Preissturz bei E-Autos: Hersteller kämpfen um Marktanteile
Rabattaktionen und Margendruck in der Elektromobilität – Die Zukunft der E-Autos in Europa

Die deutsche Autoindustrie sieht sich mit einem drastischen Preissturz bei Elektroautos konfrontiert, nachdem die staatliche Prämienförderung für E-Fahrzeuge in Deutschland ausgelaufen ist. Als Reaktion darauf haben mehrere Automobilhersteller zu Beginn des Jahres neue Rabattaktionen gestartet oder bestehende Preisnachlässe verlängert.
Volkswagen, Deutschlands größte Automarke, bietet großzügige Rabatte auf ihre ID-Modelle unter dem Namen "Umweltprämie" an. Diese Rabatte können sogar die bisherigen staatlichen Fördersummen übersteigen und belaufen sich beispielsweise für die Modelle ID.4 und ID.5 im Maximalfall auf mehr als 7700 Euro. Das Ziel von VW ist es, nachhaltige Mobilität für eine breite Bevölkerungsschicht zugänglich zu machen, während gleichzeitig die Profitabilität stabil gehalten und der Marktanteil gesichert werden soll.
Experten und Händler prognostizieren, dass Rabatte auf Elektroautos langfristig anhalten könnten und sich ein Preiskampf in Europa ähnlich dem in China abzeichnet. Nach der Ankündigung von VW haben auch andere Volumenhersteller wie Renault und BYD die Listenpreise für bestimmte E-Modelle gesenkt, und diese Rabatte gelten in der Regel in mehreren europäischen Ländern.
Trotz dieser Rabatte erwartet das Center of Automotive Management (CAM) von Autoexperte Stefan Bratzel in Europa kaum noch Wachstum in der Elektromobilität in diesem Jahr. In Deutschland könnte die Anzahl der Neuzulassungen von E-Fahrzeugen laut CAM sogar um 50.000 bis 100.000 Neuzulassungen zurückgehen, nachdem 2023 bereits 524.000 neue Elektroautos auf die Straßen gekommen waren.
"2024 wird ein Übergangsjahr für die Elektromobilität sein", so Stefan Bratzel, Leiter des CAM. Er merkt an, dass technologieaffine Käufer bereits E-Autos erworben haben, aber neue, innovative und vor allem erschwingliche Modelle noch auf sich warten lassen. Zusätzlich ist die Kostenreduktion in der Wertschöpfungskette noch nicht ausreichend fortgeschritten, um ohne entsprechende Rabatte große Mengen von Elektroautos zu verkaufen.
Unter den Herstellern, die hohe Rabatte gewähren, ist die rumänische Renault-Tochter Dacia führend. Das Elektro-SUV "Spring", ohnehin eines der preiswertesten E-Autos in Europa, kostet nach einem Rabatt von 10.000 Euro in der günstigsten Variante derzeit weniger als 13.000 Euro.
Die Abschaffung der staatlichen Förderung für Elektroautos durch die Bundesregierung im Dezember letzten Jahres hat die Automobilkonzerne veranlasst, den staatlichen Anteil der E-Autoförderung zu übernehmen oder die Listenpreise zu senken. Einige Hersteller wie Mercedes, Kia oder Toyota bieten ihren Kunden auch in diesem Jahr noch Ersatz für den gestrichenen Bonus, während andere eigene Rabatte gewähren, die teilweise höher sind als die frühere staatliche Prämie.
Die anhaltenden Rabattschlachten könnten sowohl für Händler als auch für Hersteller wirtschaftlich belastend sein, da jeder Preisnachlass auf die Gewinnmarge drückt. In der Vergangenheit konnten die Hersteller ihre E-Fahrzeuge trotz langer Wartezeiten während der Pandemie ohne erhebliche Preisnachlässe verkaufen, doch nun drohen die steigenden Preise für Batterierohstoffe, wie Audi-Chef Gernot Döllner bemerkt.
Die Preise für Elektroautos sind aufgrund der sinkenden Nachfrage bei Privatkunden bereits gesunken. Ein Beispiel ist Europas größter Autobauer, Volkswagen, der in den letzten Monaten Schichten in seiner E-Produktion in Zwickau und Emden streichen musste, da die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen fehlte.
Die Hersteller stehen vor einem Dilemma: Entweder droht den ohnehin schon schwach ausgelasteten Werken weitere Arbeit zu fehlen, oder die Unternehmen verlieren an Gewinnmarge. Besonders für Massenhersteller wie VW oder Stellantis, die Sparprogramme zur Steigerung der Rendite eingeführt haben, könnte die Erreichung ihrer Ziele schwieriger werden, abhängig davon, wie lange die Rabattschlachten anhalten.
BMW, ein Münchener Premiumhersteller, hat sich das Ziel gesetzt, 2024 mehr als 500.000 Elektroautos zu verkaufen. Dennoch fällt es auch BMW schwer, wie der schwache Start des Topmodels i7 zeigt. Der Finanzvorstand von BMW, Walter Mertl, erklärt, dass sie zwar Geld verdienen, aber die Margengleichheit noch nicht erreicht haben. Diese Situation wird sich voraussichtlich auch in den nächsten Jahren nicht ändern.
Die steigende Konkurrenz erhöht den Druck auf die Verkaufspreise, obwohl die Nachfrage nach Elektroautos nach wie vor vorhanden ist. In Europa verschärft sich dieser Druck weiter, da spätestens 2035 keine Verbrennungsmotoren mehr verkauft werden dürfen und EU-Vorgaben zu CO2-Flottengrenzwerten ab 2025 höhere Elektroabsatzzahlen erfordern.
Die Zukunft der Elektromobilität in Europa wird stark von der Entwicklung der Preise und der Verfügbarkeit günstigerer Modelle abhängen. Einige Hersteller, darunter Citroën und Renault, haben bereits elektrische Kleinwagen für unter 25.000 Euro angekündigt, während andere Hersteller, wie BMW, nach Möglichkeiten suchen, die Produktionskosten zu senken. Trotz der Herausforderungen bleibt die Elektromobilität eine wichtige Säule in der Zukunft der Automobilindustrie.
