Netflix erreicht Grenze: Sarandos kritisiert das eigene Content-Angebot
Der Streaming-Riese tauscht zwei kreative Führungskräfte aus und richtet sein Kerngeschäft Fernsehen und Film neu aus.

Netflix (NFLX) schreibt sein Drehbuch neu. Der dominierende Streaming-Dienst Amerikas hat in der vergangenen Woche seine Leiterin für Inhalte, Bela Bajaria, abrupt ersetzt – nur wenige Stunden nach einer Entlassungswelle von 1.000 Mitarbeitern, an deren Umsetzung sie maßgeblich beteiligt war. Die Aktie des Unternehmens gab um 0,96 Prozent nach.
Bis zum Montag verlor auch Dan Lin, der Chef für Filmproduktionen, seinen Posten. Die Abberufung zweier hochrangiger kreativer Führungskräfte ist ein Zeichen dafür, dass die Führungsebene des Streaming-Riesen der Ansicht ist, dass das Angebot an Inhalten grundlegend überarbeitet werden muss.
Im Zentrum der Kritik steht Co-Chef Ted Sarandos. Er habe intern seit Monaten bemängelt, dass Amerikaner weniger Zeit mit dem Ansehen von Netflix verbringen und der Dienst unter neuen Hit-Serien leide, berichten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Er habe Kollegen zudem mitgeteilt, dass das Unternehmen sein Kernangebot im Bereich Fernsehen und Filme stärken soll.
Die Details
Der personelle Umbau an der Spitze des Programmbereichs betrifft zwei zentrale Funktionen. Bela Bajaria verließ das Unternehmen, nachdem sie zuletzt das globale Content-Team mit Fokus auf die Live-Sport-Strategie geleitet hatte. Sie war ursprünglich 2016 eingestellt worden, um dem Streamer beim Aufbau einer Unscripted-Sparte sowie bei Lizenzierungs- und Studio-Co-Produktionen zu helfen. Ihr Nachfolger wird Peter Rice, ein ehemaliger Executive bei 21st Century Fox und Disney.
Rice übernimmt als Chief Content Officer die volle Verantwortung für das Film- und Fernsehprogramm. Er wird die globale Content-Organisation beaufsichtigen, einschließlich scripted und unscripted Serien, Filme und Live-Events. Seine neue Position tritt er am 26. Oktober an. Dan Lin, der Chef für Filmproduktionen, verlor seinen Posten bis Montag.
Die Entlassungswelle, die dem Führungswechsel unmittelbar vorausging, umfasste weltweit rund 1.000 Arbeitsplätze. Das entspricht etwa sechs Prozent der Belegschaft, die zuletzt auf rund 16.000 Mitarbeiter beziffert wurde. Es handelt sich um die größte Entlassungswelle des Unternehmens seit 2022. Die Kürzungen betreffen primär die Bereiche Produktentwicklung, Technologie und weitere Unternehmensfunktionen.
Bemerkenswert ist die zeitliche Nähe der Ereignisse: Der Austausch an der Content-Spitze erfolgte nur wenige Stunden nach der Entlassungswelle, an deren Umsetzung Bajaria maßgeblich beteiligt war. Dass zwei hochrangige kreative Führungskräfte innerhalb weniger Tage gehen mussten, unterstreicht den Ernst der Lage aus Sicht des Managements.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 15.10.2026 berichtete aktien.news, dass Netflix rund 1.000 Stellen streicht und damit auf eine Wachstumsflaute reagiert. Die Co-CEOs Greg Peters und Ted Sarandos begründeten den Schritt in einer gemeinsamen E-Mail an die Belegschaft mit der Notwendigkeit, disziplinierter bei der Ressourcenallokation vorzugehen. Die Nachricht belastete den Aktienkurs, der im US-Handel in einem schwachen Marktumfeld um 1,3 Prozent nachgab.
Am 16.10.2026 meldete aktien.news den Austausch der Content-Chefin: Bela Bajaria verlässt das Unternehmen, ihr Nachfolger wird Peter Rice. Der Wechsel falle in eine Phase, in der Netflix mit verlangsamendem Wachstum und einer sinkenden Kundenbindung zu kämpfen habe. Die Aktie reagierte damals mit einem Anstieg von 2,89 Prozent; charttechnisch bildete der Kurs laut der Quelle ein aufwärts gerichtetes Dreieck.
Ebenfalls am 17.10.2026 berichtete aktien.news, dass Netflix den Ex-Disney-Manager Peter Rice als neuen Content-Chef holt, um die Probleme mit der Nutzerbindung in den Griff zu bekommen. Ein weiterer Bericht vom 17.10.2026 ordnete den Wechsel als dramatischen Schritt ein, mit dem die Streaming-Gruppe den fallenden Aktienkurs stoppen und das Wachstum der Zuschauerzahlen wieder beschleunigen wolle.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist der Doppelwechsel an der Content-Spitze ein Signal, dass Netflix seine wichtigste Wachstumsquelle – das eigene Programm – neu justiert. Der Konzern hat in der Vergangenheit mit einer Vielzahl von Formaten experimentiert, von Videospielen bis hin zu Podcasts. Sarandos' interne Kritik deutet darauf hin, dass diese Diversifizierung aus Sicht der Führung nicht ausreicht, solange das Kerngeschäft mit Fernsehen und Filmen schwächelt.
Die Kombination aus Stellenabbau und Führungswechsel zeigt, dass Netflix Kosten und Inhaltsstrategie gleichzeitig anfasst. Die Aktie reagierte auf die Nachrichten unterschiedlich: Auf die Entlassungswelle folgte ein Minus von 1,3 Prozent, auf die Bekanntgabe des Content-Chef-Wechsels ein Plus von 2,89 Prozent. Solche Ausschläge verdeutlichen, wie sensibel der Markt auf Signale zur künftigen Programmstrategie reagiert.
Anleger sollten beachten, dass die Quelle keine konkreten Finanzziele oder Umsatzprognosen nennt. Die berichteten Maßnahmen sind personeller und struktureller Natur. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Peter Rice tritt seine neue Position als Chief Content Officer am 26. Oktober an. Er übernimmt die volle Verantwortung für das Film- und Fernsehprogramm sowie die globale Content-Organisation. Weitere Termine, Pläne oder Erwartungen nennt die Quelle nicht.
Kurz erklärt
- Chief Content Officer: Leitende Führungskraft, die das gesamte Programm- und Inhaltsangebot eines Medienunternehmens verantwortet.
- Restrukturierung: Umbau eines Unternehmens, bei dem Strukturen, Stellen und Zuständigkeiten neu geordnet werden.
- Kundenbindung: Maß dafür, wie lange und wie treu Abonnenten einem Dienst erhalten bleiben.
