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Millennial versuchte mit Trading finanzielle Freiheit zu erkämpfen

Ein junger Amerikaner in Frankreich riskierte seine letzten 300 Dollar auf der Trading-Plattform Robinhood.

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Millennial versuchte mit Trading finanzielle Freiheit zu erkämpfen

Mit 29 Jahren stand der Autor vor einer ernüchternden Realität: Als freier Werbetexter und Journalist in Frankreich reichte das Geld regelmäßig nur für drei Wochen im Monat. Wenn das Geld ausging, bat er seine Eltern um Hilfe – ein Umstand, der ihn mit Scham erfüllte. Dabei wohnten seine Eltern selbst zur Miete, während die Eltern seiner Studienkollegen Eigenheime besaßen.

Die soziale Ungleichheit war für ihn greifbar, auch wenn sie lange verborgen geblieben war. An seinem College Amherst hatten alle Studierenden dieselben Wohnheime, Mensen und Bibliotheken geteilt – die wirtschaftlichen Unterschiede blieben unsichtbar. Doch nach dem Studium zeigte sich die Realität: Viele seiner Kommilitonen konnten auf Treuhandfonds oder finanzielle Unterstützung der Familie zurückgreifen.

Seine drei besten Freunde aus der Heimatstadt Cleveland waren einer nach dem anderen aus Städten wie Nashville, Chicago und Portland wieder in ihre Ausgangslage zurückgekehrt – vertrieben durch hohe Mieten, Studienschulden und einen schwierigen Arbeitsmarkt. Die Angst, dasselbe Schicksal zu erleiden, war allgegenwärtig.

Der Reiz des schnellen Geldes im Internet

In dieser Situation entdeckte er das Reddit-Forum WallStreetBets, in dem sich Kleinanleger zusammenschlossen, um mit hochvolatilen Wertpapieren schnelle Gewinne zu erzielen. Das Forum wurde besonders während der GameStop-Euphorie 2021 weltbekannt und zog Millionen von Privatanlegern an. Die Versprechen schienen verlockend: finanzielle Freiheit durch cleveres Trading.

Seine Hoffnung war konkret: die Freiheit, Freunde besuchen zu können, ohne auf Werbetext-Aufträge angewiesen zu sein, und sich dem freien Schreiben widmen zu können. Er lud die US-amerikanische Trading-App Robinhood herunter, die durch ihre provisionsfreien Trades und die spielerische Oberfläche besonders junge Anleger anspricht.

Seine erste Einzahlung betrug 300 US-Dollar – kein Betrag, dessen Verlust er sich eigentlich leisten konnte, aber auch zu wenig, um damit realistisch ein Vermögen aufzubauen. Für ein Flugticket nach Kalifornien hätte das Geld gerade so gereicht. Für finanzielle Unabhängigkeit war es ein Tropfen auf den heißen Stein.

Was der Fall für deutsche Anleger bedeutet

Die Geschichte des namenlosen Millennials ist kein Einzelfall. Auch in Deutschland locken Trading-Apps wie Trade Republic oder Scalable Capital mit einfachem Zugang zu Märkten und sprechen gezielt junge Anleger an, die nach schnellen Lösungen für finanzielle Probleme suchen. Finanzexperten warnen jedoch regelmäßig: Rund 70 bis 80 Prozent aller privaten Daytrader verlieren langfristig Geld.

Der Wunsch nach finanzieller Freiheit ist verständlich – der Weg dorthin über hochspekulative Investments jedoch riskant. Wer wie der Autor mit wenig Kapital und großen Hoffnungen startet, riskiert nicht nur das eingesetzte Geld, sondern auch wertvolle Zeit, die besser in den Aufbau nachhaltiger Einkommensquellen investiert wäre.

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