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KI-Börsengänge und Angebotsschock: Was Anleger jetzt wissen müssen

Anthropic beantragt IPO, Alphabet plant Eigenkapitalerhöhung von 80 Milliarden Dollar – die KI-Branche flutet die Märkte mit neuem Angebot.

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KI-Börsengänge und Angebotsschock: Was Anleger jetzt wissen müssen

Die globalen Aktienmärkte zeigten sich am frühen Dienstag oberflächlich betrachtet gelassen – doch unter der Oberfläche brodelt es. Gleich mehrere Entwicklungen im KI-Sektor sowie widersprüchliche Signale aus dem Iran-Konflikt sorgten für erhebliche Bewegung. Im Mittelpunkt stand das KI-Startup Anthropic, das bekannt gab, vertraulich einen Börsengang (IPO) beantragt zu haben.

Damit kam Anthropic dem Rivalen OpenAI offenbar zuvor und nutzte den Windschatten des erwarteten SpaceX-Börsengangs, der noch in diesem Monat erwartet wird. Die jüngste Finanzierungsrunde bewertete Anthropic mit rund 965 Milliarden Dollar – und damit höher als OpenAI. SpaceX selbst wird im Rahmen seines geplanten Angebots über 75 Milliarden Dollar mit 1,75 Billionen Dollar bewertet.

Alphabet überrascht mit Eigenkapitalerhöhung

Parallel dazu gab Alphabet bekannt, eine Eigenkapitalfinanzierung in Höhe von rund 80 Milliarden Dollar aufzunehmen – darunter eine Privatplatzierung über 10 Milliarden Dollar bei Berkshire Hathaway. Die Alphabet-Aktie reagierte nachbörslich mit einem Minus von rund 2 Prozent. Während Hyperscaler bislang vor allem neue Schulden in zweistelliger Milliardenhöhe aufnahmen, um ihre KI-Investitionen zu finanzieren, stellt die Ausgabe neuen Eigenkapitals eine neue Qualität dar.

Die zentrale Frage, die Anleger nun beschäftigt: Hat der Markt bei diesen astronomischen Bewertungen überhaupt noch Appetit auf all dieses neue Angebot – oder zeigen sich erste Sättigungserscheinungen? Historisch betrachtet markierten große IPO-Wellen gelegentlich den Höhepunkt spekulativer Marktexzesse. Für Privatanleger ist das ein wichtiges Warnsignal, das es im Blick zu behalten gilt.

Hinzu kommt die Frage, was die Flut neuer KI-Titel für die Zusammensetzung der großen Aktienindizes bedeutet – insbesondere für relative Indexgewichtungen und die ohnehin schon hohe Konzentration von KI-Werten in den gängigen Benchmarks.

STMicroelectronics springt auf 25-Jahres-Hoch

Abseits der Wall Street lieferte das europäische Halbleiterunternehmen STMicroelectronics eine beeindruckende Meldung: Die Aktie sprang am Dienstag um 10 Prozent auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2000, nachdem das Unternehmen seine Umsatzprognose für Rechenzentren in diesem Jahr auf 1 Milliarde Dollar verdoppelt hatte. STMicroelectronics verhalf damit den wichtigsten europäischen Aktienindizes zu spürbaren Gewinnen.

Die reale KI-Nachfrage zeigt sich also weiterhin robust. Gleichzeitig wächst die Sorge, inwieweit der KI-Ausbau und der Wettlauf um Chips die Vorleistungs- und Verbraucherpreise beeinflussen könnten – ein Inflationsrisiko, das Analysten zunehmend ernst nehmen.

Ölpreise und Iran-Konflikt bleiben volatil

An der Energiefront gaben die Rohölpreise der Sorte Brent einen Teil des gestrigen Anstiegs von 5 Prozent wieder ab. US-Präsident Donald Trump hatte angedeutet, dass die Gespräche mit dem Iran fortgesetzt würden und möglicherweise noch in dieser Woche zu einem Ergebnis führen könnten. Dennoch bleibt die Lage unübersichtlich: Die Futures für das Jahresende liegen weiterhin mehr als 30 Prozent höher als vor Kriegsbeginn.

Die Kombination aus KI-Investitionsboom und Energieunsicherheit spiegelte sich auch in den US-Konjunkturdaten wider. Der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe im Mai erreichte den höchsten Stand seit vier Jahren. Allerdings stellt sich die Frage, ob dieser Wert durch vorsorgliche Lagerhaltung verzerrt wurde. Die Einkaufspreiskomponente gab leicht nach, bleibt aber auf historisch hohem Niveau.

Software-Sektor mit stärkstem Monatsgewinn seit 2002

In der Eurozone stieg die Inflation im Mai auf die erwarteten 3,2 Prozent, eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) noch in diesem Monat gilt nun als weitgehend sicher. An den US-Märkten verzeichnete der Software-Sektorindex des S&P 500 im Mai seinen stärksten monatlichen Zuwachs seit Oktober 2002.

Nach einem drastischen Rückgang zu Jahresbeginn – ausgelöst durch Sorgen, dass KI-Agenten traditionelle Geschäftsmodelle bedrohen könnten – hat der Sektor fast alle bisherigen Verluste des Jahres 2026 wieder wettgemacht. Aktien wie ServiceNow, IBM, Adobe, Salesforce und Workday setzten die Rallye fort, der Index legte am Montag um weitere 4 Prozent zu. Vor dem Handelsauftakt am Dienstag gaben US-Aktienfutures von ihrem jüngsten Rekordschlussstand jedoch leicht nach.

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