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Nachhaltige Fonds: Neuzulassungen brechen auf Rekordtief ein

Greenwashing-Risiken, schwache Renditen und strenge Regulierung bremsen die globale Auflegung nachhaltiger Fonds massiv aus.

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Nachhaltige Fonds: Neuzulassungen brechen auf Rekordtief ein

Die globale Branche für nachhaltige Fonds erlebt einen historischen Einbruch bei Neuzulassungen. Schwache Performance, anhaltende Mittelabflüsse und eine verschärfte regulatorische Aufsicht veranlassen Vermögensverwalter weltweit, Produkte zu schließen und ihre Nachhaltigkeitsstrategien grundlegend zu überdenken. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.

In Europa, dem weltweit größten Markt für nachhaltige Investments, wurden im zweiten Quartal 2025 laut Daten des Analysehauses Morningstar lediglich 13 neue nachhaltige Fonds aufgelegt – so wenige wie noch nie zuvor. Das entspricht einem Rückgang von fast zwei Dritteln gegenüber den 35 Neuzulassungen im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig wurden 64 Fonds geschlossen, sodass auf jede Neuzulassung fast fünf Schließungen kamen – die größte Lücke seit mindestens dem ersten Quartal 2023.

Auch außerhalb Europas ist die Lage angespannt. In den USA standen im zweiten Quartal lediglich drei Neuzulassungen 22 Schließungen gegenüber. Kanada, Australien und Neuseeland verzeichneten das zweite Quartal in Folge ohne eine einzige Neuzulassung. Einzig in Asien – ohne Japan – gab es 16 neue Fonds, die jedoch allesamt aus China stammten.

Regulierung, Greenwashing und politischer Gegenwind

Die Ursachen für den Rückgang sind vielschichtig. Seit 2022 setzt ein Dreiklang aus politischem Widerstand, sinkender Nachfrage und neuen EU-Vorschriften die Branche unter Druck. In den USA haben konservative Politiker Investitionen unter Berücksichtigung von Umwelt- und Sozialaspekten (ESG) massiv kritisiert. In Europa erschweren neue Regulierungen die Klassifizierung eines Fonds als nachhaltig erheblich.

Besonders das Thema Greenwashing belastet das Vertrauen in die Branche. Die DWS, die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, wurde im vergangenen Jahr von der deutschen Staatsanwaltschaft zu einer Geldstrafe von 25 Millionen Euro verurteilt – wegen irreführender Aussagen zu Nachhaltigkeitsmerkmalen ihrer Produkte. Solche Fälle haben die gesamte Branche vorsichtiger gemacht.

„Regulatorische Unsicherheit, Greenwashing-Bedenken und der politische Hintergrund beeinflussen weiterhin sowohl die Mittelzuflüsse als auch die Produktentwicklung", sagte Monika Calay, Director of UK Manager Research bei Morningstar. Seit der Einführung strengerer EU-Vorschriften im Januar 2023 wurden laut Morningstar 956 Ethik- und Nachhaltigkeitsfonds vom Markt genommen, während im gleichen Zeitraum nur 691 neue aufgelegt wurden.

Performance-Lücke schreckt Anleger ab

Ein weiterer zentraler Faktor ist die schwächere Wertentwicklung nachhaltiger Fonds im Vergleich zu konventionellen Produkten. In den fünf Jahren bis Juli 2026 erzielte der breite MSCI ACWI Index laut LSEG-Daten eine Rendite von rund 65 Prozent – der sozial verantwortliche MSCI ACWI SRI Index kam hingegen nur auf knapp 56 Prozent. Der Ausschluss von fossilen Energieträgern und Rüstungsunternehmen, der für viele nachhaltige Fonds charakteristisch ist, kostete in den vergangenen Jahren erhebliche Rendite.

„Ein Großteil dieses Trends zur verhaltenen Nachfrage nach nachhaltigen Produkten ist auf Performance-Bedenken zurückzuführen", sagte Stuart Clark, Portfoliomanager bei Quilter, und verwies auf das fehlende Engagement in fossilen Energien und im Verteidigungssektor. Edward Heaven von Montanaro Asset Management ergänzte, dass viele Anleger Verluste erlitten, als steigende Zinsen bevorzugte Sektoren wie erneuerbare Energien belasteten.

Nicola Day, Leiterin des Büros in Bristol bei James Hambro & Partners, bringt es auf den Punkt: „Man sieht definitiv weniger Fonds mit einem Nachhaltigkeitslabel auf den Markt kommen. Die Vertriebsseite ist sehr vorsichtig geworden."

Passive Strategien und Anleihen als Gewinner

Trotz des schwierigen Umfelds flossen nachhaltigen Fonds im zweiten Quartal weltweit netto 3,7 Milliarden US-Dollar zu – das Gesamtvermögen belief sich auf 3,73 Billionen US-Dollar. Allerdings zeigt sich eine klare Verschiebung: Das Kapital fließt vor allem in passive Strategien und festverzinsliche Wertpapiere.

In Europa zogen passive nachhaltige Fonds rund 11 Milliarden US-Dollar an, während aktive Fonds 7,8 Milliarden US-Dollar verloren. Nachhaltige Rentenfonds sammelten etwas mehr als 14 Milliarden US-Dollar ein, während nachhaltige Aktienfonds Abflüsse von rund 9 Milliarden US-Dollar verzeichneten. In den USA verzeichneten nachhaltige Fonds nach 14 aufeinanderfolgenden Quartalen mit Abflüssen erstmals wieder Nettozuflüsse – ebenfalls getrieben von passiven Produkten.

Analysten von Morgan Stanley stellten fest, dass Fonds mit einem nachhaltigen Ziel gemäß den EU-Offenlegungsvorschriften konventionelle Aktienfonds im zweiten Quartal um 177 Basispunkte übertrafen – begünstigt durch ihre Technologiebestände. Dennoch blieben sie hinter dem breiten MSCI ACWI Index zurück. Im britischen Markt verfolgt die Investment Association derzeit 103 offene Fonds mit einem von der Aufsichtsbehörde genehmigten Nachhaltigkeitslabel – bei einem Gesamtmarkt von mehr als 4.000 Fonds ein verschwindend geringer Anteil.

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