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KI-Chip-Giganten verzerren Aktienauswahl und Benchmarks in Asien

Wenige KI-Chip-Riesen dominieren asiatische Indizes so stark, dass Fondsmanager zu Zwangsverkäufen ihrer besten Positionen gezwungen werden.

KI-Chip-Giganten verzerren Aktienauswahl und Benchmarks in Asien

Die KI-getriebene Rallye in Asien hat ein massives Konzentrationsrisiko geschaffen: Nur drei Unternehmen – TSMC, Samsung und SK Hynix – machen mittlerweile fast ein Drittel des MSCI Asia Pacific ex-Japan Index aus. Das zwingt aktive Fondsmanager dazu, ihre erfolgreichsten Positionen zwangsweise zu verkaufen, um regulatorische Konzentrationsgrenzen einzuhalten. Die Verzerrungen betreffen nicht nur einzelne Portfolios, sondern den gesamten asiatischen Aktienmarkt.

Sam Konrad, Investmentmanager für Asia Equity Income bei Jupiter Asset Management, beschreibt das Dilemma aus erster Hand: „Wir waren zu Zwangsverkäufen von TSMC, Samsung und MediaTek gezwungen." Die drei Chip-Aktien haben in diesem Jahr bisher um 52 %, 159 % bzw. 184 % zugelegt – ein Erfolg, der paradoxerweise zum Problem wird, wenn ein Fonds zu kopflastig mit Gewinnern besetzt ist.

Benchmarks werden zur Einzel-Aktien-Wette

Die Konzentration hat inzwischen extreme Ausmaße angenommen. TSMC allein macht 41,5 % des taiwanesischen TAIEX-Index aus, während Samsung und SK Hynix zusammen 55 % des südkoreanischen KOSPI ausmachen. Das bedeutet, dass diese Indizes faktisch Wetten auf ein oder zwei Aktien sind – und damit ihren ursprünglichen Zweck, ein diversifiziertes Portfolio abzubilden, verfehlen.

Laut HSBC ist TSMC die größte Untergewichtung in den Portfolios asiatischer und globaler Schwellenländerfonds. Herald Van der Linde, Leiter der Aktienstrategie für den asiatisch-pazifischen Raum bei HSBC in Hongkong, beschreibt in einer Research-Note einen sich selbst verstärkenden Kreislauf: „Da Aktien weiterhin eine Outperformance erzielen, wird es für Fonds immer schwieriger, ihr Engagement zu erhöhen, was einen Kreislauf von Zwangsverkäufen verstärkt und Untergewichtungen selbst bei starken Fundamentaldaten vergrößert."

Die Kehrseite dieser Konzentration zeigte sich bereits bei jüngsten Ausverkäufen: Südkoreanische Aktien fielen in nur drei Handelstagen um 12 % von ihren Rekordhochs, taiwanesische um 6 %, als Anleger Bedenken wegen KI-Bewertungen äußerten. Zudem haben die Zwangsverkäufe ausländischer Fonds den Druck auf den ohnehin angeschlagenen südkoreanischen Won erhöht.

Massiver Trend zu passiven Fonds beschleunigt sich

Die Dynamik treibt Anlegergelder in einem historisch beispiellosen Ausmaß von aktiven in passive Fonds. In den letzten fünf Jahren verzeichneten aktive Fonds in Asien kumulierte Abflüsse von 269 Milliarden US-Dollar, während passive Fonds Zuflüsse von 510 Milliarden US-Dollar verbuchten – davon ein Viertel allein in den letzten sechs Monaten, wie eine Analyse von EPFR-Daten durch BNP Paribas zeigt.

William Bratton, Leiter des Cash-Equity-Research für den asiatisch-pazifischen Raum bei BNP Paribas Securities, kommentiert: „Das Ausmaß der jüngsten Zuflüsse in die passiven Fonds der Region ist in den letzten 10 Jahren beispiellos." Gleichzeitig verzeichnete Nomura seit Jahresbeginn einen Zufluss von 20,4 Milliarden US-Dollar aus in den USA ansässigen Fonds nach Südkorea und Taiwan. Im Mai kam es zudem zu einem Rekordabfluss von 27,9 Milliarden US-Dollar aus südkoreanischen Aktien durch ausländische Anleger.

Ein Vergleich mit den USA liegt nahe: Dort machen die sogenannten „Magnificent Seven"-Technologieaktien etwa ein Drittel des S&P 500 aus. In Asien ist die Konzentration jedoch extremer und hat sich deutlich schneller entwickelt. Rupal Agarwal, Quant-Strategin für Asien bei Bernstein, fasst es zusammen: „Die unaufhaltsame Rallye seit April hat das Konzentrationsrisiko bei asiatischen Aktien auf ein Niveau erhöht, das wir noch nie zuvor gesehen haben."

Stockpicker suchen Alternativen in der KI-Lieferkette

Als Reaktion auf die Verzerrungen weichen aktive Manager auf kleinere Unternehmen innerhalb der KI-Lieferkette aus. Isaac Thong, Senior Investment Director für asiatische Aktien bei Aberdeen Investments, hat beispielsweise ASMPT und Grand Process Technology Corp aufgenommen – beides mittelgroße Zulieferer für Chiphersteller.

Konrad von Jupiter verfolgt eine andere Strategie und bevorzugt größere Aktien. Er hat fast die Hälfte seines Fonds in Taiwan und Südkorea investiert und hält Anteile an den Elektronikherstellern Hon Hai und Quanta sowie an SK Hynix. Seine größte Position liegt beim Chipdesigner MediaTek. „Unsere Fonds unterscheiden sich stark von der Benchmark, und die Art und Weise, wie wir investieren, unterscheidet sich stark von unseren Mitbewerbern, was uns unserer Meinung nach geholfen hat, eine Outperformance zu erzielen", sagt er.

Ohne Korea und Taiwan wäre die Gesamtbilanz des MSCI Asia Pacific ex-Japan Index deutlich schlechter: Während der Index seit Jahresbeginn um 27 % gestiegen ist, liegt er ohne diese beiden Märkte um 4 % im Minus – ein klares Zeichen dafür, wie stark die Rallye auf wenige Aktien konzentriert ist. Informationstechnologie-Aktien haben die Region mit explosiven Gewinnen angeführt, während Sektoren wie Basiskonsumgüter und Gesundheitswesen laut Goldman Sachs deutlich zurückgeblieben sind.

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