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Mercedes setzt auf Präsenzpflicht und massive Einsparungen

Sparkurs, Personalabbau und Homeoffice-Debatte belasten die Belegschaft

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Mercedes setzt auf Präsenzpflicht und massive Einsparungen

Mercedes-Benz steht vor weitreichenden Veränderungen, die sowohl die Belegschaft als auch die Unternehmenskultur betreffen. Kurz vor Weihnachten erhielten die Top-Manager des Konzerns eine klare Ansage aus der Führungsetage: Die persönliche Präsenz am Arbeitsplatz sei ab Januar 2025 grundsätzlich erforderlich. Spontane Gespräche und der direkte Austausch würden laut Vorstand zu kreativeren Lösungen, schnelleren Entscheidungen und einer gesteigerten Wettbewerbsfähigkeit führen. Nicht alle Führungskräfte zeigten sich von dieser Maßnahme begeistert. In internen Gesprächen sollen sie zudem dazu angehalten worden sein, ihre Mitarbeiter zur verstärkten Rückkehr ins Büro zu bewegen – eine Anweisung, die angeblich nur mündlich weitergegeben wurde, um möglichen Konflikten mit dem Betriebsrat zu entgehen.

Die konzernweit geltende Betriebsvereinbarung sieht vor, dass mobiles Arbeiten aktiv unterstützt werden soll, um eine Vertrauenskultur zu fördern und Arbeitsprozesse effizienter zu gestalten. Der Gesamtbetriebsrat betont die Bedeutung dieser Regelungen, doch die aktuellen Entwicklungen lassen Zweifel an deren Bestand aufkommen. Während sich viele Mitarbeiter über die neuen Vorgaben beschweren, steht Mercedes-Benz vor noch größeren Herausforderungen. Der Absatz von Elektroautos bleibt hinter den Erwartungen zurück, die Luxusstrategie des Konzerns zeigt nicht die erhofften Erfolge, und auf dem wichtigen chinesischen Markt verliert das Unternehmen zunehmend Kunden. Bereits im September 2024 wurde prognostiziert, dass die Umsatzrendite im Bereich Mercedes-Benz Cars lediglich zwischen 7,5 und 8,5 Prozent liegen werde – eine deutliche Abweichung von den ursprünglich angestrebten 14 Prozent.

In Reaktion auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten hat Mercedes ein umfassendes Sparprogramm initiiert. Unter dem Titel „Next Level Performance“ sollen Milliarden eingespart werden. Parallel dazu laufen Gespräche über die „Zukunftssicherung 2035“. Personalvorständin Sabine Kohleisen traf sich dazu Mitte Januar mit Vertretern aus dem Personalwesen und dem Betriebsrat, um über mögliche Maßnahmen zu verhandeln. Die Ergebnisse dieser Gespräche sind bislang nicht öffentlich, doch es wird erwartet, dass die Belegschaft erhebliche Zugeständnisse machen muss. Betriebsratskreise sprechen von einer „Giftliste“ an Forderungen des Managements, die unter anderem Outsourcing und Einschnitte bei tariflichen Zusatzleistungen umfassen. Auch der sogenannte T-Zug, der tarifliche Zusatzurlaub für Beschäftigte mit besonderen familiären Verpflichtungen, steht zur Diskussion. Künftig könnte es dazu kommen, dass alle Mitarbeiter statt einer finanziellen Auszahlung nur noch zusätzliche Urlaubstage erhalten.

In internen Kreisen wird darüber spekuliert, dass Mercedes langfristig sogar die Betriebsvereinbarung zum mobilen Arbeiten auflösen könnte. Die Zahl der verfügbaren Schreibtische spricht jedoch dagegen, da sich inzwischen häufig zwei oder mehr Mitarbeiter einen Arbeitsplatz teilen. Dennoch wächst die Unsicherheit in der Belegschaft. Berichten zufolge wurde bei einer Versammlung in der Konzernzentrale kürzlich nach möglichen versteckten Personalabbaumaßnahmen gefragt. Die Betriebsratsvertreter erklärten, dass sie nahezu täglich Nachrichten von besorgten Mitarbeitern erhielten. Es gibt Hinweise darauf, dass das Management durch gezielte Verhaltenskontrollen überprüfen könnte, wer sich der geforderten Präsenz im Büro widersetzt.

Die Einsparungen betreffen nicht nur die tariflichen Mitarbeiter, sondern auch die Führungsebene. Für 2025 wurde beschlossen, dass die Basisvergütung für leitende Angestellte und Teamleiter, die nicht unter den Tarifvertrag fallen, nicht erhöht wird. Gleichzeitig scheint es bereits erste Abfindungsangebote für ausgewählte Führungskräfte zu geben. Der Stuttgarter Anwalt Stefan Nägele berichtet, dass seine Kanzlei derzeit etwa 50 betroffene Mercedes-Mitarbeiter in arbeitsrechtlichen Fragen berät. Einige Führungskräfte sollen bereits darauf hingewiesen worden sein, dass für sie in der zukünftigen Unternehmensstruktur kein Platz mehr sei.

Innerhalb des Konzerns wächst der Unmut über den anhaltenden Sparkurs. Seit Jahren reiht sich ein Kostensenkungsprogramm an das nächste, was laut internen Stimmen die Führungsmannschaft zunehmend belastet. Viele Manager hätten kaum noch Zeit für strategische Aufgaben, da sie vorrangig mit Sparmaßnahmen beschäftigt seien. Die Rückkehr ins Büro könnte diese Unzufriedenheit noch verstärken – denn dort verbreiten sich nicht nur kreative Ideen, sondern auch Unmut und Frustration schneller.

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