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Rio Tinto nach Q2-Zahlen: Ist die Aktie unterbewertet?

Die Q2-Ergebnisse von Rio Tinto brachten kaum Überraschungen – doch Morningstar sieht anderswo bessere Chancen für Anleger.

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Rio Tinto nach Q2-Zahlen: Ist die Aktie unterbewertet?

Rio Tinto (ASX: RIO) gehört zu den weltweit größten Rohstoffproduzenten und ist nach Marktwert der zweitgrößte Bergbaukonzern an der australischen Börse ASX. Das Unternehmen profitiert von einem breiten Portfolio langlebiger Vermögenswerte mit niedrigen Betriebskosten – ein entscheidender Vorteil, der Rio Tinto zu einem der wenigen Bergbaukonzerne macht, die über den gesamten Rohstoffzyklus hinweg profitabel bleiben. Hinzu kommt, dass die wichtigsten Aktivitäten des Konzerns überwiegend in politisch stabilen Regionen wie Australien und Nordamerika angesiedelt sind.

Das Herzstück des Geschäftsmodells ist das Eisenerzgeschäft, das laut Morningstar-Analyst Jon Mills rund drei Viertel der Gewinnschätzung für das Unternehmen ausmacht. Damit ist Rio Tinto in hohem Maße von der Entwicklung des Eisenerzmarktes abhängig – und dieser wiederum stark von der Nachfrage aus China beeinflusst.

Was zeigen die Q2-Ergebnisse?

Die Ergebnisse des zweiten Quartals 2024 hielten keine wesentlichen Überraschungen bereit. Die Lieferungen aus Rio Tintos Pilbara-Eisenerzminen beliefen sich im zweiten Quartal 2024 auf 66 Millionen Tonnen – ein Wert auf Vorjahresniveau und in etwa im Einklang mit den Erwartungen von Morningstar-Analyst Jon Mills. Im ersten Halbjahr erzielte Rio Tinto einen Eisenerzpreis von 106 US-Dollar pro Tonne und lag damit leicht über der Ganzjahresprognose von Mills, die bei rund 102 US-Dollar pro Tonne liegt.

Obwohl die Lieferungen im ersten Halbjahr 2024 um 3 Prozent unter dem Vorjahresniveau lagen, hält Rio Tinto an seiner Eisenerz-Jahresprognose fest. Das Unternehmen begründet dies mit saisonalen Faktoren, die im zweiten Halbjahr voraussichtlich zu höheren Verkäufen führen werden. Mills erwartet für das Gesamtjahr 2024 einen Anteil von Rio Tinto an den Pilbara-Eisenerzverkäufen von rund 280 Millionen Tonnen – ein Wert, der dem Vorjahr entspräche.

Auf der Kostenseite rechnet Mills jedoch mit einem Anstieg von 6 Prozent auf 23 US-Dollar pro Tonne, bedingt durch anhaltenden Inflationsdruck. Das belastet die Margen und ist ein Faktor, den Anleger im Blick behalten sollten.

Mittelfristiger Ausblick bleibt herausfordernd

Mittelfristig erwartet Morningstar-Analyst Mills einen erheblichen Rückgang der Gewinne. Hintergrund ist die nachlassende Nachfrage nach vielen Rohstoffen im Zuge des abflauenden China-Booms. Besonders Eisenerz ist davon betroffen, da es überproportional vom chinesischen Boom bei Infrastruktur- und Immobilieninvestitionen profitiert hat. Mit einer Abschwächung dieses Sektors in China dürfte der Preisdruck auf Eisenerz zunehmen.

Neben den wirtschaftlichen Herausforderungen steht Rio Tinto auch vor einer unternehmensinternen Aufgabe: das Vertrauen von Investoren und anderen Interessengruppen zurückzugewinnen. Im Jahr 2020 hatte das Unternehmen durch seine Bergbauaktivitäten die Zerstörung von Höhlen der Aborigines in der Juukan-Schlucht verursacht – ein Vorfall, der weltweit für Empörung sorgte und das Ansehen des Konzerns erheblich beschädigte.

Der aktuelle strategische Fokus von Rio Tinto liegt daher auf einer starken Bilanz, strikter Investitionsdisziplin und der Rückgabe von Kapital an die Aktionäre. Diese konservative Ausrichtung soll Stabilität signalisieren und das Vertrauen der Märkte schrittweise wiederherstellen.

Fazit für Anleger

Für deutsche Privatanleger, die in den Bergbausektor investieren möchten, bietet Rio Tinto zweifellos eine solide Basis: niedrige Kosten, stabile Jurisdiktionen und eine klare Dividendenpolitik. Dennoch weist Morningstar darauf hin, dass sich anderweitig möglicherweise bessere Gelegenheiten bieten könnten – insbesondere angesichts der mittelfristigen Risiken durch den nachlassenden China-Boom und den damit verbundenen Druck auf den Eisenerzpreis. Anleger sollten die Bewertung von Rio Tinto daher sorgfältig im Kontext des gesamten Rohstoffsektors abwägen.

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