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Neue Strategie soll Bahn aus der Krise führen

Minister Schnieder setzt auf Kundenorientierung, Sanierungen und engere Steuerung durch den Bund

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Neue Strategie soll Bahn aus der Krise führen

Die Deutsche Bahn steckt tief in der Krise. Unpünktliche Züge, marode Stellwerke und ein überlastetes Schienennetz prägen das Bild des Konzerns, während Millionen Fahrgäste tagtäglich unter Verspätungen und Zugausfällen leiden. Nun soll ein Wechsel an der Spitze sowie eine neue Strategie des Bundesverkehrsministers Patrick Schnieder (CDU) den Kurs ändern. Richard Lutz wird den Vorstandsvorsitz nur übergangsweise behalten, bis eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger bestimmt ist.

Schnieder will am 22. September seine Reformpläne vorstellen. Der Titel „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene“ lässt erkennen, wohin die Reise gehen soll: Der Fahrgast soll künftig stärker in den Mittelpunkt rücken. In den ARD-„Tagesthemen“ hatte der Minister betont, die Bahn müsse für die Menschen da sein – und nicht umgekehrt. Sauberkeit, Sicherheit und vor allem Pünktlichkeit nannte er als Ziele, auch wenn eine kurzfristige Verbesserung kaum realistisch erscheint.

Die Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Probleme: Im Juli 2025 war lediglich gut die Hälfte der Fernzüge pünktlich. Als schnelle Lösung wird immer wieder diskutiert, die Zahl der Züge zu reduzieren, um Knotenpunkte zu entlasten. Während Branchenvertreter wie Dirk Flege von der Allianz pro Schiene dies als Kapitulation werten, schloss Schnieder ein solches Vorgehen nicht explizit aus. Wichtig sei, dass Netz und Betrieb stabiler werden, sagte er im ZDF.

Eine entscheidende Rolle spielt die Infrastruktur. Das Schienennetz gilt als Hauptursache für Verspätungen, besonders auf hochbelasteten Strecken. Hier sollen in den kommenden Jahren grundlegende Sanierungen erfolgen. Die Verantwortung liegt bei der 2024 gegründeten Infrastruktursparte InfraGo. Doch in der Branche herrscht Skepsis, ob diese Einheit unabhängig genug agieren kann oder ob wirtschaftliche Interessen des Konzerns zu stark hineinwirken.

Klarere Zuständigkeiten und eine stärkere Steuerung durch den Bund gelten als Schlüssel für Verbesserungen. Vertreter der Güter- und Schienenverbände fordern, dass Infrastrukturmaßnahmen nicht länger von finanziellen Eigenanteilen der Bahn abhängen. Vielmehr müsse der Bund klar entscheiden, was er umsetzen will, und die Vorhaben vollständig finanzieren. Auch die Idee eines neuen Bundesamtes für Schieneninfrastruktur nach Schweizer Vorbild steht im Raum, da bestehende Behörden wie das Eisenbahn-Bundesamt nicht über ausreichende Kompetenzen verfügen.

Ein Blick in die Schweiz zeigt, was möglich ist: Klare Zuständigkeiten, eine verlässliche Finanzierung und langfristige Strategien haben das Land zum Vorzeigemodell gemacht. Dort lag die Pünktlichkeit im Fernverkehr 2024 bei über 91 Prozent, während die Deutsche Bahn lediglich 62,5 Prozent erreichte. Doch selbst mit zusätzlichen Mitteln aus dem Sondervermögen der Bundesregierung wird es Jahre dauern, bis die Sanierung des Netzes Wirkung zeigt. Der aktuelle Netzzustandsbericht von InfraGo vergab für die gesamte Infrastruktur nur die Note 3,0, besonders schlecht schnitten alte Stellwerke mit der Note 4,12 ab.

Deutsche BahnInfrastruktur VerbraucherDienstleistungenMobilität

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