Rheinmetall erweitert Standort Unterlüß massiv
Neues Werk soll Europas größte Munitionsfabrik werden und hunderte Arbeitsplätze schaffen

Zwischen Hannover und Hamburg entsteht derzeit das größte Munitionswerk Europas. In Unterlüß, wo Rheinmetall bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts Waffen und Munition testet, nimmt die Serienfertigung von Artilleriegeschossen im neu errichteten Werk Fahrt auf. Der Düsseldorfer Konzern, einer der wichtigsten Lieferanten für die Ukraine, reagiert damit auf die gestiegene Nachfrage nach Munition. Bei der Eröffnung des neuen Werks waren auch Nato-Generalsekretär Mark Rutte, Verteidigungsminister Boris Pistorius und SPD-Chef Lars Klingbeil anwesend.
Rheinmetall plant, die Produktionskapazitäten in Unterlüß deutlich auszuweiten. Noch in diesem Jahr sollen 25.000 Schuss Artilleriemunition des Kalibers 155 Millimeter gefertigt werden. Bis 2027 ist eine Steigerung auf 350.000 Schuss vorgesehen. Inklusive der Fertigung an anderen Standorten will der Konzern bis dahin jährlich 1,5 Millionen Geschosse herstellen. Unternehmenschef Armin Papperger sprach von einem neuen Kapitel in der Geschichte des Standorts.
Das Gelände in Unterlüß umfasst eine Fläche von 60 Quadratkilometern. Bisher existierte dort nur ein kleiner Produktionsbereich für Artilleriemunition, ergänzt durch andere Fertigungslinien wie den Schützenpanzer Puma sowie eine kilometerlange Schießbahn. Mit dem Ausbau gewinnt die Herstellung von Geschossen deutlich an Bedeutung. Neben dem neuen Werk für Artilleriemunition entstehen auch Anlagen zur Produktion von Raketenmotoren und möglicherweise von Gefechtsköpfen. Zudem ist ein Werk für RDX-Sprengstoff geplant, optional ergänzt durch Munitionsladungen.
Für die Erweiterung und Modernisierung investierte Rheinmetall rund 500 Millionen Euro. Der Standort beschäftigt derzeit mehr als 3.000 Menschen. Mit dem Ausbau der Fertigung sollen etwa 500 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Der Konzern betont, dass der Bedarf nach zusätzlichen Produktionskapazitäten durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine weiter zunehme.
Auch international weitet Rheinmetall seine Aktivitäten aus. In Bulgarien ist eine neue Munitionsfabrik mit einem Investitionsvolumen von rund einer Milliarde Euro geplant. Vorstandschef Papperger verwies zudem auf mögliche Projekte in Litauen und Großbritannien sowie in Ländern wie Rumänien, Lettland und der Ukraine. Ziel sei es, die Nato-Staaten und Partner enger in die eigene Rüstungsproduktion einzubinden.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseParallel dazu vertieft Rheinmetall die Zusammenarbeit mit dem US-Konzern Lockheed Martin. Gespräche über eine mögliche Fertigung von Raketenmodellen wie „ATACMS“ und „Hellfire“ laufen bereits. Lockheed-Europachef Dennis Göge erklärte, dass der Ausbau in Unterlüß zusätzliche Spielräume für die gemeinsame Produktion eröffne. Rheinmetall liefert bereits Teile für den F-35-Tarnkappenbomber und will mit Lockheed ein europäisches Kompetenzzentrum für Raketen und Flugkörper aufbauen.


