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Neue ETF-Strategien könnten bei Markteinbrüchen gefährlich werden

Experten warnen: Komplexe ETF-Innovationen mit Private Credit und Derivaten könnten bei starken Kurseinbrüchen Liquiditätsprobleme verursachen.

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Neue ETF-Strategien könnten bei Markteinbrüchen gefährlich werden

Neue Innovationen in der ETF-Branche könnten Anleger in Extremsituationen teuer zu stehen kommen. Laut Jamie Harrison von MFS Investment Management bewegen sich ETFs, die in zunehmend komplexe Derivate und weniger transparente Märkte investieren, bei heftigen Markteinbrüchen auf unbekanntem Terrain. Der Leiter des Bereichs ETF Capital Markets äußerte sich diese Woche gegenüber „ETF Edge" von CNBC und mahnte Anleger zur Vorsicht.

„Das sind Aspekte, die man bei zunehmender Volatilität im Auge behalten sollte", erklärte Harrison. „Da die Innovationen innerhalb der ETF-Struktur in rasantem Tempo zunehmen, raten wir unseren Kunden definitiv dazu, hier proaktiv zu agieren. Mangelnde Transparenz könnte absolut zum Problem werden, wenn wir tiefgreifende Abverkäufe erleben."

MFS Investment Management ist kein unbeschriebenes Blatt in der Finanzwelt: Das Unternehmen besteht seit 1924 und gilt als Erfinder des offenen Investmentfonds. Im vergangenen Jahr wurde MFS Investment Management von ETF.com als bester neuer ETF-Emittent ausgezeichnet – ein Zeichen dafür, dass auch etablierte Häuser zunehmend auf das ETF-Format setzen.

Liquidität als zentrales Risiko

Harrison identifiziert die Liquidität als das eigentliche Kernproblem – insbesondere während eines starken Abverkaufs. Er empfiehlt Anlegern, eine gründliche Due-Diligence-Prüfung des Portfolios durchzuführen. „Ein Unternehmen zu haben, das über tiefe Partnerschaften und einen breiten Stab an Fachexperten verfügt und in Bezug auf die Wall Street und die verfügbaren Liquiditätsanbieter in der ersten Liga spielt, ist von entscheidender Bedeutung", betonte er.

Besonders kritisch sieht Harrison die Entwicklung rund um Private-Credit-ETFs. „Wir alle haben die Nachrichten und Schlagzeilen über potenzielle Private-Credit-ETFs gesehen. Da wird das Bild deutlich trüber", sagte er. Private Credit bezeichnet Unternehmenskredite, die nicht über öffentliche Märkte, sondern direkt zwischen Kreditgeber und Kreditnehmer vergeben werden – und damit naturgemäß weniger liquide sind als börsengehandelte Wertpapiere.

Harrison formulierte konkrete Fragen, die Anleger ihren ETF-Anbietern stellen sollten: Wie verhält sich der ETF bei einem Drawdown von 20 Prozent? Wie funktioniert die Liquiditätsfazilität? Ist ein Ein- und Ausstieg möglich, und wenn ja, zu einem Preis nahe am Nettoinventarwert (NAV)? Welche interne Infrastruktur steht zur Verfügung, um diese Aspekte zu managen?

Auch Equity-Linked Notes im Fokus

Christian Magoon, CEO von Amplify ETFs, teilt die Bedenken seines Branchenkollegen. Er nennt Private Credit ebenfalls als Warnsignal: „Wenn Ihr ETF Private Credit hält, lohnt es sich meiner Meinung nach, einen Blick auf die Liquiditätsstandards und den Handel des ETFs zu werfen, da es hier eine Diskrepanz zwischen der Handelsgeschwindigkeit von ETFs und dem zugrunde liegenden Vermögenswert geben dürfte."

Darüber hinaus weist Magoon auf potenzielle Risiken bei sogenannten Equity-Linked Notes hin. Diese Wertpapiere kombinieren die Sicherheit festverzinslicher Anlagen mit potenziell höheren Renditen, die an Aktien oder Aktienindizes gekoppelt sind. „Diese könnten aufgrund von Rücknahmen und des zugrunde liegenden Kreditrisikos unter Druck geraten. Das ist eine weitere Art von speziellem Derivat", erklärte Magoon.

Seine Warnung ist eindeutig: „Ich würde mir jeden ETF, der Equity-Linked Notes enthält, sehr genau ansehen, sollten wir in einen größeren Drawdown geraten oder sollte es zu einer Ansteckung im Bereich Private Credit oder im Bankensystem kommen."

Für deutsche Privatanleger, die zunehmend auf ETFs als Basisinvestment setzen, sind diese Warnungen besonders relevant. Während klassische Aktien- und Anleihen-ETFs auf liquide, börsengehandelte Wertpapiere setzen und sich in vergangenen Krisen bewährt haben, betreten neuartige Produkte mit komplexen Derivaten oder illiquiden Basiswerten strukturell neues Terrain. Beide Experten sind sich einig: Transparenz, kritische Nachfragen beim Anbieter und ein tiefes Verständnis der zugrundeliegenden Vermögenswerte sind unerlässlich, bevor man in solche Produkte investiert.

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