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Londoner Kapitalmarkt 2024: Aufholjagd nach enttäuschendem Jahr

Deregulierung, Börsengänge und M&A-Boom - London plant die Rückkehr zur Finanzspitze

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Londoner Kapitalmarkt 2024: Aufholjagd nach enttäuschendem Jahr

Der Leitindex der Londoner Börse besteht seit Jahresbeginn nun vierzig Jahre. Zum Feiern ist den meisten Anlegern allerdings nicht zumute. Nur mühsam erholt sich der FTSE 100 von einem verkorksten Start in der ersten Handelswoche, die der Index der 100 wertvollsten Unternehmen in Großbritannien mit einem Minus von 0,6 Prozent abschloss.

Trotzdem soll 2024 das Jahr werden, in dem London nach zahlreichen Rückschlägen seine einst führende Position unter den globalen Finanzplätzen zurückerobert. Im vergangenen Jahr stagnierte der Leitindex weitgehend und vergraulte damit viele Anleger, die an anderen Börsenplätzen eine deutlich höhere Rendite erwirtschaften konnten. So legte etwa der deutsche Dax 2023 um 20 Prozent zu.

Wenn man die stattlichen Dividendenausschüttungen hinzuzählt, ist die Rendite in London nach Berechnungen der Datenanalytiker von FE Fundinfo im neuen Jahrtausend mit 163 Prozent zwar besser als an den anderen europäischen Börsen, aber nicht einmal halb so hoch wie beim US-Index S&P 500.

Die Voraussetzungen dafür, dass sich die triste Bilanz in diesem Jahr aufhellt, schienen Ende 2023 günstig zu sein: Nachdem die britische Notenbank bei ihrer letzten Sitzung des Jahres zum dritten Mal hintereinander auf eine Zinserhöhung verzichtet hatte, preisten die Anleger bereits im Mai die erste Zinssenkung ein.

Inzwischen herrscht bei den Analysten aber Ernüchterung. „Die Inflation ist hartnäckig und die Bank of England wird die Zinsen länger hoch halten müssen als andere Notenbanken“, sagt Mark Capleton von der Bank of America in London. Im November lag die Inflation in Großbritannien bei 3,9 Prozent.

Die konjunkturelle Lage übt ebenfalls wenig Druck auf die Notenbanker aus, die Zinsen schnell zu senken. Der wichtige Einkaufsmanagerindex (PMI) für die in Großbritannien dominierenden Serviceleistungen verbesserte sich im Dezember sogar auf 53,4 Punkte, was ein weiteres Wirtschaftswachstum anzeigen könnte. „Der erneute Anstieg des PMI im Dezember deutet darauf hin, dass eine Rezession knapp vermieden werden kann“, sagte Gabriella Dickens, Ökonomin bei der Research-Firma Pantheon Macroeconomics.

Viel Rückenwind von der Bank of England können die Börsianer in der City also nicht erwarten. Umso wichtiger ist es, dass der Finanzplatz London seine strukturellen Schwächen überwindet. Ganz oben auf der To-do-Liste steht, die Abwanderung von gelisteten Unternehmen zu stoppen und die Voraussetzungen für neue Börsengänge zu verbessern.

Gerade erst hat der Verwaltungsrat von Europas größtem Reiseveranstalter Tui beschlossen, seine Aktie künftig nicht mehr in London, sondern in Frankfurt zu notieren. Darüber hinaus hat der Finanzinvestor Cevian angedeutet, dass der Bildungskonzern Pearson von London nach New York abwandern könnte. Cevian ist der größte Einzelaktionär von Pearson. Im vergangenen Jahr hatte bereits der britische Chiphersteller Arm sein Börsendebüt nicht an der Themse, sondern an der Wall Street gefeiert.

In den Jahren 2015 bis 2020 entfielen auf Großbritannien lediglich fünf Prozent aller weltweiten Börsengänge (IPOs). 2008 waren es noch 40 Prozent gewesen. Die britische Finanzaufsichtsbehörde FCA will deshalb die Listing-Vorschriften lockern, um mehr Börsendebütanten nach London zu locken. „Wir arbeiten daran, die Attraktivität der britischen Kapitalmärkte zu stärken und die Wettbewerbsfähigkeit und das Wachstum Großbritanniens zu unterstützen“, erklärte FCA-Direktorin Sarah Pritchard.

Das gleiche Ziel haben die sogenannten „Edinburgh-Reformen“, mit denen die britische Regierung die Kapitalanforderungen für Versicherungen und Pensionsfonds aus Zeiten der EU-Mitgliedschaft lockern will, um Finanzfirmen dazu zu bewegen, mehr Risikokapital für Start-ups bereitzustellen. Dadurch sollen vor allem Technologiefirmen gefördert werden, die bislang kaum im von Rohstoffunternehmen dominierten FTSE 100 vertreten sind. Es waren vor allem Tech-Aktien, die die US-Indizes 2023 angetrieben haben – diese Dynamik fehlte dem britischen Leitindex.

Zugleich erhofft sich Finanzminister Jeremy Hunt von seiner Deregulierung, dass britische Anleger wieder stärker in britische Aktien investieren. Nach Angaben der Statistikbehörde ONS hielten britische Versicherungen und Pensionsfonds 1997 noch fast die Hälfte der in Großbritannien gelisteten Aktien; 2022 waren es nicht einmal mehr fünf Prozent.

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