Straße von Hormus offen: Energiemärkte erholen sich nach Konflikt
Nach fast 50 Tagen Konflikt erklären iranische Behörden die Straße von Hormus wieder offen – Ölpreise brechen ein, Aktienmärkte steigen.

Die globalen Finanzmärkte erlebten diese Woche eine markante Kehrtwende. Nach einem Waffenstillstand im Libanon erklärten iranische Behörden die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Energieadern der Welt – wieder für den kommerziellen Schiffsverkehr geöffnet. Die Nachricht löste eine breite Marktrally in den USA aus und ließ die Rohölpreise um mehr als 11 Prozent einbrechen.
Der S&P 500, der Dow Jones Industrial Average und der Nasdaq Composite verzeichneten allesamt deutliche Kursgewinne. Besonders bemerkenswert: Der Nasdaq erzielte seine längste Gewinnserie seit 1992. Der Energiesektor hingegen stand unter erheblichem Druck – große US-Ölproduzenten wie Exxon Mobil und Chevron verloren an der Börse, da Anleger die nachlassende Versorgungsangst einpreisten.
Profiteure der sinkenden Ölpreise waren vor allem Fluggesellschaften und Kreuzfahrtunternehmen. American Airlines, United Airlines, Delta und Royal Caribbean verbuchten spürbare Kursgewinne, nachdem sie während des Konflikts erhebliche Verluste erlitten hatten.
Europäische Ölkonzerne schlagen US-Rivalen
Ein auffälliger Unterschied zeigte sich im Vergleich zwischen europäischen und amerikanischen Ölmultis. Europäische Konzerne wie BP, Shell und TotalEnergies nutzten ihre umfangreichen Handelsabteilungen, um von der Marktvolatilität zu profitieren. Gemeinsam erzielten sie im ersten Quartal mindestens 2,5 Milliarden US-Dollar an Handelsgewinnen. BP bezeichnete seine Leistung als „außergewöhnlich" – ein Begriff, den das Unternehmen zuletzt während der Energiekrise 2023 verwendet hatte.
US-Riesen wie Exxon Mobil und Chevron verfolgten dagegen eine andere Strategie: Sie setzten auf operative Optimierung statt auf spekulativen Handel. Das hatte seinen Preis. Exxon warnte vor einem möglichen Ergebnisrückgang von 5,3 Milliarden US-Dollar, Chevron schätzte den negativen Effekt auf 2,7 bis 3,7 Milliarden US-Dollar. Beide Unternehmen betonten, dass es sich um zeitlich begrenzte Effekte handele, die sich in künftigen Quartalen wieder auflösen sollen.
Langfristige Folgen bleiben erheblich
Trotz der positiven Signale warnen Analysten vor anhaltenden wirtschaftlichen Nachwirkungen des 50-tägigen Konflikts. Daten des Marktanalyseunternehmens Kpler zeigen, dass rund 500 Millionen Barrel Rohöl und Kondensate dem Weltmarkt entzogen wurden – eine Menge, die dem sechsjährigen Treibstoffverbrauch des US-Militärs entspricht.
Die Wiederherstellung der regionalen Energieinfrastruktur dürfte Monate, wenn nicht Jahre dauern. Schifffahrtsexperten, darunter jene von Mare Liberum, warnen, dass Reedereien trotz der offiziellen Öffnung weiterhin mit hohen Kriegsrisikoprämien und möglichen Minengefährdungen konfrontiert sind.
Strategische Neuausrichtung der Ölmultis
Der Konflikt hat bei den großen Ölkonzernen ein strategisches Umdenken ausgelöst. Um künftige Risiken im Nahen Osten zu reduzieren, erschließen Exxon Mobil und Chevron aktiv neue Regionen. Exxon prüft Investitionen von 24 Milliarden US-Dollar in nigerianische Tiefseefelder, Chevron hat seine Präsenz in Venezuela ausgebaut. Das Analysehaus Wood Mackenzie schätzt, dass diese neuen Explorationsprojekte in den kommenden Jahren einen Wert von 120 Milliarden US-Dollar für die großen Ölkonzerne generieren könnten.
Einige Marktanalysten relativieren zudem die strategische Bedeutung der Straße von Hormus. Bypass-Pipelines in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten verfügen zusammen über eine Kapazität von 8,5 Millionen Barrel pro Tag. Empfohlene Investitionen im Bereich US-Energieinfrastruktur umfassen Pipeline-Unternehmen wie ONEOK, Kinder Morgan, Quanta Services und Texas Pacific Land.
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Zur AktienanalyseGemischtes Bild außerhalb des Energiesektors
Abseits der Energiemärkte lieferte die Woche ein uneinheitliches Bild. Netflix-Aktien verloren knapp 10 Prozent, nachdem das Unternehmen eine schwache Gewinnprognose für das zweite Quartal vorlegte und der Abgang von Chairman Reed Hastings bekannt wurde. Oracle hingegen legte nach der Klärung von Finanzierungsfragen für Rechenzentren und einer neuen Partnerschaft mit Bloom Energy um mehr als 28 Prozent zu.
Im nordamerikanischen Transportsektor zeigen Daten von Statistics Canada einen anhaltenden Rückgang kanadischer Reisen in die USA, der teilweise auf jüngste Zölle zurückgeführt wird. AutoCanada setzt seinen Rückzug aus dem US-Markt fort und erzielte dabei Erlöse von 65,8 Millionen kanadischen Dollar.
Die globale Wirtschaft befindet sich weiterhin in einer Phase der Neuorientierung. Während die unmittelbare Blockadegefahr gebannt scheint, bleibt der Energiesektor im Wandel – zwischen Rekordproduktionsniveaus und einem vorsichtigen Umgang mit neuen Investitionsausgaben für Bohrprojekte.


