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Long Gamma: Warum der S&P 500 sich kaum bewegt

Trotz starker Konjunkturdaten und Microns Kurssprung verharrt der S&P 500 in einer engen Handelsspanne – Optionsmechanismen könnten der Grund sein.

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Long Gamma: Warum der S&P 500 sich kaum bewegt

Der S&P 500 zeigte sich am Donnerstag trotz einer Fülle marktbewegender Nachrichten erstaunlich träge. Micron legte nach starken Quartalszahlen zweistellig zu, das US-BIP übertraf mit 2,1 % die Erwartungen, und die PCE-Inflation erreichte mit 4,15 % den höchsten Stand seit April 2023. Dennoch schloss der S&P 500 nahezu unverändert auf dem Niveau des Vortages.

Besonders auffällig war die Entwicklung beim technologielastigen Nasdaq-100. Die Futures stiegen in der Nacht zunächst um rund 3 % – getrieben von der Micron-Rallye – bevor Händler die Gewinne wieder abgaben. In der zweiten Tageshälfte nutzten Marktteilnehmer die Kursrücksetzer dann zum Einstieg, sodass der Index die Sitzung letztlich mit einem Plus von 0,75 % beendete. Diese turbulente Seitwärtsbewegung wirft Fragen auf.

Was steckt hinter der merkwürdigen Kursentwicklung?

Eine mögliche Erklärung liefert die Welt der Optionsmärkte. Brent Kochuba, Gründer des Optionsanalyse-Dienstes SpotGamma, verweist auf das Phänomen des sogenannten „Long Gamma". Dabei halten institutionelle Market-Maker Optionspositionen, die von Volatilität profitieren – und reagieren auf große Kursbewegungen mit gezielten Gegengeschäften.

Konkret bedeutet das: Wenn der Markt nachgibt, kaufen diese Market-Maker Puts zurück. Steigt der Markt hingegen stark an, verkaufen sie Calls. Dieses Verhalten wirkt wie eine natürliche Bremse und hält Aktienkurse innerhalb einer definierten Handelsspanne. Für Privatanleger ist dieses Phänomen oft unsichtbar, hat aber erheblichen Einfluss auf die tägliche Kursdynamik.

„Derzeit sind die Händler sowohl im Index als auch bei den Top-Aktien ‚long gamma', was stabilisierend wirkt", erklärte Kochuba. „Zu Verwerfungen kommt es erst bei einer Neubewertung im KI-Sektor, einem ‚DeepSeek-Moment' oder wenn mit steigenden Zinsen gerechnet wird."

Optionsverfall als wichtiger Termin

Ein weiterer Faktor ist der bevorstehende monatliche Optionsverfall am Dienstag, den 30. Juni. Händler, die normalerweise Optionen verkaufen, halten laut Kochuba derzeit lieber günstigere „aus dem Geld"-Positionen, da diese kurz vor dem Verfall stehen. Das reduziert den Anreiz für aggressive Richtungswetten und trägt zur beobachteten Ruhe bei.

Laut Kochubas Analyse kaufen Market-Maker den S&P 500 wahrscheinlich, wenn er unter 7.200 Punkte zu rutschen droht, und verkaufen den Index, wenn er über 7.400 Punkte steigt. Damit ergibt sich eine klar definierte Spanne, innerhalb derer sich der Markt aktuell bewegt.

Bemerkenswert ist auch die Reaktion der Anleihemärkte: Trotz der überraschend starken Wirtschaftsdaten zeigte sich der ETF für langlaufende US-Staatsanleihen (TLT) am Donnerstag kaum bewegt und veränderte sich bis Handelsschluss lediglich um drei Basispunkte. Auch dies deutet auf eine ungewöhnliche Ruhe hin, die durch die Optionsdynamik miterklärt werden könnte.

Für deutsche Anleger, die in US-Indizes investiert sind, lohnt sich ein Blick auf den Optionsmarkt – denn dieser kann kurzfristige Kursbewegungen maßgeblich beeinflussen, auch wenn fundamentale Daten eigentlich für stärkere Ausschläge sprechen würden.

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