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Sell in May: Warum langfristiges Investieren die bessere Strategie bleibt

Der Halloween-Indikator hat Anlegern Gewinne beschert, doch eine Grafik zeigt: Kaufen und Halten schlägt die saisonale Regel.

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Sell in May: Warum langfristiges Investieren die bessere Strategie bleibt

Die saisonale Börsenstrategie „Sell in May and Go Away" steht erneut im Fokus der Anleger. Anhänger des sogenannten Halloween-Indikators haben von einem Börsenaufschwung profitiert. Nun stellt sich die Frage, ob jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist, wieder in den Markt einzusteigen.

Die Regel sieht vor, am 1. Mai in Bargeld zu gehen und zum Halloween-Termin am 31. Oktober wieder an die Börse zurückzukehren. Damit umfasst die Strategie eine sechsmonatige Investmentphase und eine sechsmonatige Cash-Phase. Sie versucht, das historische Muster auszunutzen, dass der Aktienmarkt den Großteil seiner langfristigen Renditen zwischen Halloween und dem darauffolgenden 1. Mai erzielt.

Eine aktuelle Grafik zeigt jedoch, dass der Kauf und die langfristige Haltestrategie bei Aktien besser abschneidet als „Sell in May and Go Away" und andere Gimmicks. Das ist die zentrale Aussage der Analyse, die sich mit der Frage beschäftigt, ob sich der Ausstieg aus dem Markt überhaupt lohnt.

Die Details

Der Halloween-Indikator ist keine neue Erfindung, sondern eine der bekanntesten Börsenweisheiten überhaupt. Die Theorie dahinter ist simpel: Anleger sollen ihre Aktien im Mai verkaufen und erst im November wieder einsteigen, um die vermeintlich schwachen Sommermonate zu umgehen. Der Mechanismus ist damit klar umrissen – sechs Monate investiert, sechs Monate in Cash.

Die historische Grundlage für das saisonale Muster ist durchaus vorhanden. Mai, Juni, August und September zählen historisch gesehen zu den vier der fünf Monate mit der schlechtesten Börsenperformance. Das klingt zunächst wie ein starkes Argument für die Strategie. Doch der entscheidende Punkt liegt im Detail: „Schlechteste Performance" bedeutet nicht zwangsläufig negative Renditen.

Konkrete Zahlen liefert eine Auswertung von Sam Stovall vom Analysehaus CFRA. Demnach hat der S&P 500 im Zeitraum zwischen dem 30. April und dem 31. Oktober seit 1945 im Durchschnitt lediglich einen Gewinn von 2 % erzielt. Im Vergleich dazu legte der US-Leitindex zwischen dem 31. Oktober und dem 30. April im Schnitt um fast 7 % zu. Dieser deutliche Unterschied verleiht dem Sprichwort seine historische Grundlage.

Genau an dieser Stelle setzt die aktuelle Grafik an. Sie stellt die Frage, ob sich der wiederholte Aus- und Einstieg tatsächlich auszahlt – oder ob Anleger mit einer einfachen Kaufen-und-Halten-Strategie über die Zeit besser fahren. Die Antwort der Analyse fällt eindeutig aus: Die langfristige Haltestrategie schneidet besser ab als die saisonale Regel und andere Gimmicks.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 30.04.2026 berichtete aktien.news, dass die Deutsche Bank den Mythos „Sell in May" entlarvt. In der vierten Ausgabe ihrer „Myth Buster"-Serie untersuchte Analyst Maximilian Uleer die Strategie systematisch und kam zu einem ernüchternden Ergebnis. Uleer testete mehrere Varianten der Strategie für verschiedene Indizes, darunter den S&P 500, den STOXX 600, den DAX und den EURO STOXX 50, und prüfte unterschiedliche Ein- und Ausstiegszeitpunkte. Das stärkste Ergebnis in den Simulationen lieferte ein Verkauf Ende Mai mit einer Wiederanlage Ende September.

Ebenfalls am 30.04.2026 berichtete aktien.news über die Frage, warum der Sommer 2026 Kursgewinne bringen könnte. Der Beitrag verwies auf die Daten von Sam Stovall und das politische Umfeld unter US-Präsident Donald Trump, die dafür sprachen, dass die Strategie in diesem Jahr erneut in die Irre führen könnte.

Am 22.05.2026 berichtete aktien.news unter dem Titel „Sell in May and Go Away: Warum Anleger diese Regel ignorieren sollten", dass wer dieser Regel blind folgt, riskiert, langfristig Rendite zu verschenken. Der Beitrag räumte ein, dass es eine historische Grundlage für das saisonale Muster gibt, betonte aber, dass der entscheidende Teufel im Detail steckt.

Am 26.09.2026 berichtete aktien.news zudem über die Midterm-Wahlen als Marktsignal. Laut einer Studie von Fidelity verzeichnete der S&P 500 in den Jahren nach den Midterm-Wahlen seit 1938 in 95 Prozent aller Fälle eine positive Entwicklung. Bemerkenswert daran: Es spielt keine Rolle, welche Partei gewinnt oder ob die Amtsinhaber oder Herausforderer mehr Sitze hinzugewinnen.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist die Botschaft der aktuellen Analyse klar: Wer auf die saisonale Regel setzt, muss zweimal im Jahr eine Entscheidung treffen – und liegt damit möglicherweise falsch. Die Kaufen-und-Halten-Strategie verlangt dagegen keine Timing-Entscheidung und schneidet in der dargestellten Grafik besser ab.

Hinzu kommt, dass die Strategie in der Praxis mit Kosten und Aufwand verbunden ist. Wer im Mai verkauft und im Oktober wieder einsteigt, muss Transaktionskosten tragen und den Wiedereinstieg zum richtigen Zeitpunkt erwischen. Die Deutsche-Bank-Analyse zeigt, dass bereits kleine Verschiebungen der Ein- und Ausstiegszeitpunkte das Ergebnis verändern können.

Die historischen Durchschnittswerte sind zudem kein Versprechen für die Zukunft. Der S&P 500 hat zwischen dem 30. April und dem 31. Oktober seit 1945 im Schnitt 2 % zugelegt – ein positiver Wert, nicht ein Verlust. Wer in diesen Monaten aus dem Markt aussteigt, verpasst diese durchschnittliche Rendite. Die aktuelle Grafik bestätigt diesen Zusammenhang und stellt die langfristige Haltestrategie als überlegen dar.

Ausblick

Die Analyse liefert keine Prognose für die kommenden Monate, sondern einen historischen Vergleich. Der Halloween-Termin am 31. Oktober markiert den Zeitpunkt, an dem Anhänger der Strategie traditionell wieder in den Markt einsteigen. Ob sich dieser Schritt lohnt, hängt von der weiteren Entwicklung ab, die in der Quelle nicht vorhergesagt wird.

Für Anleger bleibt festzuhalten: Die Entscheidung zwischen saisonaler Strategie und langfristigem Investment ist eine Grundsatzfrage. Die vorliegende Grafik spricht eine deutliche Sprache zugunsten des Kaufens und Haltens.

Kurz erklärt

  • Halloween-Indikator: Saisonale Börsenstrategie, die einen Ausstieg im Mai und einen Wiedereinstieg Ende Oktober vorsieht.
  • Sell in May and Go Away: Börsenweisheit, nach der Anleger ihre Aktien im Mai verkaufen und erst im November zurückkehren sollen.
  • Kaufen und Halten: Anlagestrategie, bei der Wertpapiere über einen langen Zeitraum gehalten werden, ohne auf kurzfristige Marktschwankungen zu reagieren.
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