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Nobelpreisträger Michael Kremer wird Chefökonom der Weltbank

Ajay Banga ernennt den Entwicklungsökonomen zum neuen Chefökonomen ab Oktober 2026.

• 3 Min
Nobelpreisträger Michael Kremer wird Chefökonom der Weltbank

Die Weltbankgruppe hat offiziell die Ernennung des Nobelpreisträgers Michael Kremer zum neuen Chefökonomen und Senior Vice President für Entwicklungsökonomie bekannt gegeben. Die Bestätigung erfolgte durch Weltbank-Präsident Ajay Banga. Kremer wird sein Amt am 1. Oktober 2026 antreten und folgt auf Indermit Gill, der vergangenen Monat in den Ruhestand getreten ist.

Der 61-jährige Kremer ist University Professor und Direktor des Development Innovation Lab an der University of Chicago. Seine Ernennung markiert einen historischen Meilenstein für die Institution: Er ist der erste Wirtschaftswissenschaftler, der bereits mit einem Nobelpreis ausgezeichnet zur Weltbank kommt. Frühere prominente Chefökonomen wie Joseph Stiglitz und Paul Romer erhielten die Auszeichnung erst nach ihrer Tätigkeit bei der Bank.

Ein Signal für evidenzbasierte Entwicklungspolitik

Die Berufung signalisiert eine strategische Neuausrichtung hin zu evidenzbasierten, skalierbaren Entwicklungslösungen – ein Kernanliegen der Administration von Präsident Banga seit seinem Amtsantritt im Jahr 2023. "Michael hat seine Karriere nicht nur damit verbracht, herauszufinden, was in der Entwicklung funktioniert, sondern es auch im großen Maßstab zu beweisen – und genau diese Denkweise brauchen wir", erklärte Banga.

Er betonte, dass Kremers Ankunft zu einem kritischen Zeitpunkt erfolge, da die globale Gemeinschaft nach mutigen Lösungen für drängende Herausforderungen suche. Insbesondere gehe es darum, Arbeitsplätze für mehr als 1,2 Milliarden junge Menschen zu schaffen, die im nächsten Jahrzehnt in den Arbeitsmarkt eintreten werden.

Kremer erhielt 2019 gemeinsam mit Abhijit Banerjee und Esther Duflo den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften für ihren bahnbrechenden experimentellen Ansatz zur Linderung der globalen Armut. Sein akademischer Hintergrund umfasst einen PhD von der Harvard University und ein langjähriges Engagement für rigorose, forschungsgestützte Politik. Seine Arbeit nutzt konsequent randomisierte kontrollierte Studien, um Lösungen in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Wasser, Finanzen und Landwirtschaft in Entwicklungsländern zu testen und zu skalieren.

Praktische Erfolge in der Entwicklungszusammenarbeit

Seine Erfolgsbilanz in der praktischen Entwicklungsarbeit ist beachtlich. Gemeinsam mit seiner Frau, der Ökonomin Rachel Glennerster, entwickelte Kremer die sogenannten Advance Market Commitments (AMCs). Dieser Mechanismus schafft verbindliche Verträge, um Pharmaunternehmen zur Produktion von Medikamenten für einkommensschwache Länder zu bewegen. Erfolgreich umgesetzt wurde ein 1,5 Milliarden US-Dollar schwerer AMC für einen Pneumokokken-Impfstoff, der seitdem in 60 Entwicklungsländern eingesetzt wird.

Darüber hinaus führte seine Forschung zur Entwurmung von Schulkindern zu staatlich geförderten Ausweitungen in Afrika und Südasien, die seit 2014 die Auslieferung von zwei Milliarden Behandlungen ermöglichten. Kremer ist zudem Mitbegründer von Precision Development, einer Organisation, die digitale Technologie und KI-basierte Wettervorhersagen nutzt, um die Produktivität und Einkommen von Kleinbauern zu steigern.

Herausforderungen in einem volatilen globalen Umfeld

Kremer übernimmt sein Amt in einer Phase erheblicher globaler wirtschaftlicher Volatilität. Entwicklungsländer kämpfen derzeit mit dem doppelten Druck steigender Zinsen und erhöhter Energiepreise, verschärft durch die geopolitischen Folgen des US-Krieges gegen den Iran. Diese Herausforderungen werden durch einen Rekordrückgang der öffentlichen Entwicklungshilfe um 23 Prozent im Jahr 2025 noch verstärkt.

In seiner Stellungnahme zeigte sich Kremer optimistisch hinsichtlich des Potenzials der Bank, diese systemischen Probleme anzugehen. "Die Weltbankgruppe verfügt über enorme Forschungskapazitäten, um innovative Lösungen für Entwicklungsprobleme zu entwickeln und zu testen – und über die operative Reichweite, um sie zu skalieren und das Leben der Menschen zu verbessern", sagte er. Er betonte, dass die Welt zwar vor enormen Herausforderungen stehe, aber neue Technologien bedeutende Chancen zur Wachstumsförderung böten.

Ausblick und erste Schritte

Kremers Philosophie deckt sich eng mit den von Präsident Banga vorangetriebenen Reformen, insbesondere dem Schwerpunkt auf die Finanzierung innovativer Pilotprojekte und die Förderung der Forschung zu neuen Technologien. In einer Grundsatzrede im Jahr 2024 bei einer Weltbank-Veranstaltung sprach Kremer über "Die große Inkohärenz: Wachstum und menschliche Entwicklung in einer Ära der Stagnation" und plädierte für Strukturreformen, um Ländern bei der Erreichung ambitionierter Entwicklungsziele zu helfen.

Seine unmittelbare Priorität werden die bevorstehenden Jahrestagungen von Weltbank und Internationalem Währungsfonds in Bangkok, Thailand, sein. Dort wird er beginnen, seinen forschungsintensiven Ansatz in die breitere operative Strategie der Bank zu integrieren.

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