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One Group setzt Zinszahlungen aus

Hintergründe und Auswirkungen der Entscheidung auf Anleger und den Immobilienmarkt

One Group setzt Zinszahlungen aus

Das renommierte Hamburger Investmenthaus, die One Group, hat angekündigt, vorerst die Zinszahlungen für rund 11.000 Anleger auszusetzen. Diese Maßnahme betrifft vier Emissionen im Gesamtwert von etwa 410 Millionen Euro, wie das Unternehmen dem Handelsblatt bestätigte. Die betroffenen Anleger werden die vereinbarten Zinsen für das vierte Quartal 2023 im Januar nicht erhalten, jedoch versichert die One Group, dass diese Zahlungen zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden sollen.

Konkret handelt es sich bei den betroffenen Emissionen um die ProReal-Serie, die Wohnungsbauprojekte in deutschen und österreichischen Metropolen finanziert. Die Geschäftsführer der One Group, Malte Thies und Oliver Quentin, informierten am Donnerstag den Vertrieb über die vorübergehende Zinsstundung der Produkte Deutschland 7 und 8 sowie Europa 9 und 10. Gleichzeitig gaben sie bekannt, dass die Gruppe vorerst keine weiteren Zeichnungen für fünf Produkte der Serie akzeptieren werde.

Die One Group hat angekündigt, eine umfassende Risikoanalyse ihres Portfolios durchzuführen, um in Anbetracht der aktuellen Marktlage ihrer Sorgfaltspflicht nachzukommen. Bis zum ersten Quartal 2024 sollen vorzeitige Veräußerungen von Immobilien und Optionen zur Steigerung der Liquidität geprüft werden, um die Handlungsfähigkeit in dieser Phase des Marktes sicherzustellen.

Die Ankündigung der Zinsaussetzung wurde erstmals von Stefan Loipfinger, einem Finanzjournalisten aus Rosenheim, der das Investmentcheck-Forum für Anleger betreibt, veröffentlicht. Seine Kommentare deuten darauf hin, dass die Lage ernst zu sein scheint und solche Maßnahmen nicht einfach aus Vorsicht getroffen werden.

Die One Group ist seit 2020 eine hundertprozentige Tochter des österreichischen Baukonzerns Soravia, der in Wien im 135 Meter hohen Austria Tower ansässig ist. Soravia, ein traditionsreiches Unternehmen mit einer Geschichte von 140 Jahren, entwickelt derzeit Projekte im Wert von fast fünf Milliarden Euro und beschäftigt mehr als 4.000 Mitarbeiter.

Die One Group bietet Vermögensanlagen in Form von nachrangigen Namensschuldverschreibungen über Emissionsfirmen an und investiert die eingeworbenen Gelder in mehr als 40 Soravia-Projekte. Die Zinsen für diese Anlagen lagen in den vergangenen Jahren in der Regel bei etwa sechs Prozent.

Auf die Frage nach der finanziellen Situation der One Group antwortete Soravia für den Gesamtkonzern. Das Ergebnis vor Steuern betrug im Jahr 2022 31 Millionen Euro, und für das laufende Jahr erwartet das Management zwar keine Wachstumsraten, aber weiterhin solide positive Ergebnisse. Die Zinsaussetzung wird als Vorsichtsmaßnahme erklärt, um ausreichende Liquidität für die betroffenen Projekte sicherzustellen.

Die One Group hatte in der Vergangenheit erfolgreich Kapital für innovative Investmentprodukte eingeworben, insbesondere für die ProReal-Produkte, die über 950 Millionen Euro eingebracht hatten. Sieben Emissionen wurden bereits vollständig zurückgezahlt. Die aktuellen Entwicklungen stellen jedoch eine Herausforderung dar, und die Geschäftsführung zeigt sich besorgt über den Vertrauensverlust und die nachhaltigen Auswirkungen auf das Unternehmen.

Die One Group und Soravia arbeiten derzeit daran, die vorhandene Liquidität zur Stabilisierung und Fortführung der Bauprojekte zu nutzen, um sie zum optimalen Zeitpunkt zu verwerten. Um absolute Transparenz zu gewährleisten, wird die Soravia ihr Vorgehen von renommierten Beratungsunternehmen überprüfen lassen, während die One Group externe Plausibilisierungen der Prüfergebnisse ankündigt. Die Anleger sollen im Januar über die Situation informiert werden, was sicherstellen soll, dass die Nachrichten vor Weihnachten nicht die Gemüter trüben.

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