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SpaceX-IPO: Wie Musk Investoren und Banken kontrolliert

Beim mit Spannung erwarteten Börsengang von SpaceX diktiert Elon Musk die Bedingungen – und Risiken werden dabei weitgehend ignoriert.

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SpaceX-IPO: Wie Musk Investoren und Banken kontrolliert

Elon Musk hat beim Börsengang seines Raumfahrtunternehmens SpaceX die Kontrolle auf eine Weise ausgeübt, die in der Geschichte der US-Kapitalmärkte kaum Vergleiche kennt. Investoren mussten persönliche Verbindungen nutzen, sich von Musks Team interviewen lassen und erhielten trotz millionenschwerer Investments nur begrenzte Finanzinformationen – und dennoch rissen sie sich um die Anteile.

Wie Reuters berichtet, nutzte ein Investor im Jahr 2018 eine Verbindung zu Lyndon Rive, Musks Cousin und ehemaliger CEO von SolarCity, um SpaceX-Aktien im Wert von 10 Millionen US-Dollar zu erwerben. Ein Portfolio-Manager eines 500-Milliarden-Dollar-Fonds musste 2023 seine Beziehung zu einem Tesla-Verwaltungsratsmitglied einsetzen, um überhaupt eine Zuteilung zu erhalten. Beide mussten anschließend das SpaceX-Hauptquartier besuchen und sich von CFO Bret Johnsen und weiteren Mitgliedern des Musk-Teams persönlich befragen lassen.

Das Ergebnis dieser ungewöhnlichen Prozedur: Letztlich entschied Musk höchstpersönlich, wer investieren durfte. Trotz der eingeschränkten Transparenz sind beide Investoren – und mindestens zehn weitere von Reuters befragte Pre-IPO-Anleger – mit ihrer Entscheidung zufrieden. Der Wert ihrer Beteiligungen ist sprunghaft gestiegen.

Bewertung von 30 Milliarden auf 1,75 Billionen Dollar

Die Zahlen sprechen für sich: Als Lyndon Rive 2018 seinen Anteil verkaufte, wurde SpaceX mit rund 30 Milliarden US-Dollar bewertet. Zum Zeitpunkt des Börsengangs wird eine Marktkapitalisierung von 1,75 Billionen US-Dollar erwartet – ein Anstieg um das fast 60-Fache innerhalb weniger Jahre. Diese Wertsteigerung erklärt, warum Investoren bereit waren, Musks ungewöhnliche Bedingungen zu akzeptieren.

Ross Gerber, CEO der Investmentfirma Gerber Kawasaki, die Anteile an SpaceX und Tesla hält, bringt die Dynamik auf den Punkt: „Als wir investierten, war die Sache klar: Elon kontrolliert alles, und man erfährt nichts, es sei denn, man investiert 250 Millionen Dollar." Gerber investierte dennoch – unter anderem, weil sein früheres Tesla-Investment extrem profitabel gewesen sei.

Auch gegenüber den größten Banken der Wall Street diktierte Musk die Bedingungen. Goldman Sachs, Morgan Stanley und anderen Instituten wurde laut fünf mit der Angelegenheit vertrauten Quellen vorgeschrieben, wie sie die Aktie vermarkten sollen und an wen. Einigen Banken wurden spezifische Ordergrößen genannt, die sie „füllen" mussten – in einigen Fällen mehrere Milliarden US-Dollar. Besonders ungewöhnlich: Die Banken unterzeichneten das Underwriting des Börsengangs, ohne zu wissen, welche Vergütung sie dafür erhalten würden.

Nasdaq änderte eigene Indexregeln

Selbst die Nasdaq-Börse beugte sich dem Druck. Deren Vorstandsvorsitzende Adena Friedman lobbyierte über mehrere Monate bei Musk und SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell, um das begehrte Listing zu sichern. Im März änderte die Nasdaq ihre Indexregeln, um die Aufnahme von Large-Cap-Unternehmen wie SpaceX in den Nasdaq-100 kurz nach dem Börsengang zu beschleunigen.

Für Privatanleger, die nun beim IPO einsteigen wollen, sind die Risiken erheblich. 30 Prozent des 75 Milliarden Dollar schweren Angebots sind für Privatanleger vorgesehen, darunter auch Kleinanleger. Kritiker warnen vor einer schwachen Corporate Governance mit Musk in absoluter Kontrolle, verlustbringenden Geschäftsbereichen sowie schwer zu bewertenden Zielen wie der Kolonialisierung des Mars oder der Platzierung von Rechenzentren im Weltraum.

Tejal Patel, Exekutivdirektor der gewerkschaftsnahen SOC Investment Group, formulierte die Kritik in einem Brief vom 4. Juni an potenzielle Investoren unmissverständlich: „Kein Treuhänder sollte diese nachteilige Kombination aus finanziellen und Governance-Risiken akzeptieren."

SpaceX und Musk reagierten nicht auf Anfragen zur Stellungnahme. Auch CFO Johnsen und Lyndon Rive äußerten sich nicht. Bank of America, Goldman Sachs, JPMorgan, Morgan Stanley und die Nasdaq lehnten eine Stellungnahme ab. Citi reagierte ebenfalls nicht auf entsprechende Anfragen.

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