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Künstliche Intelligenz im Militär: Ein Paradigmenwechsel

Einsatzfelder, Motivationen und Herausforderungen für Streitkräfte weltweit

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 Künstliche Intelligenz im Militär: Ein Paradigmenwechsel

Der Boom der Künstlichen Intelligenz (KI) hat auch den Verteidigungssektor erreicht und zeigt deutlich, wie unterschiedlich die Ziele beim Einsatz der Technologie von Land zu Land sind. Das Münchener Rüstungsstart-up Helsing entwickelt beispielsweise KI-gestützte Systeme, die es Piloten ermöglichen sollen, unbemannte Flugsysteme zu steuern. Mit dem Projekt Centaur plant das Unternehmen, eine KI zu entwickeln, die gefährliche Missionen autonom fliegen kann und es Piloten erlaubt, mehrere unbemannte Flugobjekte neben einem Kampfjet zu steuern. Diese Entwicklungen sind nicht mehr nur Zukunftsvisionen, sondern werden bereits in Kooperation mit Airbus Defence und Space umgesetzt.

Der Einsatz von KI im Verteidigungssektor hat zu einem Paradigmenwechsel geführt, wie Stephanie Lingemann, Senior Director bei Helsing, betont. Piloten sollen in Zukunft nicht mehr einzelne Luftkampfsysteme steuern, sondern die Systeme im Verbund überwachen. Dies erfordert einen hohen Grad an Automatisierung, der durch Methoden wie maschinelles Lernen und KI ermöglicht wird. Die Fortschritte in der Technologie haben neue Diskussionen darüber angestoßen, wie KI Verteidigungsstrategien, -taktiken und -systeme verändern kann.

Gundbert Scherf, Mitgründer und Co-Chef von Helsing, sieht in der modernen KI eine Grundlage für erhebliche Leistungssprünge im Luftkampf. Diese technologischen Fähigkeiten fordern mehr Investitionen und Aufmerksamkeit, insbesondere im Vergleich zu anderen Nationen, die ebenfalls stark in KI investieren. Eine Vergleichsstudie des Defense AI Observatory (DAIO) an der Universität der Bundeswehr Hamburg zeigt, dass der Einsatz von KI im Verteidigungsbereich von drei Hauptmotiven getrieben wird: Bedrohung, Wettbewerb und Soldatenmangel.

Die erste Gruppe von Ländern, wie die Ukraine, Israel und die USA, setzt KI ein, um existenziellen Bedrohungen entgegenzuwirken. Insbesondere der Krieg in der Ukraine hat gezeigt, wie KI in der Datenerfassung, Waffensystemerkennung und Bekämpfung von Desinformation genutzt wird. Auch Russland setzt zunehmend auf KI, etwa bei der Aufklärung und Cyberkriegsführung.

Eine zweite Gruppe von Ländern, darunter Deutschland und Großbritannien, sieht in KI einen „Fähigkeitsmultiplikator“, um bestehende Waffensysteme leistungsfähiger zu machen. In Südkorea wird KI genutzt, um den technologischen Fähigkeiten der Streitkräfte zu stärken und gleichzeitig den Personalrückgang zu kompensieren, was Vorbildcharakter für andere Länder mit alternder Bevölkerung haben könnte.

Die dritte Gruppe, zu der Frankreich gehört, arbeitet daran, im Bereich KI nicht abgehängt zu werden. Diese Länder integrieren zivile Technologien in den militärischen Kontext und entwickeln neue Einsatzkonzepte vor dem Hintergrund der Automatisierung. Trotz der breiten Nutzung von KI in Verteidigungskontexten kommen die Studienautoren zu dem Schluss, dass bisher keine echte Disruption stattfindet, sondern KI hauptsächlich zur Verbesserung bestehender Missionen eingesetzt wird.

Die Notwendigkeit einer klaren KI-Strategie im Verteidigungsbereich wird immer deutlicher, insbesondere in Deutschland. Experten wie Vanessa Vohs fordern eine gesellschaftliche Diskussion darüber, in welchen Anwendungsbereichen KI für die Bundeswehr genutzt werden soll und in welchen nicht. Solange keine KI existiert, die die menschliche Intelligenz übertrifft und selbständig agiert, wird die Technologie das Militärische nicht grundlegend verändern, obwohl das Potenzial dazu bereits vorhanden ist.

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