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MercadoLibre: Auf dem Weg in den 50-Milliarden-Dollar-Umsatz-Club

Lateinamerikas größtes E-Commerce-Unternehmen wächst rasant und könnte bis 2027 Amazon, Walmart und Costco umsatzmäßig einholen.

• 3 Min
MercadoLibre: Auf dem Weg in den 50-Milliarden-Dollar-Umsatz-Club

MercadoLibre (MELI) ist das größte E-Commerce-Unternehmen Lateinamerikas – und für viele deutsche Anleger noch ein Geheimtipp. Während Konzerne wie Amazon, Walmart und Costco Wholesale seit Jahren die globalen Einzelhandels-Charts dominieren, holt der lateinamerikanische Technologieriese mit beeindruckendem Tempo auf. Analysten prognostizieren, dass MercadoLibre noch vor Ende 2027 die Marke von 50 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz überschreiten könnte.

Derzeit liegt der Umsatz des Unternehmens auf Zwölfmonatssicht bei 31,8 Milliarden US-Dollar. Bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (Compound Annual Growth Rate, CAGR) von 45 % wäre die 50-Milliarden-Marke noch vor Ende 2027 erreichbar – eine Prognose, die durch die jüngsten Quartalszahlen gestützt wird.

Lateinamerikas Antwort auf Amazon

Das Kerngeschäft von MercadoLibre ist der E-Commerce, der etwas mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes ausmacht. Damit unterscheidet sich das Unternehmen strukturell von klassischen Einzelhändlern. Zum Vergleich: Selbst Amazon ist bei mehr als 60 % seines Gesamtumsatzes auf den E-Commerce angewiesen – rechnet man das Werbegeschäft hinzu, wie es MercadoLibre tut, sind es sogar mehr als 70 %.

Neben dem Marktplatz betreibt MercadoLibre eine bedeutende Fintech-Plattform. Dieses Segment wurde ursprünglich entwickelt, um Zahlungen auf dem eigenen Marktplatz zu unterstützen, hat sich aber zu einem eigenständigen Wachstumstreiber entwickelt. Nutzer, die die Fintech-Plattform verwenden, sind nachweislich auch auf der E-Commerce-Plattform aktiver – ein klassisches Ökosystem-Modell, das an Amazons Prime-Strategie erinnert.

Die Zahlen aus dem ersten Quartal 2026 unterstreichen die Dynamik eindrucksvoll: Der Gesamtumsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 49 %. Das Bruttowarenvolumen (Gross Merchandise Volume, GMV) legte um 42 % zu, das gesamte Zahlungsvolumen wuchs um 41 %.

Die Chance in einem unterversorgten Markt

Ein zentraler Wachstumstreiber ist die strukturelle Unterversorgung Lateinamerikas – sowohl im E-Commerce als auch in der Finanztechnologie. Viele Regionen verfügen über eine junge, wachsende Bevölkerung mit zunehmendem Internetzugang, aber noch geringer digitaler Durchdringung im Handel und Bankwesen. MercadoLibre positioniert sich gezielt, um diese Lücke zu schließen.

Besonders deutlich zeigt sich das in Brasilien, dem größten Markt des Unternehmens. Nachdem MercadoLibre im vergangenen Jahr die Schwelle für kostenlosen Versand in Brasilien gesenkt hat, beschleunigt sich das Wachstum spürbar. Die Zahl der einzigartigen aktiven Käufer stieg im ersten Quartal 2026 um 32 % im Jahresvergleich. Das GMV legte um 38 % zu, die Zahl der verkauften Artikel sogar um 56 %.

Bewertung nahe am 10-Jahres-Tief

Für Anleger besonders interessant: Die Aktie von MercadoLibre wird derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 49 gehandelt – ein Niveau nahe dem 10-Jahres-Tief, das Anfang des Jahres erreicht wurde. Das könnte eine attraktive Einstiegsgelegenheit bei Kursrücksetzern darstellen, wie es im Englischen als „Buy the Dip" bezeichnet wird.

Zum Vergleich: Costco Wholesale, das kleinste der drei genannten Einzelhandels-Schwergewichte, kommt auf einen Umsatz von 294 Milliarden US-Dollar in den letzten zwölf Monaten. Amazon und Walmart gelten gemessen am Umsatz als die beiden größten Unternehmen der Welt. Um diese Größenordnung zu erreichen, müsste MercadoLibre in den nächsten zehn Jahren mit einer CAGR von 25 % wachsen – eine ambitionierte, aber laut Analysten reale Möglichkeit.

MercadoLibre verbindet das Wachstumspotenzial eines aufstrebenden Technologieunternehmens mit der Marktmacht eines etablierten Plattformkonzerns. Für deutsche Privatanleger, die nach internationaler Diversifikation suchen, könnte die Aktie eine interessante Beimischung darstellen – gerade in einem Markt, der noch am Anfang seiner digitalen Transformation steht.

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