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S&P 500 statt Sozialversicherung: Wäre das wirklich besser?

Ein US-Bürger rechnet durch: Seine Sozialversicherungsbeiträge hätten im S&P 500 über 4 Millionen Dollar ergeben – eine provokante Frage.

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S&P 500 statt Sozialversicherung: Wäre das wirklich besser?

Ein Gedankenexperiment sorgt in den USA für Diskussionen: Was wäre, wenn Sozialversicherungsbeiträge statt in das staatliche System direkt in den S&P 500 geflossen wären? Die Antwort, die Quentin Fottrell, Managing Editor für Ratgeber-Kolumnen bei MarketWatch und Verfasser der Kolumne „The Moneyist", präsentiert, ist ernüchternd für das staatliche Rentensystem.

Fottrell hat seine eigene Beitragshistorie durchgerechnet. Hätten seine gesamten Beiträge – also sowohl sein eigener Anteil als auch die Arbeitgeberanteile – in den S&P 500 investiert worden wären, läge sein Guthaben heute bei mehr als 4 Millionen US-Dollar. Auf Basis einer langfristigen Renditeerwartung von 7 bis 8 Prozent jährlich wäre eine monatliche Entnahmerate von rund 30.000 US-Dollar nachhaltig möglich.

Doch selbst im konservativeren Szenario sind die Zahlen beeindruckend: Wären nur die eigenen Beiträge – ohne die Arbeitgeberanteile – in den S&P 500 geflossen, während die Arbeitgeberbeiträge weiterhin an den Staat gegangen wären, hätte Fottrell auf Basis historischer Durchschnittswerte Ende dieses Jahres fast 3,7 Millionen US-Dollar angespart.

Was steckt hinter diesen Zahlen?

Fottrell betont selbst, dass er eine privilegierte Ausgangslage hat: „Ich stehe besser da als viele Bürger, da ich Höchstbeiträge eingezahlt habe." Das bedeutet, dass seine Berechnungen nicht repräsentativ für den Durchschnittsamerikaner sind, der über sein gesamtes Berufsleben hinweg deutlich geringere Beiträge geleistet hat. Wer weniger verdient und entsprechend niedrigere Beiträge einzahlt, käme auf deutlich kleinere Endbeträge.

Der S&P 500 ist der bekannteste US-Aktienindex und bildet die 500 größten börsennotierten Unternehmen der Vereinigten Staaten ab. Historisch gesehen hat er eine durchschnittliche jährliche Rendite von rund 7 bis 10 Prozent erzielt – je nach Betrachtungszeitraum und ob die Inflation herausgerechnet wird. Diese langfristige Performance macht ihn zu einem beliebten Vergleichsmaßstab für alternative Anlagestrategien.

Die Grenzen des Vergleichs

Solche Rechnungen sind verlockend einfach, aber sie blenden wichtige Faktoren aus. Der S&P 500 hat in seiner Geschichte auch massive Einbrüche erlebt – etwa während der Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende, der Finanzkrise 2008 oder dem Corona-Crash 2020. Wer kurz vor der Rente in einen solchen Abschwung gerät, kann einen erheblichen Teil seines Ersparten verlieren. Das staatliche Rentensystem hingegen bietet eine garantierte, inflationsangepasste Auszahlung – unabhängig von der Marktlage.

Für deutsche Leser ist das Gedankenexperiment dennoch relevant: Auch hierzulande wird regelmäßig diskutiert, ob die gesetzliche Rentenversicherung reformiert oder durch kapitalgedeckte Elemente ergänzt werden sollte. Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren erste Schritte in Richtung eines Aktienrentenfonds unternommen, um die Rentenfinanzen langfristig zu stabilisieren.

Die Zahlen, die Fottrell präsentiert, liefern keine abschließende Antwort auf die Frage, ob private Kapitalanlage besser ist als staatliche Rente. Sie zeigen aber eindrücklich, welches Potenzial der Zinseszinseffekt über Jahrzehnte entfalten kann – und warum die Debatte über die Zukunft der Altersvorsorge in vielen Ländern so leidenschaftlich geführt wird.

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