Palantir vs. ServiceNow: Welche KI-Aktie ist der bessere Kauf?
Palantir wird mit dem 42-Fachen des Umsatzes bewertet, ServiceNow nur mit dem 6-Fachen – doch die günstigere Aktie ist nicht automatisch die bessere Wahl.

Wer zwei Softwareaktien allein anhand ihrer Bewertungskennzahlen vergleicht, könnte zu einem falschen Schluss kommen. Palantir Technologies (PLTR) wird derzeit mit einem Forward-Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von 42 gehandelt – ServiceNow (NOW) hingegen nur mit dem 6-Fachen der erwarteten Umsätze. Auf den ersten Blick wirkt ServiceNow damit wie das deutlich attraktivere Investment. Doch die reinen Zahlen erzählen nicht die ganze Geschichte.
Beide Unternehmen setzen auf künstliche Intelligenz als zentrales Wachstumselement. Palantir hilft Unternehmen und Regierungsbehörden, riesige Datenmengen zu analysieren und daraus umsetzbare Erkenntnisse zu gewinnen. ServiceNow nutzt KI, um seinen Kunden bei der Verwaltung von Personalwesen, Kundenservice und Geschäftsprozessen zu helfen. Trotz ähnlicher Ausrichtung unterscheiden sich die Wachstumsdynamiken der beiden Unternehmen erheblich.
Palantir: Explosives Wachstum auf breiter Front
Palantir ist ein bedeutender staatlicher Auftragnehmer und betreibt Plattformen, die Datenpunkte aus zahlreichen Systemen bündeln und Muster erkennen können. Das Unternehmen liefert Geheimdiensten und Militärkommandeuren Echtzeit-Analysen und umsetzbare Erkenntnisse. Das US-Verteidigungsministerium (Pentagon) fordert 2,3 Milliarden US-Dollar, um die Nutzung von Palantirs Maven Smart System auszuweiten – einer KI-gestützten Plattform für Targeting und Schlachtfeldanalyse. Geplant ist zudem, Maven als offizielles „Program of Record" einzustufen, was die langfristige Finanzierung sichern würde.
Darüber hinaus nutzen zahlreiche weitere US-Behörden die Plattform, darunter die Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE), das Außenministerium, das Heimatschutzministerium und die Steuerbehörde (IRS). Der Umsatz aus US-Regierungsverträgen belief sich im ersten Quartal 2026 auf 687 Millionen US-Dollar – ein Plus von 84 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Noch beeindruckender wächst das kommerzielle Geschäft. Palantirs US-Gewerbeumsatz stieg im ersten Quartal auf 595 Millionen US-Dollar, was einem Anstieg von 133 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. In diesem Quartal schloss das Unternehmen 206 Verträge im Wert von mehr als einer Million US-Dollar ab, davon 47 mit einem Wert von über 10 Millionen US-Dollar. Der gesamte Auftragswert im ersten Quartal betrug 4,262 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg von 138 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Für das zweite Quartal erwartet Palantir einen Umsatz zwischen 1,797 und 1,801 Milliarden US-Dollar. Die Jahresprognose wurde von einer Spanne zwischen 7,182 und 7,198 Milliarden auf 7,650 bis 7,662 Milliarden US-Dollar angehoben – und es könnte nicht das letzte Mal in diesem Jahr sein, dass Palantir seine Prognose nach oben korrigiert.
ServiceNow: Solides Wachstum mit temporären Gegenwind
ServiceNow ist ein etabliertes Software-as-a-Service-Unternehmen (SaaS) mit Fokus auf IT-Servicemanagement, Kundenservice und Personalwesen. Die KI-Plattform des Unternehmens ist als Komplettlösung konzipiert, die Daten sammeln, analysieren und auf Basis dieser Erkenntnisse eigenständig agieren kann.
Das Unternehmen hat zuletzt seine Reichweite durch mehrere Übernahmen ausgebaut: MoveWorks (agentenbasierte KI-Plattform), Veza (Cybersicherheit und Identitätssicherheit) sowie Pyramid Analytics (KI- und Sprachverarbeitungsfähigkeiten). Der Umsatz im ersten Quartal belief sich auf 3,77 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Nettogewinn betrug 469 Millionen US-Dollar bzw. 0,45 US-Dollar je Aktie.
Allerdings verlangsamte sich das Wachstum der Abonnementerlöse im Quartal, da sich mehrere Abschlüsse mit Kunden im Nahen Osten aufgrund anhaltender militärischer Konflikte verzögerten. Für das zweite Quartal prognostiziert ServiceNow ein Wachstum der Abonnementerlöse von 22,5 Prozent auf eine Spanne von 3,815 bis 3,820 Milliarden US-Dollar.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseFazit: Warum Palantirs Aufschlag gerechtfertigt sein könnte
Beide Unternehmen befinden sich zweifellos auf Wachstumskurs. Der geopolitische Gegenwind bei ServiceNow dürfte kein dauerhaftes Problem darstellen. Doch das Wachstumstempo von Palantir ist mit dem von ServiceNow kaum zu vergleichen. Während ServiceNow solide zweistellige Wachstumsraten liefert, wächst Palantir in zentralen Segmenten dreistellig – und schließt im Durchschnitt jeden Tag Millionenverträge ab.
Für Anleger bedeutet das: Ein hohes KUV allein ist kein Argument gegen eine Aktie. Entscheidend ist, ob das Wachstum die Bewertung rechtfertigt. Im Fall von Palantir sprechen die aktuellen Zahlen eine deutliche Sprache.


