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Pentagon setzt auf eVTOL: Archer Aviation überholt Joby im Rüstungswettlauf

Das US-Verteidigungsministerium verschiebt seine Prioritäten bei eVTOL-Flugzeugen – und Archer Aviation scheint davon stärker zu profitieren als Joby.

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Pentagon setzt auf eVTOL: Archer Aviation überholt Joby im Rüstungswettlauf

Das Pentagon hat elektrische Senkrechtstarter und -landegeräte (eVTOL) über Jahre hinweg getestet. Zwei Unternehmen profitierten davon besonders: Archer Aviation (ACHR, minus 1,75 Prozent) und Joby Aviation (JOBY, plus 0,32 Prozent). Wer heute nach der eVTOL-Aktie mit dem stärkeren Verteidigungspotenzial sucht, landet laut einer Analyse des US-Finanzportals The Motley Fool bei Archer.

Der Grund liegt in einem Strategiewechsel des Verteidigungsministeriums. Das Pentagon verschiebt seine Prioritäten hin zu Hybridantrieben, autonomer Flugtechnologie, größerer Reichweite und unbemannten Militärluftfahrzeugen. Archer hat seine Verteidigungsstrategie bereits auf diesen Wandel ausgerichtet, während Joby auf die veränderten Vorgaben reagieren muss.

Beide Unternehmen verfügen über bestehende Verträge mit der US-Luftwaffe. Archer erhielt einen Vertrag im Rahmen des Agility-Prime-Programms mit einem Wert von bis zu 142 Millionen Dollar. Jobys Luftwaffenvertrag erreichte ein potenzielles Volumen von 131 Millionen Dollar.

Die Details

Archer lieferte sein erstes Midnight-Flugzeug im Jahr 2024 an die Luftwaffe aus. Vorausgegangen war eine militärische Fluggenehmigung des Verteidigungsministeriums. Die Streitkräfte haben Midnight für Missionen evaluiert, darunter Personentransport, Logistik, medizinische Evakuierung sowie Aufklärung und Überwachung.

Joby hat ebenfalls beträchtliche Verteidigungsaufträge erhalten. Der Vertrag mit der Luftwaffe sah Pläne vor, bis zu neun Flugzeuge bereitzustellen. Das Unternehmen betrieb Flugzeuge am Edwards Air Force Base und arbeitet weiterhin mit der Luftwaffe an autonomer Flugtechnologie.

Joby gab jedoch bekannt, dass das Verteidigungsministerium das Agility-Prime-Programm im Jahr 2025 hin zu Hybridflugzeugen und autonomen Flugtechnologien verschob und den Umfang von Jobys bestehendem Vertrag reduzierte. Joby reagiert darauf mit der Entwicklung autonomer Fähigkeiten und strebt zusätzliche Regierungsverträge an, darunter Arbeiten mit L3Harris.

Zudem stimmte Joby der Übernahme des Verteidigungsausrüsters Resonant Sciences für etwa 500 Millionen Dollar zu. Resonant ist bereits in aktive nationale Sicherheitsprogramme eingebunden und bringt Expertise in fortschrittlicher Sensorik, elektronischer Kriegsführung, Kommunikation, autonomen Systemen und Technologie für Flugzeuge mit geringer Beobachtbarkeit mit. In den vorangegangenen zwölf Monaten erzielte das Unternehmen Einnahmen von mehr als 100 Millionen Dollar. Nach Abschluss der Akquisition wird Resonant zur dedizierten Verteidigungssparte von Joby.

Archer setzt dagegen auf eine Partnerschaft mit der Verteidigungstechnologiefirma Anduril. Gemeinsam entwickeln die Unternehmen eine neue autonome hybrid-elektrische VTOL-Plattform. Im Juli stellten sie Thunder vor, ein autonomes Flugzeug der Kategorie 5, das speziell für militärische Missionen konzipiert wurde. Im Gegensatz zu Archers rein elektrischem Midnight-Lufttaxi nutzt Thunder einen hybrid-elektrischen Antriebsstrang, um eine größere Reichweite und Ausdauer zu bieten. Es ist ebenfalls autonom und so konstruiert, dass es je nach Mission konfigurierbare Nutzlasten transportieren kann.

Im August kündigte Archer einen Deal zum Kauf der Geschäftsbereiche Insitu, Wisk Aero und SkyGrid von Boeing an. Allein Insitu erzielt jährliche Einnahmen von mehr als 200 Millionen Dollar. Die drei Geschäftsbereiche würden Archers Fähigkeiten in den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Verteidigung und autonome Flugtechnologie erheblich erweitern.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 11.08.2026 berichtete aktien.news, dass Joby Aviation das Verteidigungstechnologie-Unternehmen Resonant Sciences für rund 500 Millionen Dollar übernimmt. Das in Santa Cruz, Kalifornien, ansässige Unternehmen finanziert die Transaktion gemischt: rund 450 Millionen Dollar in bar sowie weitere 50 Millionen Dollar in Form von Stammaktien. Der Abschluss der Transaktion wurde für die erste Hälfte des Jahres 2027 erwartet. Resonant Sciences ist in Ohio ansässig.

