETFs am 27. Mai haben koreanische Privatanleger laut KB Financial Group netto 14 Billionen Won – umgerechnet rund 9,4 Milliarden US-Dollar – in diese Produkte investiert. Ausländische Investoren steuerten vergleichsweise bescheidene rund 2 Billionen Won bei. Die Rechnung geht bislang nicht auf.

Verzweiflung in Online-Foren

In südkoreanischen Online-Handelsforen herrschte nach dem historischen Tageseinbruch von SK Hynix in der vergangenen Woche große Klage. „Ich möchte in die Zeit zurückkehren, bevor ich angefangen habe, in Aktien zu investieren. Gebt mir mein Geld zurück", schrieb ein Anleger. „Ihr seid entschlossen, mich umzubringen", hieß es von einem anderen. Die emotionalen Reaktionen spiegeln das Ausmaß der Verluste wider, die viele Privatanleger erlitten haben.

Bei den Betroffenen handelt es sich laut Jung In Yun, Gründer von Fibonacci Asset Management, keineswegs nur um unerfahrene Börsenneulinge. „Die Anleger, welche die Verluste tragen, sind überwiegend inländische Privatanleger", sagte Jung. Viele seien Anleger in ihren 40ern und 50ern, die sich zunehmend an Hebelprodukte und konzentrierte Technologiewetten gewöhnt hätten – keine blinden Hype-Verfolger, sondern erfahrene Marktteilnehmer, die das Risiko unterschätzten.

Gehebelte ETFs sind auch als Anteil an auf Korea ausgerichteten Fonds rasant gewachsen. Laut Daten von Oxford Economics stieg das Vermögen in den 25 größten gehebelten Korea-ETFs bis Juni auf einen Anteil von etwa 30 Prozent, verglichen mit rund 15 Prozent zu Beginn des Jahres 2026. Das Wirtschaftsberatungsunternehmen stufte südkoreanische Aktien Ende Juni auf „Neutral" herab und warnte, dass die gehebelten Positionierungen erheblich zugenommen hätten.

Regulatoren und Zentralbank schlagen Alarm

Die südkoreanische Zentralbank warnte in einem im vergangenen Monat veröffentlichten Bericht, dass die gehebelten Aktieninvestitionen von Privatanlegern ein Rekordhoch erreicht hätten. Dies sei primär auf Wertpapierkredite und zunehmend konzentrierte Halbleiterpositionen zurückzuführen. Zwar erklärte die Bank of Korea, dass der Aufbau wahrscheinlich keine systemische Bedrohung für das Finanzsystem darstelle – sie warnte jedoch ausdrücklich, dass Hebelwirkungen die Volatilität während Marktkorrekturen vergrößern könnten.

Auch die Regulierungsbehörden reagieren nun. Südkorea stellte strengere Regeln für gehebelte Single-Stock-ETFs vor, um den spekulativen Handel von Privatanlegern einzudämmen. Im Rahmen der neuen Maßnahmen müssen Anleger für den Handel mit diesen Produkten ein Minimum von 30 Millionen Won in bar hinterlegen – gegenüber einem effektiven Minimum von zuvor lediglich 3 Millionen Won. Das entspricht einer Verzehnfachung der Einstiegshürde.

Laut KB Financial ähneln gehebelte ETFs zunehmend spekulativen Handelsinstrumenten. Analysten betonen zwar, dass die langfristigen Aussichten für Speicherchiphersteller intakt bleiben – für die Privatanleger, die jetzt auf Verlusten sitzen, ist das jedoch ein schwacher Trost. Die Ereignisse in Südkorea sind auch eine Warnung für Anleger weltweit: Gehebelte Produkte auf Einzelaktien können Gewinne dramatisch verstärken – aber eben auch Verluste.

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