Lonza verliert Moderna Auftrag und streicht Prognose
Mit sinkenden Aktienkursen und wiederholten Führungswechseln steht der Arznei-Auftragsfertiger vor einem Wendepunkt

Der renommierte Arznei-Auftragsfertiger Lonza steht vor herausfordernden Zeiten. Die Nachricht über den Verlust des Großauftrags von Moderna traf das Unternehmen schwer. Bisher stellte Lonza den Wirkstoff für den bekannten Corona-Impfstoff von Moderna her, aber nun hat sich der US-Pharmakonzern entschieden, die Produktion in die eigenen Werke zu verlagern. Dieser Verlust führte zu einer massiven Reaktion am Aktienmarkt: Die Lonza-Aktie verzeichnete einen Kurssturz von über zehn Prozent.
Zusätzlich zu diesem Rückschlag hat Lonza seine Prognose für das Geschäftsjahr 2024 innerhalb kurzer Zeit zweimal revidiert. Das Unternehmen strebt nun eine bereinigte operative Marge (Ebitda) im oberen 20-Prozent-Bereich an, eine deutliche Abschwächung gegenüber der im Juli gegebenen Prognose von 31 bis 33 Prozent. In einem versöhnlichen Ton gab Lonza auch seine mittelfristigen Erwartungen für den Zeitraum von 2024 bis 2028 bekannt. Es wird erwartet, dass der Umsatz in diesem Zeitraum jährlich um elf bis dreizehn Prozent steigen wird. Bis 2028 peilt Lonza eine bereinigte Marge von 32 bis 34 Prozent an.
Obwohl diese Zahlen für das Unternehmen nicht schlecht sind, hatten Marktanalysten höhere Erwartungen. Experten wie Michael Kunz von der Luzerner Kantonalbank und Daniel Buchta von der ZKB äußerten sich weniger optimistisch über die Zukunft des Unternehmens. Insbesondere die enttäuschenden Prognosen für 2023 und 2024 könnten potenzielle Investoren abschrecken.
Trotz aller Schwierigkeiten gibt es auch positive Nachrichten für die Aktionäre von Lonza. Das Unternehmen plant, seine Dividenden in den kommenden Jahren zu erhöhen. Dies wird durch eine Entschädigungszahlung von Moderna ermöglicht, die trotz der Kündigung des Auftrags gezahlt wird. Diese Zahlung hat Lonza auch veranlasst, seine Prognose für das laufende Jahr leicht anzuheben.
Doch die Herausforderungen von Lonza sind nicht nur auf den verlorenen Moderna-Auftrag beschränkt. Seit Anfang 2022 hat die Aktie des Unternehmens etwa die Hälfte ihres Wertes verloren. Gründe hierfür sind sowohl die abnehmende Nachfrage nach den mRNA-Impfstoffen gegen Covid-19 als auch eine allgemeine Zurückhaltung in der Biotech-Branche, verstärkt durch steigende Zinssätze.
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Zur AktienanalyseHinzu kommen unternehmensinterne Herausforderungen. Lonza hat in den letzten vier Jahren vier Chefwechsel erlebt. Im September legte der Konzernchef Pierre-Alain Ruffieux sein Amt nieder, und Verwaltungsratspräsident Albert Baehny trat interimistisch als CEO ein. Eine dauerhafte Nachfolgeregelung steht noch aus. Das Unternehmen hat sich zu diesem sensiblen Thema bisher nicht weiter geäußert.


