Kanadische Bankenaufsicht OSFI verteidigt strenge Eigenkapitalregeln als optimal
Aufsichtsbehörde weist Kritik zurück und sieht Balance zwischen Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit gewahrt

Kanadas oberste Finanzaufsichtsbehörde hat sich gegen Vorwürfe gewehrt, die heimischen Großbanken würden durch zu strenge Eigenkapitalvorschriften in ihrer Geschäftstätigkeit eingeschränkt. Peter Routledge, Chef des Office of the Superintendent of Financial Institutions (OSFI), bezeichnete die aktuellen Regelungen als "Goldilocks-Zone" – weder zu locker noch zu streng. Die Vorschriften würden ein optimales Gleichgewicht zwischen Finanzstabilität und Wettbewerbsfähigkeit schaffen.
Die Behörde veröffentlichte am Freitag einen technischen Bericht, der die sechs systemrelevanten kanadischen Banken mit Wettbewerbern aus den USA, Großbritannien und Europa vergleicht. Die Analyse zeigt, dass die kanadischen Eigenkapitalanforderungen zwar auf den ersten Blick hoch erscheinen, der flexible Domestic Stability Buffer den Instituten jedoch ausreichend Spielraum für die Kreditvergabe lässt. "Aus diesem Grund behaupten wir, dass unser System in Bezug auf das Kapital nicht überreguliert ist", erklärte Routledge im Interview mit Bloomberg.
Zu den betroffenen Instituten zählen Kanadas größte Kreditgeber wie die Royal Bank of Canada und die Toronto Dominion Bank. Diese halten Kapitalüberschüsse, die deutlich über denen ihrer internationalen Konkurrenten liegen. Trotz der strengen Vorgaben weisen die kanadischen Banken eine Eigenkapitalrendite auf, die im weltweiten Vergleich regelmäßig Spitzenwerte erreicht.
Profitabilität als erste Verteidigungslinie
Routledge betonte, dass die robuste Rentabilität der Banken als primärer Schutzschild für das Finanzsystem diene – noch bevor Kapitalreserven angezapft werden müssten. "Die Eigenkapitalrendite zeigt uns in erster Linie, dass reichlich Gewinne als erste Verteidigungslinie vorhanden sind, die noch vor dem Kapital greift", so der OSFI-Chef. Diese hohe Profitabilität ermögliche es den Instituten, auch in schwierigen Marktphasen stabil zu bleiben.
Dennoch prüft die Aufsichtsbehörde derzeit Anpassungen bei den Risikogewichtungen für Geschäftskredite. Hintergrund sind Bedenken, dass kleine und mittlere Unternehmen möglicherweise nicht ausreichend mit Krediten versorgt werden. Die geplanten Änderungen sollen die Kreditvergabe an diese wichtige Wirtschaftsgruppe erleichtern.
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Zur AktienanalyseKeine grundlegenden Systemänderungen geplant
Routledge dämpfte jedoch Erwartungen an weitreichende Reformen. "Es ist kein Gamechanger", sagte er mit Blick auf die mögliche Anpassung der Risikogewichte. Die Maßnahme könnte zwar die interne Kapitalallokation der Banken leicht verschieben, würde aber keine unangemessenen Risiken in das als stabil geltende kanadische Finanzsystem bringen. Die Balance zwischen Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit solle gewahrt bleiben.