Am 13.08.2026 meldete aktien.news einen Kursanstieg von Archer Aviation um rund 50 Prozent innerhalb eines Monats, von rund 4,50 US-Dollar auf knapp 7 US-Dollar. Auslöser war die Vereinbarung mit Boeing, im Rahmen derer Boeing die drei Tochtergesellschaften Wisk, Skygrid und Insitu an Archer überträgt. Im Gegenzug erhält Boeing 20 Prozent der ausstehenden Stammaktien.

Am 20.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Archer-Aktie bei rund fünf US-Dollar notiert – ein deutlicher Rückgang vom 52-Wochen-Hoch bei 14,62 US-Dollar. Wer zum Höchststand 5.000 US-Dollar investiert hätte, sähe heute nur noch ein Vermögen von etwa 1.837 US-Dollar. Bereits am 26.05.2026 hatte aktien.news darauf hingewiesen, dass Archer seit dem Börsengang im Jahr 2021 rund 38 Prozent seines Wertes verloren hat und die Aktie damals bei etwa 6 US-Dollar notierte – ein Rückgang von rund 25 Prozent allein im bisherigen Jahr 2026. Das Flaggschiff-Modell Midnight soll vier Passagiere transportieren, mit einer Akkuladung rund 100 Meilen zurücklegen und Geschwindigkeiten von bis zu 150 Meilen pro Stunde erreichen.

Was das für Anleger bedeutet

Die Analyse macht deutlich, dass der 142-Millionen-Dollar-Luftwaffenvertrag von Archer einen maximalen Potenzialwert darstellt und keine garantierten Einnahmen sind. Thunder ist zudem eine neue Plattform, die sich erst bewähren muss. Auch Joby sollte nicht vom Tisch geschrieben werden: Seine Beziehung zum Militär reicht Jahre zurück, und seine autonome Technologie könnte weitere Verteidigungsaufträge generieren.

Für deutsche Privatanleger ist wichtig, dass beide Unternehmen weiterhin hohe Investitionen in Fertigung, Infrastruktur und Zertifizierungsprozesse stemmen müssen. Die Aktien reagieren stark auf Ankündigungen – wie der Boeing-Deal zeigt, der Archer im August 2026 innerhalb eines Monats um rund 50 Prozent steigen ließ. Solche Bewegungen sagen nichts über den operativen Fortschritt aus.

Der entscheidende Punkt ist die Ausrichtung an den Pentagon-Prioritäten: Autonomie, Hybridantrieb, längere Reichweite und unbemannte Militärluftfahrzeuge. Archer passt der Analyse zufolge derzeit besser zu dieser Richtung und hat damit den Vorsprung im Wettlauf um Verteidigungsgelder. Das ist eine Einordnung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.

Ausblick

Bei Joby steht der Abschluss der Resonant-Sciences-Übernahme aus, der laut früherem Bericht für die erste Hälfte des Jahres 2027 erwartet wurde. Nach Abschluss soll Resonant zur dedizierten Verteidigungssparte werden und mit Jobys Hybridflugzeugen und autonomer Flugtechnologie kombiniert werden. Joby will zudem zusätzliche Regierungsverträge gewinnen und arbeitet mit L3Harris zusammen.

Bei Archer steht die Bewährung von Thunder aus. Die Plattform muss sich erst noch beweisen. Der Boeing-Deal um Insitu, Wisk Aero und SkyGrid ist angekündigt, aber noch nicht abgeschlossen. Wie sich die Pentagon-Ausgaben tatsächlich entwickeln, bleibt der zentrale Faktor für beide Unternehmen.

Kurz erklärt

  • eVTOL: Elektrische Flugzeuge, die senkrecht starten und landen können und als Lufttaxis oder Militärflugzeuge entwickelt werden.
  • Agility Prime: Ein Programm der US-Luftwaffe zur Erprobung und Förderung elektrischer Senkrechtstarter.
  • Hybrid-elektrischer Antriebsstrang: Antrieb, der Elektromotor und Verbrennungsmotor kombiniert, um Reichweite und Ausdauer zu erhöhen.
  • Autonomes Flugzeug: Luftfahrzeug, das ohne Piloten fliegt und Missionen selbstständig ausführt.
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