Ölpreise steigen über 98 Dollar nach neuen US-Angriffen im Iran
US-Angriffe im Süden Irans und gedämpfte Hoffnungen auf ein baldiges Friedensabkommen treiben die Ölpreise deutlich nach oben.

US-Streitkräfte haben Angriffe im Süden Irans durchgeführt, die Washington als Verteidigungsmaßnahme bezeichnete. Die Eskalation trifft auf einen sensiblen diplomatischen Moment: Irans Chefunterhändler und Außenminister befanden sich zeitgleich in Doha, um mit dem katarischen Premierminister über ein mögliches Abkommen mit Washington zu beraten. Der drei Monate alte Konflikt zeigt damit weiterhin keine klaren Anzeichen einer baldigen Lösung.
US-Außenminister Marco Rubio dämpfte die Erwartungen zusätzlich, indem er erklärte, die Aushandlung eines Abkommens mit dem Iran könnte „einige Tage dauern". Diese Aussage ließ Hoffnungen auf ein schnelles Ende des Konflikts schwinden und sorgte an den Rohstoffmärkten für unmittelbare Reaktionen.
Ölpreise springen deutlich an
Die Brent-Futures reagierten im asiatischen Handel mit einem Anstieg von mehr als 2 Prozent auf 98,21 Dollar pro Barrel. Die US-Rohölsorte West Texas Intermediate (WTI) notierte leicht über dem letzten Handelspreis vom Montag, lag jedoch 4,9 Prozent unter dem Schlusskurs vom Freitag. Am Montag hatte aufgrund des US-Feiertags Memorial Day keine offizielle Abrechnung stattgefunden.
Joseph Capurso, Stratege bei der Commonwealth Bank of Australia, äußerte sich skeptisch gegenüber einem schnellen Durchbruch: „Ich bin etwas skeptisch. Uns wird immer wieder gesagt, dass ein Deal kurz bevorsteht, aber wie sieht dieser Deal aus? Das ist das entscheidende Element. Wann wird die Straße von Hormus geöffnet? Es gibt vieles, was wir nicht wissen." Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den globalen Ölhandel und gilt als neuralgischer Punkt des Konflikts.
Capurso warnte zudem vor den wirtschaftlichen Folgen eines anhaltenden Krieges: „Der Markt möchte glauben, dass alles bald vorbei ist, denn ein Fortbestehen des Krieges ist sehr schlecht für die Weltwirtschaft. Die Weltwirtschaft verfügte über Puffer durch den Abbau von Lagerbeständen, aber man kann die Bestände nicht ewig weiter abbauen."
Aktienmärkte zeigen uneinheitliches Bild
An den globalen Aktienmärkten herrschte Uneinigkeit. Der MSCI-Index für asiatisch-pazifische Aktien außerhalb Japans legte um 0,67 Prozent zu, während der japanische Nikkei 0,14 Prozent verlor. In Hongkong stieg der Hang Seng Index um 0,5 Prozent, gestützt durch Gewinne im Halbleitersektor, die die Nervosität wegen des harten Vorgehens Pekings gegen illegalen grenzüberschreitenden Handel überlagerten. Der chinesische Blue-Chip-Index CSI300 auf dem Festland gab hingegen um 0,3 Prozent nach.
Für europäische Anleger relevant: Die DAX-Futures verloren 0,26 Prozent, die EUROSTOXX-50-Futures gaben um 0,16 Prozent nach. Die FTSE-Futures legten dagegen um 0,2 Prozent zu. In den USA notierten die Nasdaq-Futures 0,86 Prozent höher, die S&P-500-Futures stiegen um 0,66 Prozent.
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Zur AktienanalyseUS-Dollar gefragt als sicherer Hafen
Am Devisenmarkt stabilisierte sich der US-Dollar am Dienstag aufgrund erneuter Nachfrage nach sicheren Anlagen. Er blieb jedoch ein Stück von seinem in der Vorwoche erreichten Sechswochenhoch entfernt. Der Euro fiel um 0,1 Prozent auf 1,1633 Dollar, das britische Pfund Sterling verlor 0,13 Prozent auf 1,3488 Dollar.
Die Entwicklungen verdeutlichen, wie stark geopolitische Spannungen im Nahen Osten die globalen Finanzmärkte beeinflussen. Solange keine klare Perspektive für ein Friedensabkommen besteht, dürften Ölpreise und Risikoaversion an den Märkten erhöht bleiben.


