Straße von Hormus offen: Märkte feiern mit kräftigen Kursgewinnen
Iran erklärt Straße von Hormus für offen – Ölpreise brechen um 10% ein, Aktien steigen, Dollar fällt deutlich.

Die globalen Finanzmärkte haben am Freitag kräftig zugelegt, nachdem der iranische Außenminister die Straße von Hormus für alle Handelsschiffe für offen erklärt hat. Die Ankündigung gilt für die verbleibende Dauer des Waffenstillstands – in Einklang mit dem Waffenstillstand im Libanon. Die Reaktion der Märkte war unmittelbar und deutlich: Der Ölpreis sank um bis zu 10% auf unter 90 US-Dollar pro Barrel, Aktienkurse und Anleihen legten kräftig zu, während der US-Dollar gegenüber Euro, Pfund und Yen spürbar nachgab.
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt und verbindet den Persischen Golf mit dem Arabischen Meer. Durch sie fließt ein erheblicher Teil des globalen Rohöltransports. Seit Beginn des Konflikts Ende Februar hatte die Meerenge als gesperrt gegolten, was die Rohstoffmärkte unter erheblichen Druck gesetzt und die Inflationssorgen weltweit verschärft hatte.
Experten: Märkte preisen Tail-Risiken aus
Michael Brown, Senior Research Strategist bei Pepperstone in London, erklärte die starke Marktreaktion: „Wenn wir nun in eine Situation kommen, in der der Weg tatsächlich in Richtung Deeskalation führt – wir aber nun den zusätzlichen Vorteil haben, dass die Rohstoffströme durch Hormus wieder ein Niveau erreichen, das dem vor dem Konflikt ähnelt –, dann wird damit offensichtlich auch ein erhebliches Tail-Risk für die Wirtschaft beseitigt. Ich denke, das ist der Grund, warum die Märkte so positiv reagieren."
Nick Kennedy, Währungsstratege bei Lloyds in London, zeigte sich weniger überrascht: „Zunächst einmal halte ich das nicht für überraschend; die Gespräche haben sich bereits in diese Richtung bewegt. Aus Marktperspektive geht es um die Dauer der Störung. Je schneller der Transit wieder reibungslos funktioniert, desto besser, und die Märkte bewerten die Aussichten neu." Kennedy betonte jedoch auch die Schwierigkeit, sich für solche Nachrichten zu positionieren, und äußerte Zweifel an deren Glaubwürdigkeit.
Die Renditen kurzlaufender Staatsanleihen brachen ein, da Anleger die Wahrscheinlichkeit kurzfristiger Zinserhöhungen – insbesondere in Europa – deutlich geringer einschätzten. Evelyne Gomez-Liechti, Multi-Asset Strategist bei Mizuho in London, sieht darin eine wichtige geldpolitische Implikation: „Es nimmt das Risiko einer Notfall-Zinserhöhung vom Tisch. Im Moment verschiebt sich das Narrativ eher dahingehend, die aktuelle Position zu halten und abzuwarten, was passiert. Wir könnten also sehen, dass sich der Markt eher auf eine abwartende Haltung der EZB und der Bank of England einstellt."
Skepsis bleibt: Nachhaltigkeit der Öffnung fraglich
Trotz der positiven Marktreaktion mahnen mehrere Experten zur Vorsicht. Joseph Trevisani, Senior Analyst bei FX Street in New York, brachte es auf den Punkt: „Niemand, der bei klarem Verstand ist, und schon gar nicht die Regierung, vertraut den Aussagen des Irans, aber Taten zählen. Öl liegt nun bei 86,50 Dollar. Das ist zweifellos das Thema des Tages."
Gomez-Liechti ergänzte: „Im Moment betrachtet der Markt dies als einen Schritt nach vorn. Ich nehme eher an, dass weiterhin das Risiko besteht, dass sie die Öffnung von Hormus wieder rückgängig machen." Sie verwies darauf, dass der Iran mehrfach betont habe, die Sicherheit vor künftigen Angriffen sei für ihn ein entscheidender Punkt.
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Zur AktienanalyseTom Di Galoma, Managing Director of Global Rates Trading bei der Mischler Financial Group in Park City, Utah, fasste die allgemeine Unsicherheit zusammen: „Werden wir tatsächlich einen dauerhaften Waffenstillstand und eine Öffnung der Meerenge erleben? Ich weiß es nicht. Es scheint, als würde es einige Zeit dauern, bis sich das geklärt hat. Aber im Moment sind es all die guten Nachrichten, die aus der Golfregion kommen."
Lars Skovgaard, Senior Investment Strategist bei der Danske Bank in Kopenhagen, rechnet mit einer Sektorrotation als Folge der Entwicklung: „Man wird höchstwahrscheinlich eine Sektorrotation innerhalb der Indizes sehen, zum Beispiel eine Erholung bei Titeln aus dem Freizeitsektor, und dann wird sich der Fokus auf die Gewinne richten. Dies könnte zu einer Outperformance in Europa im Vergleich zu den USA führen, und wir könnten eine Erholung in den Schwellenländern erleben."
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung besonders relevant: Ein niedrigerer Ölpreis entlastet die energieintensive deutsche Industrie und könnte den Inflationsdruck in der Eurozone dämpfen. Gleichzeitig würde eine abwartende EZB die Finanzierungskosten für Unternehmen stabil halten – ein positives Signal für den deutschen Aktienmarkt.


