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Neckermann: Der Aufstieg und das Ende des Katalog-Imperiums

Der Versandhändler Neckermann prägte den westdeutschen Konsum, doch Onlinekonkurrenz und Insolvenzen besiegelten das Aus.

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Neckermann: Der Aufstieg und das Ende des Katalog-Imperiums

Der 1. April 1950 markiert den Beginn eines der bekanntesten Kapitel des westdeutschen Wirtschaftswunders. An diesem Tag gründete Josef Neckermann in Frankfurt sein Versandunternehmen. Nur drei Wochen nach der Gründung erschien der erste Katalog — zwölf Seiten, auf denen 133 Textilangebote für Damen gelistet waren.

Der Start gelang: Bereits im ersten Geschäftsjahr setzte das Unternehmen zehn Millionen Mark um. Der Werbeslogan "Neckermann macht's möglich" wurde zum geflügelten Wort und begleitete den Versandhändler über Jahrzehnte.

Das Sortiment weitete sich rasch aus. Neben Textilien bot Neckermann Radios, Fahrräder und Waschmaschinen an, später kamen Reisen, Fertighäuser und Versicherungen hinzu. Damit wurde das Versandhaus zum Symbol des westdeutschen Wohlstands — ein Katalog, der den Konsum direkt in die Wohnzimmer brachte. Später galt das Modell vielen als Inbegriff von Spießigkeit und zunehmend als Auslaufmodell.

Ein Imperium mit dunkler Vorgeschichte

Mitte der 70er Jahre beschäftigte das Unternehmen rund 20.000 Menschen. 1977 verkaufte Josef Neckermann die Mehrheit an die Karstadt AG und zog sich zurück. Später übernahm Karstadt auch die restlichen Anteile.

Die Erfolgsgeschichte hat jedoch eine dunkle Vorgeschichte. Neckermann profitierte von "Arisierungen" jüdischer Textilbetriebe. Er erwarb das Versandhaus von Karl Amson Joel, dem Großvater des Musikers Billy Joel. Zudem war Neckermann als "stellvertretender Reichsbeauftragter für Bekleidung" für die Ausstattung der Wehrmacht tätig.

Nach seinem Rückzug aus der Unternehmensführung widmete sich Josef Neckermann dem Dressursport und gewann Olympia-Medaillen.

Der lange Niedergang

Dann setzte der Onlinewettbewerb dem Katalogmodell zu — als Beispiel wird Amazon genannt. Der Arcandor-Konzern unter Thomas Middelhoff benannte das Unternehmen in Neckermann.de um. Später erfolgte der Verkauf an den US-Finanzinvestor Sun Capital.

2012 musste Neckermann Insolvenz anmelden. Otto kaufte die Markenrechte und führte den Onlineshop zunächst weiter. 2021 kam schließlich die endgültige Betriebseinstellung.

Endphase des Insolvenzverfahrens

Das Insolvenzverfahren, betreut von Verwalter Michael C. Frege von der Kanzlei CMS Hasche Sigle, zieht sich wegen rechtlicher und steuerlicher Fragen in die Länge. Der Verwalter betont, der Fall solle "rechtssicher geklärt werden". Frege verweist zudem auf Faktoren außerhalb des eigenen Einflussbereichs: "Gerade bei großen und komplexen Insolvenzverfahren sind wir dabei auch auf Entscheidungen und Abläufe außerhalb unseres unmittelbaren Einflussbereichs angewiesen." Für die Gläubiger ist laut Frege "mit einer niedrigen Quote zu rechnen".

Was Privatanleger daraus mitnehmen können

Die Geschichte Neckermanns zeigt exemplarisch, wie schnell sich ein Geschäftsmodell überholen kann. Ein Katalogversand, der über Jahrzehnte funktionierte, verlor seine Grundlage, als der Wettbewerb ins Internet wanderte. Wer in Unternehmen investiert, sollte deshalb nicht nur auf die aktuelle Ertragskraft schauen, sondern auch darauf, ob das Geschäftsmodell dauerhaft tragfähig bleibt.

Ein zweiter Punkt betrifft die Unterscheidung zwischen Marke und Betrieb. Die Markenrechte an Neckermann wurden verkauft und der Onlineshop zeitweise weitergeführt, während das ursprüngliche Unternehmen längst in der Insolvenz steckte. Für Anleger bedeutet das: Eine bekannte Marke allein ist kein Garant für wirtschaftlichen Erfolg.

Schließlich verdeutlicht der Fall, dass Insolvenzverfahren Jahre dauern können. Rechtliche und steuerliche Fragen verzögern die Abwicklung erheblich. Gläubiger müssen sich auf lange Wartezeiten und niedrige Rückflüsse einstellen — ein Risiko, das bei Anleihen oder Lieferantenkrediten von Anfang an mitbedacht werden sollte.

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