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Jeremy Siegel: Tech-Ausverkauf selten der Beginn einer Korrektur

Wharton-Professor Jeremy Siegel sieht im Freitags-Ausverkauf bei Chip-Aktien eine normale Reaktion auf parabolische Kursanstiege.

Jeremy Siegel: Tech-Ausverkauf selten der Beginn einer Korrektur

Der renommierte Finanzprofessor Jeremy Siegel hat den massiven Ausverkauf im Technologiesektor vom Freitag als gewöhnliche Marktreaktion eingestuft. Siegel, emeritierter Professor für Finanzen an der Wharton School of Business der University of Pennsylvania und Chefökonom von WisdomTree, äußerte sich am Freitagnachmittag in der CNBC-Sendung „Closing Bell" optimistisch: Ein solcher Rücksetzer signalisiere in der Regel nicht den Beginn einer länger anhaltenden Korrektur.

„Eines der ältesten Sprichwörter an der Wall Street lautet: Mit der Treppe nach oben, mit dem Aufzug nach unten – und genau das ist passiert", erklärte Siegel. Er verwies dabei auf das typische Verhalten von Momentum-Investoren, die bei einem Trendbruch schnell aussteigen. „Wenn es zu diesen extremen Bewegungen kommt, wie wir sie bei Chip-Aktien, Speicher-Aktien, Trendfolgern und Momentum-Playern gesehen haben – sobald der Trend bricht, steigen sie aus, weil sie nur auf diesen Zug aufgesprungen sind."

Nasdaq mit schlechtester Woche seit April 2025

Alle drei wichtigen US-Indizes verzeichneten in dieser Woche Verluste. Der Nasdaq büßte 4,7 Prozent ein – das schlechteste wöchentliche Ergebnis seit dem 4. April 2025. Trotz dieses Rücksetzers weist der Nasdaq im Jahr 2026 noch immer ein Plus von 10,6 Prozent auf.

Besonders hart traf es den Halbleitersektor. Der VanEck Semiconductor ETF (SMH) stieg seit Jahresbeginn zwar um beeindruckende 58 Prozent, verlor in dieser Woche jedoch knapp 5 Prozent. Der Rückgang am Freitag allein betrug 9,2 Prozent – die schlechteste Tagesbewegung seit dem 27. Januar 2025. Der iShares Semiconductor ETF (SOXX) erlebte am Freitag sogar seinen schlechtesten Tag seit dem 16. März 2020, liegt aber seit Jahresbeginn noch immer mit mehr als 79 Prozent im Plus.

Als Auslöser für den Ausverkauf bei den Chip-Aktien gilt unter anderem die Tatsache, dass Broadcom am Mittwoch seine Prognose für KI-Chips nicht angehoben hatte. Die Intensität der Verkäufe am Freitag war jedoch gravierender als die unmittelbaren Reaktionen auf diese Nachricht – der genaue Auslöser blieb damit unklar.

„Das ist selten der Höchststand"

Siegel betonte, dass derartige Bewegungen historisch betrachtet nicht ungewöhnlich seien und mahnte zur Gelassenheit. „Das ist selten der Höchststand", sagte er. „Es könnte das Top sein, aber normalerweise ist es ein sehr kurzfristiger Höchststand. Es geht abwärts, dann versucht der Markt sich wieder aufzubauen, und das ist der Punkt, an dem man das vorherige Hoch durchbricht. Gelingt dies nicht, könnte das der Beginn eines größeren Abschwungs sein – aber dies ist eine sehr, sehr gewöhnliche Reaktion auf die parabolische Bewegung."

Gleichzeitig unterschied Siegel die aktuellen, durch künstliche Intelligenz getriebenen Marktgewinne von früheren Spekulationsblasen. Er sieht im potenziellen Produktivitätswachstum durch KI einen fundamentalen Unterschied. Die gesellschaftlichen Auswirkungen verglich er mit denen der Industriellen Revolution. „Diese KI-Revolution sowie die ‚Mag Seven' stellen eine Situation dar, die wir so noch nie gesehen haben", sagte er.

Warnung vor zyklischen Risiken bei Chip-Aktien

Trotz seines grundsätzlichen Optimismus warnte Siegel vor übertriebenen Erwartungen an die Nachhaltigkeit der Gewinne. „Denken Sie daran: Sie können Ihren Kurs nur verdoppeln, wenn Ihre Gewinne dauerhaft verdoppelt bleiben. Wenn dies nur ein drei- oder vierjähriger Boom ist und sie danach wieder sinken, haben Sie bei diesen Chip-Aktien zu hoch gepokert", sagte er.

Der Professor mahnte Anleger ausdrücklich zur Vorsicht bei vorübergehenden Rentabilitätssprüngen und erinnerte an die historische Zyklizität des Halbleitersektors. „Chips weisen historisch gesehen eine Zyklik auf" – ein Hinweis, den deutsche Privatanleger bei der Bewertung ihrer Technologie-Positionen im Blick behalten sollten.

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